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Antun Gustav Matoš

(1873-1914)

Croatian writer; important representative of Croatian Modernism; formal-aesthetic lyrics by model from European symbolists. He brought a combination of lyrics, fantastic, irony and bizarre in short stories; as critic and polemicist he characterised a Croatian literary era from 1908-1914.
Literary works: Splinters; New Splinters; Sights and ways; Tired stories; Our people and places etc.
 

deutsch

Der Trost der Harre

Ich schaue dich abends. Träumend. Traurig. Tote.
Im fatalen Saale, in der Blumen Scherzen
Hoch am Sterbelager, Agonie der Kerzen
Dir bereit zu geben das Lebens als Opfer.

Ich weinte nicht. Gar nicht. Verblüfft ich inne;
Im fatalen Saale; voll des Todes Schönheit,
Stets im Zweifeln ob der dunkeln Augen Klarheit,
Aus der mir ein besseres Leben schien im Sinne.

Alles, tot ist alles; Augen; Atem, Hände
Alles, was verzweifelnd will ich lassen
Voll der blinden Ehrfurcht die Leidenschaftsbrände

Im fatalen Saale , Gedanke in blassen:
Allein deine Harre waren noch am Leben,
Und sie sagten: - Ruche! Im Tod träumt man eben.

Notturno

Laue Nacht; im Dorfe spätes Bellen;
Kauz und Fledermaus;
Blumenliebe-Duft aus trunknen Quellen;
Hochzeit wird daraus.

Winz´ger Grille wehmutsvolles Schellen,
Silbern quillt heraus;
Schwere Augen schlafend, Ruhewellen,
Geh´n vom Himmel aus.

Dunkle Turmuhr schlägt,
Schläfrig Stunden zählt,
Milde Helle rieselt aus den Sternen;

Durch Einsamkeit geht,
Immer leiser weht:
Eisenbahn entschwindet in den Fernen.

Die Glocke

Die fremde Glocke, ein Titanenstöhnen,
zwingt mich, an eine andere zu denken,
in meiner Heimatstadt, auf die sich düster
vorausgeahnte Elendsschatten senken.

Sie mit mir traurig, anverwandte Glocke,
sollst meinem Kummer schwarze Segel setzen!
Dein Schwengel möge mir die Brust zerschalgen,
und, in mich dringend, mir das Herz zerfetzen!

Die Glocke schweigt...Und die Gedanken nagen...
Oh, das im Abend lastende Bedauern!
Umdunkelt...Einsam...Fern von dir, Geliebte,
läßt mich dein Kuß auf meiner Stirn erscheuern...

Verrückheit! Schwache! Nerven! Auf Gedanke,
zeig deine Kraft im Wissen und im Wollen,
sei Wirbelsturm, sei Aufruhr, sei Posaune
und dröhne donnernd wie ein Glockengrollen!
 

Fabel

In der Scheune gackert das Federvieh:
Der Nachbar Fuchs dezimiert die Nation.
Und-wie immer-beschließen sie
die Entsendung einer Deputation.

Entschlossen trat weit vor das Scheunentor
ins Land die gewählte Delegation.
Sie sprach alsbald beim Regierungschef vor
Und übergab ihm die Deklaration.

Der große Meister bedankenlos, fraß
-wie imer-das arme Häuflein zum Spaß,
ohne daß er sich mit jemand besprach.

Allein das Parlament konstatierte,
das sich Herr Nachbar gründlich blamierte,
weil er klar gefaßte Verträge brach.
 

Antun Branko Šimić

(1898-1925)

Antun Branko Šimić (November 18, 1898 – May 2, 1925) was a Croatian expressionist poet from Bosnia and Herzegovina. His literary achievements, his spirit and force of his creative work belong to the heights of Croatian poetic expression.
Šimić did not write a large literary opus during his lifetime. However, some of his poems could be called anthological, like Pjesnici (Poets), Veče i ja (The Evening and I), Opomena (Warning), Ručak siromaha (The Poor Man's Dinner), Žene pred uredima (Women in Front of Offices), Smrt i ja (Death and I), Pjesma jednom brijegu (Poem to a Mountain), Smrt (Death), and some others. After writing under the influence of Matoš, Kranjčević, Vidrić and Domjanić, he bore down on the traditionalists and started favouring an unrestrained expression and expressionist spirit. In his collection Preobraženja (Metamorphoses), using a free verse, he wrote tersely, rhythmically, gnomically and logically.

deutsch

Meine Verklärung

Ich preise mich ich aus schwarzer Tiefe
Und qualvoller Nacht
mein bleiches weiches Gesicht hinaus
in den klaren Morgen trage
und mit Blicken über Flauern Wiesen und Wasser
schweife
Ich preise mich der ich am Tage sterbe zahllose Male
Und zahllose Male vom Tode erwache

Oh Gott gib daß ich mich müde vom Auf und Ab
Wandle in dein unwandelbares Licht und ewigen Stern
Der nachts aus Himmelshöhen strahlt
Auf die schwarze Pein nächtlicher Verzweiflung.
 

Herzegowina

Ich schreite durch die Wiesen
vom Dämmerlicht blau

Am Rande der Wiesen das Hauses einer Mühle
aus der Ferne
eine mit Blut gemalte grobe Malerei
am Himmel

Ja näher ich komme desto lauter schreien
Die zahllosen rotglühenden Ziegel
Wer es nicht weiß, könnte meinen
Die Bauern feiern ein Fest

Am Fuß eines Hügels müht sich
Ein schwarzer Zug
gleichmäßig stampft er und pfeift
seine Ankuft der doch weiten unsichtbaren
Station

Die Nacht und ich auf dem Berge

Unter mir tauchen für Augenblicke
Aus dem Dunkel
Häuser Bäume Höfe und Felder
Und versinken wieder im Dunkel
Wie im Bewußtsein

Aus der Finsternis schauen helle weiße Fenster
uuf mich: wie weiße festliche Stunden
aus dem schwarzen Leben der Menschen

Die Dichter

Die Dichter sind das Staunen in der Welt

Sie gehen durchs Land und ihre Augen
groß und stumm wachsen an den Dingen

Das Ohr zugeneigt
dem Schweigen das sie umgibt und quält
sind die Dichter das ewige Flimmern in der Welt.


Mahnung

Mensch gib acht
daß du nicht winzig
unter den Sternen wandelst!
Laß
dich ganz durchdringen
vom milden Licht der Sterne!

Daß du nichts bereuen mußt
wenn du dich mit einem letzten Blick
von den Sternen trennen wirst!

An deinem Ende
Geh Staub
Ganz in Sterne über!


Liebe

Wir haben die gelbe Lampe gelöscht

Ein blauer Mantel legte sich um deinen Körper
Draußen rauschen Bäume und Wolken
Draußen schweigen schwere weiße Flügel

Mein Körper ausgestreckt zu deinen Füßen


Meine Hände winden sich begehren bitten
Liebste, laß dein schweres Haar
wallen wallen durch die Nacht

Durch die Nacht
Rauscht der Liebsten Haar so schwer
Wie das Meer

Schwere Luft

O wohin soll man heute gehen?

Ins Zimmer kommt meine Mutter
setzt sich
und schaut mich an mit stummen Blick

Ich lege das Buch hin, geh aus dem Haus

Am Feldrand zwischen schwarzen Bäumen
die rote tote aufgehängte Sonne.

Ich bleibe mitten auf der Straße stehen
und schreie auf
mit aller Kraft

Der Tod und ich

Der Tod ist nicht außer mich. Er ist in mir
von allem Anfang an: er wächst mit mir
zu jeder Zeit
Eines Tages
halte ich ein
er aber wächst weiter
in mir bis er ganz durch mich hindurchgewachsen
und an mein Äußerstes gelangt. Mein Ende
ist sein wahrer Anfang:
wenn er allein als König weiterherrscht

Fabel

In der Scheune gackert das Federvieh:
Der Nachbar Fuchs dezimiert die Nation.
Und-wie immer-beschließen sie
die Entsendung einer Deputation.

Entschlossen trat weit vor das Scheunentor
ins Land die gewählte Delegation.
Sie sprach alsbald beim Regierungschef vor
Und übergab ihm die Deklaration.

Der große Meister bedankenlos, fraß
-wie imer-das arme Häuflein zum Spaß,
ohne daß er sich mit jemand besprach.

Allein das Parlament konstatierte,
das sich Herr Nachbar gründlich blamierte,
weil er klar gefaßte Verträge brach.
 

italiano

Le mie transfigurazioni

Io canto me stesso esponendo il pallido viso
dagli abissi della notte e tormentosa
al mattino cristallino
e nuoto cogli sguardi per i campi, i prati e le acque
Io canto me stesso che ogni giorno
un'infinita di volte muoio
e altretante volte risuscito
O Dio fa' ch'io stanco dei mutamenti
trasfigurato diventi la tua luccente
ed immutabile stella
che dal ciel lontano risplendera nella notte
nei tormenti neri di quei nottambuli disperati

Timento

Sta' attento, o uomo,
di non andar parvo
disotto alle stelle!

Lascia
che interno ti impronti mite
la luce delle stelle!

Senz'alcun rimpianto
nel dirsi l'addio con gli ultimi sguardi
lassů alle stelle!
Tu alla tua fine
invece che nella povere
passa nelle stelle


Lo e la morte

Non e fuori di me-la morte. Essa e in me
fin dai primordi; in ogni istante
lei qui sta crescendo
E poi un giorno
io mi fermo
mentr'ella cresce avanti
in me finché non mi superi del tutto
agganciandosi all'mio orlo. La mia fine
e il suo vero inizio:
quando poi avanti ella regna da sola

english

The return

You do not even sense
that I have returned and am near at hand
At night when the silent moon murmurs in your ear
know:
it is not the moon circling your house
I am wandering on the blue paths of your garden.
When walking on the road in the dead noon light
you stop,
frightened by the cry of a strange bird
know:
that was my heart’s call from the near banks
And when you see some shadow move in the twilight
from the far side of the dark, silent water
know:
I am walking, proud and exultant
as if beside you.


My love, my friend and I

On my love’s body
your gaze
rests
caresses
slips and falls
like a dead black bird
Your lust howls and howls
around the body of my sweetheart
Your gaze and mine
a collision of hatred
scrapes
bursts
hurts and hurts
Through space
the red stream
of my blood
sprays

Famished death eats the heart

***

I sing myself when from endless and sickly night
carry out palely softly face into crystal morning
and with glances swim towards meadow fields and to the waters

I sing myself , who die unnumbered times per day
and unnubered times rise up

Oh, God give me tired of transformations
transform into your bright unchangeable and eternal
star
what will from the far sky shy
into black pains of nightly desperadoes
 

Augustin Tin Ujević

(1891-1955)

Das lyrische und essayistische Werk des kroatischen Dichters Tin Ujević steht im Mittelpunkt der Untersuchung. . Ziel ist es, die Ablösungsprozesse von der Avantgarde in seinem Werk zu beschreiben, die sich in einer neuen Traditionsbildung, in ihren Umschreibungen und Umstrukturierungen manifestieren sowie die Übergangsformen und die Grundzüge des nachavantgardistischen Kulturparadigmas in Ujevićs Werk herauszuarbeiten. Dabei werden Ujevićs komplexe Rückgriffe auf die europäische Kulturtradition sowie seine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der kroatischen Kultur und Dichtung erörtert. Ausgehend von struktural-hermeneutischen Prämissen wird einer kulturgeschichtlichen Kontextualisierung von Ujevićs Werk angestrebt. Ujevićs Oeuvre, das sich über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts erstreckt, bietet auch Anlass, die literaturgeschichtlichen Periodisierungsmodelle für das 20. Jahrhundert zu hinterfragen.

deutsch

Alle Tage Klage

Wie schwer ist es, allein zu sein,
allein zu sein und schwach zu sein
und alt zu sein und doch noch jung!

Und gänzlich ohne Kraft zu sein
und ohne irgenwen, allein,
und friedelos, verzweifelt sein,

dahinzutrotten durch den Staub
getreten werden in den Schmutz,
den Himmel sternlos über sich.

Und ohne Licht des Schicksal-Sterns,
der strahlend in die Wiege schien,
auch wenn er nur ein Irrlicht war.

O Gott, o Gott, erinn´re dich
der glänzenden Verheißungen
von einst für meinen Lebensweg.

O gott, o Gott, besinne dich:
von Liebe sprachst du, sprachst von Sieg
und Lorbeer, Gott, erinn´re dich!

Und siehe, Herr, dein Sohn durchirrt
das düstre Jammertal der Welt
in Dorngestrüpp, auf Steingeröll,

von Ort zu Ort und ohne Ziel
und Rast, die Füße bluten längst,
und das geqälte Herz ist wund.

Die Knochen: müde bis ins Mark.
Die Seele: traurig bis zum Grund.
Er ist verlassen, ist allein,

hat Schwester nicht und Bruder nicht,
ist mutterlos und vaterlos,
hat keine Liebste, keinen Freund,

und er hat niemand, niergendwo;
der Dorn, der ihm das Herz zersticht,
die Flammen auf der Haut sind sein.

Er geht in tiefer Einsamkeit,
den dunklen Himmel über sich,
und vor ihm, düster, wogt das Meer.

Wem aber soll er klagen, wem?
Es hört ihn niemand an, sogar
kein andrer Vagabund wie er.

O Gott, es glüht, es flammt dein Wort,
und in der Kehle ist ihm eng,
es will den Aufschrei, der befreit.

Ein glühendrotes Scheit: das Wort,
das ich nicht sprechen, schreien kann,
ein Wort das mich verbrennen wird.

Laß mich ein Feuerziechen sein,
vom Berge weithin leuchten, Herr,
da ich der Ruf vom First nicht bin!

O gott, o Gott, erlöse mich
von dieser tristen Wanderschaft,
vom Himmel ohne Mitgefühl.

Ich flehe nach dem starken Wort,
und eine Antwort brauche ich,
wenn nicht die Liebe, dann den Tod.

Wie bitter ist der wermutskranz,
wie düster, giftgefüllt der Kelch!
Ich rufe den Eliastag.

Den quälend ist es, schwach zu sein,
und quälend ist die Einsamkeit
(da ich doch stark sein kann, voll Kraft

und zärtlich sein kann, liebevoll),
das aber ist das Quälendste:
schon alt zu sein und doch noch jung!


Die  Verbrüderung der Menschen im Weltall

Sei ohne Furcht! Du bist nicht einsam, nicht allein,
Das gleiche Leben wird von anderen geführt,
Und neben dir wird stets ein andrer sein,
Der deinen Wunsch nach Wärme und nach Schönheit spürt.

Sei ohne Stolz! Du denkst, was auch ein andrer denkt,
Du bist mit ihm den selben dunklen Weg gegangen,
Beachtung wird nicht dir allein geschenkt,
Uns prägt das gleiche irrige Verlangen.

Wir kommen, innig nah verwandt,
Aus alten Zeiten und aus großen Fernen,
als Ebenbilder oft und Hand in Hand,
wie Kinder, die den eignen Namen erst erlernen.

Wir tun Verwerfliches auf gleiche Weise,
die selben Träume werden uns gesandt,
und unsre Seelen nährt die selbe Speise,
das gleiche Mal der Selbstsucht ist uns eingebrannt.

Es ist der Mensch des Menschen Feind,
im Glauben, dass er über Niedrigkeit und Bosheit richte,
doch im vergoss´nen Blute eint
uns alle die gemeinsame Geschichte.

Dem Eiteln ist es Grund zum Umbehagen
und dem Verzweifelten ein Hoffnungszeichen,
dass wir die selbe Last des Schicksalstragen
und uns im Leid und in der Freude gleichen.

Ich bin auf einem anderen Planeten
In einem Unbekannten, ihm mein Ich zu leihn,
in einer Blume, welk, zertreten,
wann bin ich dort in meinem eigenen Sein?

Ich bleibe ich, auch wenn ich nicht mehr bin,
ich bin der Einzige, auch einer Masse preisgegeben;
mit allen Wesen sterbe ich dahin
und werde namenlos in meinen Brüdern weiterleben.
 

english

Daily Lament

How hard it is not to be strong,
How hard it is to be alone,
And to be old, yet to be young!
And to be weak, and powerless,
Alone, with no one anywhere,
Dissatisfied, and desperate.
And trudge bleak highways endlessly,
And to be trampled in the mud,
With no star shining in the sky.
Without your star of destiny
To play its twinklings on your crib
With rainbows and false prophecies.
– Oh God, oh God, remember all
The glittering fair promises
With which you have afflicted me.
Oh God, oh God, remember all
The great loves, the great victories,
The wreaths of laurel and the gifts.
And know you have a son who walks
The weary valleys of the world
Among sharp thorns, and rocks and stones,
Through unkindness and unconcern,
With his feet bloodied under him,
And with his heart an open wound.
His bones are full of weariness,
His soul is ill at ease and sad,
And he's neglected and alone,
And sisterless, and brotherless,
and fatherless, and motherless,
With no one dear, and no close friend,
And he has no-one anywhere
Except thorn twigs to pierce his heart
And fire blazing from his palms.
Lonely and utterly alone
Under the hemmed in vault of blue,
On dark horizons of high seas.
Whom can he tell his troubles to
When no-one’s there to hear hues call,
not even brother wanderers.
Oh God, you sear your burning word
Too hugely through this narrow throat
And throttle it inside my cry.
And utterance is a burning stake,
Though I must yell it out, I must,
Or, like a kindled log, burn out.
Just let me be a bonfire on
A hill, just one breath in the fire,
If not a scream hurled from the roofs.
Oh God, let it be over with,
This miserable wandering
Under a vault as deaf as stone.
Because I crave a powerful word,
Because I crave an answering voice,
Someone to love, or holy death.
For bitter is the wormwood wreath
And deadly dark the poison cup,
So burn me, blazing summer noon.
For I am sick of being weak,
And sick of being all alone
(seeing I could be hale and strong)
And seeing that I could be loved),
But I am sick, sickest of all
To be so old, yet still be young!
 

Form the Necklace XXI

Tonight, my forehead gleams
And sweat drips in each eye;
My thoughts blaze through dreams,
Tonight, of beauty I shall die.
The soul´s core is pure passion, deep
In the pit of night, a blazing cone.
Hush, weep in silence. Let us weep
And let us die. We´ll die alone.

Blessed morning

Blessed morning, you cascade
Roaring lightfalls in this room.
How can pain make me afraid,
Dead already, in my tomb?
Well, perhaps you can ignite
Buried sparks from ash and dust
Since the lilac and the light
Still swell longing in your breast.
When I lift your veil, you show
Lines of quiet, forms of grace
In shelves of books, row on row –
Then the whole room’s careworn face.
Yet, there’s something still I miss
From this crib without a cross,
A smile on darling lips, the kiss
Of flowers in a waterglass.
Blessed morning, while you dress
This room in your translucent robe,
I have no fear of death’s caress.
Only give love back to this Job.

Lamento d' ogni giorno

Mi aggrava esser debole
Mi aggrava esser solo
E sentirsi vecchio, essendo giovane.

Sentirsi tanto debole ed inane 
Senza amici in alcun luogo 
Senza pace, disperato.

Percorrendo i sentieri
Sentirsi calpestato nel fango
Senza che le stelle brillino nel cielo.

Oh Signore, Oh Signore rammenta
Tutte le splendide promesse,
Che mi facesti un dì.

Tu sai che Tuo figlio viaggia
Attraverso un mondo doloroso
Attraverso spini e roccie.

Da un posto spietato alla crudeltà
Ed i suoi piedi sanguinano
Ed il suo cuore è ferito.

E le sue ossa sono stanche
E la sua anima è triste
E si sente solo ed abbandonato.

Nè sorella o fratello egli ha,
Nè padre o madre egli sa
Nè un’amata od un amico.

Oh Dio, se potessi fermare
Questo angosciato percorso
Sotto un cielo silenzioso.

Perchè abbisogno una parola potente
Perchè richiedo una risposta,
Un amore, od una morte santa.

Soffro tanto la mia debolezza
Soffro tanto la mia solitudine
Anche se da solo potrei esser forte.

Anche se da solo potrei esser amato
Soffrire è una tortura, ma ancor peggio
Sono adesso vecchio, mentre ancor giovane.

 

Lamento de cada dia

Que pesado es ser debil
que pesado es estar solo
ser viejo siendo joven.

Ser tan debil sin esperanza alguna
sin nadie en ninguna parte
sin paz, desesperado.

Trotando los caminos
Sentirse pisoteado sobre lodo
Sin que las estrellas brillen en el cielo.

O Señor, O Señor recuerda
todas las maravillosas promesas,
que un dia me diste.

Tu sabes que tu hijo viaja
A travez de un doloroso mundo
a travez de espinas y rocas.

De la no compasion a la crueldad
y sus pies sangran
y su corazon esta herido.

Y sus huesos estan cansados
y su alma esta triste
y el esta solo y abandonado.

El no tiene hermana ni hermano
el no tiene padre o madre
el no tiene alguien que le ame o un amigo.

O Señor, si tan solo pudiera 
detener este andar
bajo esta muda boveda celeste.

Necesito una palabra poderosa
necesito una respuesta
amor o bendita muerte.

Sufro tanto mi debilidad
Sufro tanto mi soledad
si tan solo pudiera ser fuerte.

Si tan solo pudiera ser amado
Sufriendo esta tortura
Soy ahora viejo siendo aun joven.

Aleksa Šantić

(1868-1924)

Aleksa Santic published several books of poetry, "Poems" and "At the Old Fireplaces" among the others. He is a poet of strong emotion and deep inspiration. Among his poems, there are a few patriotic and love poems that stand out.

deutsch

Emina

Zu Nacht, als ich heimging vom warmen Hamam
Ganz nahe beim Hause des alten Imam.
Stand sie im Garten, im Schutz der Jasmine,
den Krug in der Händ die schöne Emine.

Welch Mädchen, welch Wesen! Fürwahr beim Imam,
Sie wäre ein Schmuck dem Seraile des Sultan!
Und erst, wenn sie schreitet, die Schultern bewegt...
-Mir helfen kann nicht mal des Hodschas Gebet!

„Salam ich sie grüßte. Bei meinem Galuben,
Die schöne Emina will´s nich erlauben,
Den Krug nur geht sie mit Wasser zu füllen,
Den Durst der Rosen im Garten zu stillen.

Der Wind von den Zweigen umweht die Gestalt,
Er löst ihre Haare mit sanfter Gewalt,
Und gleich Hyazintchen so duftet ihr Zopf,
Daß Schwindel erfaßt meinen trunkenen Kopf.

Fast wär´ichgetaumelt, beim menem Leben,
Die schöne Emina mag mir nichts geben,
Sie schaut mich nur an mit finsterem Blick,
Beachtet mich nicht, auch wen ich ersticke!

Mein Vater

Als sähe ich ihn, in Waffen gerüstet,
Am krummen Säbel zwei Eiszapfen glitzern.
Die scharrenden Hufe und schnaubenden Nüstern:
Als ob sein Pferd zum Kämpfen gelüstet.

Es dämmerte schon. An Mutters Rocksaum hingen
Im Hofe wir Kinder, die Herzen uns beben-
Marientaler wird der Vater uns geben,
Aus seinem Beutel, um der Reise Gelingen...

Er umarmt uns mit Liebe und wir mit Gebühr
Küssen die Hand ihm. Dann besteigt er den Schimmel
Wir folgen ihm lange, bis es hell wird am Himmel.

Vor ihm geht Jovan, der Diener, mit dem Gewehr,
sie schreiten, wie wenn nie diese Bilder verblassen...

Brot

Das Schiff ist bereit. In der wogenden Flut
Verlischt die Flamme der Sonne im Westen.
Die Dämmerung wächst und in herbstlicher Glut
Bedeckt sie geruhsam die felsigen Küsten.

Das Deck voller Menschen. Die Hände erhoben,
senden sie Grüße und winken mit Tüchern.
Ich seh´ in der Menge auch unsere Brüder.
Sie steh´n an der Reling, von Schweigen umwoben.

Wohin nur, wohin, Bruder aus meinem Land?
„Dorthin, weit weg! Das Schicksal hat uns verdammt,
von Himmel gebracht uns unsägliche Not...“

Doch leidet ihr nicht um der Heimat Geschick?
„Wir leiden sehr..., Bruder, Gott gebe ihr Glück,
Nur gibt es kein Brot... Lebe wohl!...kein Brot...“

english

Emina

Last night, returning from the warm hamam,
I passed by the garden of the old imam,
And lo, in the garden, in the shade of a jasmine,
There with a pitcher in her hand stood Emina.
What beauty! By my Muslim faith I could swear,
She wouldn’t be ashamed if she were at the sultan’s!
And the way she walks and her shoulders move . . .
--Not even a hodja’s amulet could help me!
I offered her salaam, but by my faith,
Beautiful Emina wouldn’t even hear it.
Instead, scooping water in her silver pitcher,
Around the garden she went to water the roses.
A wind blew from the branches down her lovely shoulders
Unraveling those thick braids of hers.
Her hair gave off a scent of blue hyacinths,
Making me giddy and confused!
I nearly stumbled, I swear by my faith,
But beautiful Emina didn’t come to me.
She only gave me a frowning look,
Not caring, the naughty one, that I’m crazy for her!

Stay here

Stay here!... The sun that shines in a foreign place,
Will never warm you like the sun in your own;
The bread has a bitter taste there
Where one has no one, not even a brother.

Who would find a better mother than one’s own,
And your mother is this country;
Take a look upon the limestones and the field,
Everywhere are the graveyards of your great-grandfathers.

For this country they were noble giants,
Lights who knew how to defend it,
You, too, should stay in this country,
And give the fund of your blood for it.

As a deserted bough, when the autumn winds
Tear its leaves and slash it with ice;
Your motherland would be without you,
Like a mother crying for her child.

Do not let tears run down her face,
Return to it in the world’s embrace;
Live in order to be able to die
On its battlefield where glory comes to greet you!

Everybody knows and loves you here,
And nobody will recognize you there;
Even the barren limestones are better here
Than the flowers in the fields of a foreign place.

Everybody shakes your fraternal hand here –
In the foreign land, wormwood blooms for you;
For us, amongst the limestones, everything connects:
Name, language, brotherhood, and holy blood.

Stay here!... The sun that shines in a foreign place
Will never warm you like the sun in your own -
The bread has a bitter taste there
Where one has no one, not even a brother…

 
Do not believe

Do not believe in my verses and rhymes
When they tell you, darling, how deeply I love you,
That at every moment I pray God for you
And that I carve your name in the trunks of trees -

Do not believe! But late at night, when the moon shines,
And pours silver over blue rocky mountains;
There, where in the shrubs a new spring flutters,
And where our blue lilacs are sweetly asleep,

Come, I'll wait for you! And in these hours,
When against my chest you press yourself tightly,
If you feel then, love, that my body trembles,
And burns with passion in the grasp of its fire;

Then believe me , love, that's all you need to know!
For real love knows not how to use words;
It only burns like a blaze, not cautious,
Nor does it care, love, for verse and rhyme.
 

Български

 Емина

Снощи се прибирах късно от хамама
край бахчата китна минах на имама,
щом надзърнах вътре, на хлад под жасмина
с ибрика в ръката стоеше Емина.

Пуста опустяла! Хвала на имама,
не ще го посрами даже пред султана!
Как кръшно пристъпи и снага изви
и ходжа с молитви не ще ме спаси.

Селям й продумах. Проклета съдбина,
не щя да ме чуе хубава Емина.
В ибрика си сребрен тя вода налива
из бахчата тръгна гюла да полива.

От клонака китен ветрец щом повя
гъстите й плитки мигом разпиля,
на сини зюмбюли лъхна й косата
а на мен изви се вихър из главата.

Едва не погинах. Проклета съдбина,
към мен не пристъпи хубава Емина
с погледа си тъмен стрелна ме за кратко,
нехай, че по нея, луд лудея, братко.



Abdulah Sidran

(1944)

Abdulah Sidran (September 9, 1944 in Sarajevo, Bosnia and Herzegovina - ), often referred to by his nickname Avdo, is a Bosnian writer and poet who is renowned for his screenplays and dramas.
His major works include Šahbaza, Bone and meat, The Sarajevo tomb (Sarajevski tabut), Why is Venice sinking (Zašto tone Venecija), several books of poetry, and screenplays for award-winning movies from the Former Yugoslavia, such as When father was away on business and Do you remember Dolly Bell, directed by Emir Kusturica, and Kuduz and The Perfect Circle, directed by Ademir Kenović. His opus is characterized by a soft and soothing sensibility, where tragedy, meditativity and a specific and humorous irony change sides and play tricks on each other more often than not.
 

english

Prayer in Milan

Make me die
This moment, God.
Only leave
My eyes
Behind.
So they can watch
--on Piazza Duomo--
the women going by.

All together once more

We climbed up to the highest point in town. All together
once more, only he is missing.
Its close to midnight, the hour when outlaws
and the dead come to mind. (It is not lights
glistening in the valley, but their souls that remain
with us, dispersing their brilliance, giving off their scent).

At present, our brother is crying in the hills.
His head in his hands, the hands that condensed misfortune into one spasm,
he is crying but making no demands. Because his heart
is an open book where we have always read
one single thing: love and wisdom are sisters,
despair is their voiceless cousin.

The lights are going out down below. Day is breaking, brother.
Pick up your books and come, just like the first time.
The town is deserted. In the streets of the suburbs,
greasy caps hasten to the city's entrails. Morning
brings a gentle premonition: all will be well,
good will prevail.


Into the great mist

Listen: how quietly
The tired Earth's hair is turning grey.
The World decamps into the great mist.

This island, this razed field, sinks away.

And when they are sunk
And changed into the slow seeds
These heads of ours will be swayed for a long time
By a thick wind, underground.

Only the words will survive—
Those words we never uttered—
And because of them (this is the marvel)
Our existence here will be long remembered.

Listen: how quietly
The tired Earth's hair is turning grey.
The World decamps into the great mist.


deutsch

Insel bin ich, im Herzen der Welt

Alptraum

Was tust du, Sohn?

Ich träume, Mutter. Ich träume, daß ich singe, Mutter,
und du fragst mich, in meinem Traum: Was tust du, Sohn?

Wovon singst du, im Traum, Sohn?

Ich singe davon, Mutter, daß ich ein Haus hatte.
Und jetzt habe ich kein Haus. Davon singe ich, Mutter.

Daß ich eine Stimme hatte, Mutter, und eine Sprache.
Und jetzt habe ich weder Stimme, noch Sprache.

Mit der Stimme, die ich nicht habe, in der Sprache,
die ich nicht habe,
von dem haus, das ich nicht habe, singt mein Lied, Mutter.
 



Weshalb versinkt Venedig

(Auszug)

(...)

Ich schaue in den Himmel über Venedig.
Nichts hat sich verändert in den letzten
sieben Milliarden Jahren. Oben - ist Gott. Er
erschuf das Weltall, im Weltall sieben Milliarden
Welten, in jeder Welt eine Vielzahl von Völkern, eine Fülle
von Sprachen, und jeweils ein - Venedig.

Die Völker erschuf Er verschieden, ins Ohr flüsterte Er ihnen: "Nun
lernt einander kennen." Eine Unmenge von Sprachen gab Er, auf daß sie diese erlernen,
die einen von den anderen, auf daß sie sich durch die Sprachen kennenlernen, und alle
dadurch reicher werden, und besser. Venedig gab Er, wie
Er Vogel und Fisch gab, auf daß die Menschen und Völker glauben
an Ihn - verwundert über Seine Werke.

Ich schaue in den Himmel über Venedig. Oben, und überall,
ist - Gott. Der Einzige. Der das Weltall erschuf, sieben
Milliarden Welten im Weltall, in jeder Welt viele
Sprachen und Völker, und jeweils ein Venedig. Und ein kleines
Volk gab Er, in einer Welt, auf dem Festland , das genannt wird
Europa, im Stamme der südlichen Slawen. Hier ist die Grenze.
Bosnien, Bosnien, Bosnien. Es berühren sich hier und bekämpfen sich, das Östliche
Kreuz und das westliche Kreuz, aus dem einen Kreuz entstanden. Aber
das Volk der Bosniaken ist friedlich. Daher ergriff es die Hand des Dritten
Glaubens: an den einzigen Gott, der nicht geboren, auch nicht gebar
aber der Herr der Welten ist, und Herrscher am jngsten Tage.


Ich schaue in den Himmel über Venedig. Die irdischen
Herrscher nahmen sich vor: das Volk der Bosniaken - soll es nicht geben.
Venedig versinkt. Europa versinkt. Es versinkt die Wiege, und das Kind
in der Wiege versinkt. Es versinken die Kontinente. Es versinkt die Rose in der Vase
aus Murano-Glas. Es versinkt Murano. Das Hotelzimmer versinkt.
Und der Club der toten Dichter versinkt. Weshalb soll es nicht
auf der Welt geben das Volk der Bosniaken? Unter den Farben
- eine Farbe weniger? Unter den Düften - ein Duft weniger?
Weshalb soll es nicht auf dieser Welt geben - dieses Venedig?
Unter den Wundern - ein Wunder weniger?

Ich schaue in den Himmel, über die irdische Welt.
Ein Stern, in weitem Bogen, stürzt in den Abgrund
des Weltalls. Als fiele er - mitten in den Canale Grande.
Die irdische Welt, unter sieben Milliarden kosmischer
Welten, will verarmen um ein ganzes
Volk. Dies ist der Wille der irdischen Herrscher.
Im Weltall fällt ein Stern. Deshalb versinkt
Venedig. Das Weltall verarmt - um eine ganze
Welt. Dies ist der Wille des Herrn der Welten.
Dies ist der Wille des Herrschers am Jüngsten Tage.


Auch andere haben die Stadt besungen

Auch andere haben die Stadt besungen: Reisende,
im Staunen verharrend vor der Vielzahl
widersprüchlicher Bilder,
die doch miteinander im Einklang sind, und auch im Einklang
mit dem Auge, das sie versammelt. - Aber niemand hat dabei
gelitten, und geweint.

Auch andere haben die Stadt besungen: gelehrte Gäste
aus der Welt, in deren Ohr noch die Schüsse
gellen: O mein Gott, dieses Bosnien,
diese Barbaren, dieser Wirrwarr, dieser Gestank. - Der
hat wahrlich nicht dabei gelitten und geweint.

Auch andere haben die Stadt besungen: Reisende,
im Staunen verharrend, gelehrte Gäste aus der Welt,
Ankömmlinge dann, unsere Ankömmlinge, argwöhnisch
und schlau, emsige Herrchen von langsamer Liebe und
ganz literarischer Rede.

Ach Herz - Ach Stadt!
Auch andere haben dich besungen, aber niemand
hat dabei gelitten, und geweint, als er an die silberne
Seele rührte, deine junge Wunde!
 

Branko Miljković

(1934-1961)

His suicide at the age of 27 strongly emphasized his poetry which was, from the beginning, motivated by death. He left poetry collections "Waking her in Vain" (1957), "The Origin of Hope" and "Fire and Nothing" (1960), and a book of patriotic poems "With Death Against Death" (1959), written together with Montenegroan poet Blazo Scepanovic. He also wrote essays and critics, and translated from Russian and French

deutsch

Vergeblich wecke ich sie

Ich wecke sie wegen der Sonne,
die sich durch die Pflanzen äußert;
wegen des Himmels,
zwischen den Fingern gespannt.
Ich wecke sie wegen der Worte,
die im Hals brennen.
Mit meinen Ohren liebe ich sie.

Man muss ans Ende der Welt kommen,
um Tau auf der Wiese zu finden.
Ich wecke sie wegen Sachen, die weit weg sind
und aussehen wie diese hier;
wegen Menschen, die ohne Stirn
und Namen der Straße langlaufen;
wegen anonymer Worte, Spuren, wecke ich sie;
wegen handgemalter Bilder öffentlicher Parkanlagen.
Ich wecke sie wegen unseres Planeten,
der vielleicht zur Mine
im blutenden Himmel werden wird;
w egen des Lächelns im Stein der Freunde,
die zwischen zwei Gefechten eingeschlafen sind,
als der Himmel kein Vogelkäfig mehr war, sondern Hafen.

Meine Liebe ist nur ein Schimmer im Morgengrauen.
Wegen des Morgengrauens wecke ich sie,
wegen der Liebe, meinetwegen, wegen der anderen.
Ich wecke sie, obwohl das vergeblicher ist,
als einen Vogel herbeizurufen,
der für immer gelandet ist.

Sicherlich sagte sie:
lasst ihn mich suchen und sehen, dass ich weg bin.
Diese Frau mit Kindeshänden, die ich liebe;
dieses schlafende Kind mit Tränen auf der Wange, das ich wecke
vergeblich, vergeblich, vergeblich.
Vergeblich wecke ich sie.
Weil sie anders und neu aufwachen wird.
Vergeblich wecke ich sie.
Du weißt, das Wasser fließt vorbei, ohne etwas zu sagen.
Vergeblich wecke ich sie.
Man soll dem verlorenen Namen
ein Gesicht im Sand versprechen
und wenn es nicht so ist, dann hackt mir die Arme ab
und verwandelt mich zu Stein.
 

english

Little flower

A little flower
had just opened his lid,
but he already knew the Sun's secrets
and what the Earth hid.
A little flower
didn't know how to walk in line,
but he knew how to feed himself
with water, air and sunshine.
A little flower
doesn't know to read or count dice,
but he knows what life means
and smells so nice.

Between Two Days

She passed by the house
Where the light is turned on, milk drank and one sleeps
And left on the pavement her footprints
Like piano keys
Since then I bear on my lips
A kiss as large as her forehead
And I am thinking up a word
That will find and recognise her

I was born this morning in spite of all statistics about me
And still I am older than the morning and tomorrow
And have forgotten nothing that was
Before my birth
And remember everything that was after my death
And cannot be blamed for anything that happened yesterday

I speak
I am silent
A spoken word faces me
Accuses me
I smile
The word returns ashamed to my mouth
My words do not recognise me

I loved her
And met her on the pavement
On the morning of my birth
And was sorry that she existed still yesterday


In vain i wake her

I wake her for the sun that explains itself in plants
For sky stretched between the fingers
I wake her for words that burn my throat
I love her with my ears.
End of the world should be reached and drops of dew found in grass.
I wake her for some distant things that look like these here,
For people who, without forehead or name, go along the street,
For anonymous words, for squares I wake her,
For manufactured landscapes of public parks.
I wake her for this planet of ours which may become a mine
In bloodshed sky
For smiles in stones, friends fallen asleep between two battles
When sky was no longer a big birdcage but
An airport
My love full of others is a part of dawn,
I wake her for the dawn, for love, for myself, for others,
I wake her, even if it is more in vain than to call a bird
That landed forever
She must have said: let him look for me and see that I am gone
That woman with the hands of a child that I love
That child fallen asleep with tears still not wiped, which I wake
In vain in vain in vain
In vain I wake her
For she will wake up different and new
In vain I wake her
For her mouth will not be able to tell
In vain I wake her
You know the water runs through but says nothing
In vain I wake her
A lost name should be promised someone's face in sand
If this is not so cut off my arms and turn me into stone
 

Praise to the world

Oh world do not leave me
Do not go you naïve swallow

Do not hurt the earth
Do not bother the air
Do no harm to water
Do not make me quarrel with fire
Let me walk
Towards myself as towards my own aim

Let me talk to water
Talk to the earth
And the bird that lives of air
My voice stretched out as a nerve
Let me talk
While there is fire in me
We may once be able
To what we say, we touch with our hands

Oh world do not leave me
Do not go you naïve swallow

francais

Une petite fleur

Une petite fleur
venait juste d’ouvrir sa paupière, mais
elle savait déjà les secrets du soleil et ce
que la terre cachait.
Une petite fleur
ne savait pas marcher droit,
mais elle savait se nourrir seule
d’eau, d’air et de soleil.
Une petite fleur
ne sait ni lire ni compter,
mais elle sait ce que la vie veut dire
et qu’elle sent si bon.
 

Boško Tomašević

(1947)

geb. 1947 in Becej / Vojwodina im ehemaligen Jugoslawien, Studien der Literaturtheorie und Literaturwissenschaft in Belgrad; Gastprofessuren in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und Frankreich. Neben vielen wissenschaftlichen Publikationen, vornehmlich zu literaturtheoretischen Themen, zahlreiche Gedichtbände, u. a.: »Gespräch in Heidelberg« (1998), »Verspäteter Bericht an eine Akademie« (2000); »Celan trifft H. und C. in Todtnauberg« 2005); »Gesänge an Innsbruck« (2006); »Erneute Vergeblichkeit« (2006).

deutsch

Wie vor der Zeit

Wie vor der Zeit ist gesucht das Nichts
gesucht ohne überflüssige Einzelheiten
wie Waisenkinder die man mit immer denselben Worten sucht
mit derselben Langeweile sind gesucht dieselben Münder
der göttlichen Brut damals ohne Logos versteht sich
was ohnehin nicht störte beim Sehen wie
es vor der Zeit keine Wörter gab denn nichts
war ohne Gott und Gott war ohne Worte dort
wo niemand war was könnte gesucht
worden sein um der Wahrheit willen außer Stille
in breitesten Zügen Stille bis jetzt Stille
ab jetzt ganz bis jetzt außer nichts bis jetzt Gesuchtem

Boško Tomašević
Innsbruck, 18. Jänner 2004

Niemals nichts

Es galt niemals nichts zu sehen vor
und niemals nichts nach
einem Tag ist es nicht wichtig wo und wann
zu sehen niemals nichts des Kreuzes
zu sehen die Nägel des Auftrags der Zeit
Schlaf des Unwissens späte Sanftheit
zu sehen
und wieder nichts zu sehen
auf halbem Wege vor
auf halbem Wege nach

Boško Tomašević
Innsbruck, 31. Jänner 2004

Es war dasselbe

Wie es war, versuchen zu können zu sein,
so war es auch,
nicht versuchen zu können zu sein.

Boško Tomašević
Prag, 13. Juli 2004


Es soll weitergehen es soll Ende nehmen


Es soll weitergehen es soll ein Ende nehmen
in der Fortsetzung im Wunsch im Durst in der Ernte
das lange Feuchte soll weitergehen
das lange Feuchte soll ein Ende nehmen
im anderen Geschlecht soll es sich vollenden
die Säfte bis hin zum Kruzifix
es soll weitergehen es soll
ein Ende nehmen in diesem Mund
in diesen Augen wo der Dorn wild
„in die Blume meines Weizens“ wächst
der Schnitt meines Zornes
soll weitergehen soll ein Ende nehmen.

Boško Tomašević
Innsbruck, 25. Juli 2004

Alles was ist

Wie wäre wohl
dem Sein
wenn es sagte
alles was ist ist nicht mein
Wendung
dann Weg
in Richtung altes
Nichts.

Boško Tomašević
Innsbruck, 13. Juli 2004

Genügend weiß und immer Licht

Immer weiß und immer Licht
das Anhängen der Jahre hat ein Ende
darüber rieselt Regen
ich schreite hinüber
von Auge zu Auge ewiges Gras
für immer grün für immer Licht.

Boško Tomašević
Innsbruck, 5. August 2004


„Zum Ende nach einem gewaltigen Leben gibt es Momente“

Zum Ende nach einem gewaltigen Leben gibt es Momente
vor dem Ende zum Ende mit dem Ende
gibt es viel Freude
man richtet das Kissen
man schließt die Augen
gleich wie auch gestern
alles völlig natürlich
all diese Schönheit
deren Überbleibsel
„ein Leichentuch vor mir sein werden“.

Boško Tomašević
Innsbruck, 25. April 2004


Ohne hier

Wir verabschiedeten uns ohne hier
die Finsternis dort drinnen
macht seit dem Frühling unsere Sünden lebendig
der Schmutz von Aprilblättern senkt sich in unsere Körper
am Tag des Weltenendes
ist Blüte dort
wo es uns nicht mehr gibt.

Boško Tomašević
Innsbruck, 4. Mai 2004

Traum

Wir liegen über deinem Grab zwei
Tage liegen zwanzig Tage
der Hügel unter unseren Bäuchen
abgewaschen von der Gebärmutter abgewaschen von der Angst
abgewaschen von der reinen Zeit
die in unseren Seelen treibt
und treibt und treibt
eingehakt in „die Schuld unverzeihlicher Zeit“ .
Am Morgen sind wir glückselig im Asyl
das uns zusammengebracht hat
wir umarmen unsere Körper
die seit langem getrennt sind.

Boško Tomašević
Innsbruck, 10. Mai 2004


Rückzug  für lange Zeit ohne Sinn

Ob ich glaube dass ich bin
wenn ich keineswegs bin
im Raum ohne Leiden
in den Händen eines Wohlgesinnten
auf einer Scheibe die sich zusammen mit der Erde zurückzieht
wie ist es möglich zu denken dass du bist
wie etwas das du bist
wenn du nicht weißt was das sein
könnte dort
wo du nicht bist was du dort sein könntest
ohne dein Gesicht
ohne dieses Licht
dich ohne Fragen
mich ohne dich
mich auf dem Rückzug ohne dich.

Boško Tomašević
Innsbruck, 10. Mai 2004


Schlimmerer Worte für noch schlimmere

Wir waren ein wildes Tier, Katakomben, Bücher zernagten
unsere Brust, es war eine Zeit der Wiederholung
schlimmerer Worte für noch schlimmere, kaum fanden wir uns
in der Bangigkeit, an der Angel eines kühlen Abends
traten wir ins Gespräch, kaum wussten wir, worüber
wir reden sollten, nichts sagte uns, dass unsere Geschichte
Nacht und Bronze sein sollte, Geschmack des Einsamen uns Wirklichen.

Boško Tomašević
Innsbruck, 13. August 2004


Irgendwie gibt es nicht mehr

Auf den Fluren die irgendwie verlaufen
gibt es kein Licht mehr der August verwandelt
das Salz der Erde in eine tote Substanz eine Mühle mahlt
die Innereien von Wörtern kein Mitleid gibt es
wo der Mensch steht und diese Vergeblichkeit der Tat
möchte ich ganz im Tod mit jemandem teilen.

Boško Tomašević
Innsbruck, 13. August 2004


Immer schlimmer und schlimmer

Es war ein Anker, Nacht. Immer schlimmer
kein Schlüssel für Worte geworfen in
größter Qual nur ein wenig wurde erklärt
dieser Tag gräbt sich ein in denselben Tag in denselben Mund
nur ein bisschen fragte man „was“ anstelle von „warum“
immer dichtet man Gleiches mit Gleichem
egal wie egal wer.

Boško Tomašević
Innsbruck, 13. August 2004


Angst um Angst

Wie die glatte Oberfläche eines Bergsees
wie ein Brunnen wie ein Perpendikel
wird – gesammelt im Treiben durch Seerosen in
stillem Wasser –
Angst um Angst angeschwemmt und häuft sich
auf die Fremde
auf den Gletscher der Seins
mit Hilfe dieses Namens
auf die unzähligen Zeichen
die auf der Welt umherirren
unter ähnlichen Dingen.

Boško Tomašević
Innsbruck, 7. August 2004
 

Noch irgendwie weiter

Wolken Tage so wie es ist
Ein Lager Sand Tage Schwemmkegel
ich wohne wie es ist
in offenem Licht
Geschöpfe umfassen das Währen
brechen durch hinauf zu den Bergen
und noch irgendwie weiter.

Boško Tomašević
Innsbruck, 13. August 2004

Alte  Eindrücke

Was wir sahen
wie wir einst sahen
das Fallen niemals etwas anderes
ein sich ständig wiederholendes Aufsteigen
immer rechtzeitig
ich suche es jetzt vergeblich.

Boško Tomašević
Innsbruck, 13. August 2004

Noch einmal

Noch einmal anfangen
durch das Undurchsichtige durch die Steppe
durch das Licht ganz gleich anfangen
niemals richtig begriffen in
seinem Gedanken niemals richtig
verstanden das Leben noch einmal
anfangen zu demselben Gott hinschreiten
zu sich zu demselben Fluss
noch einmal für immer anfangen
wenngleich man nirgends ankommt
wenngleich man nicht während des Dauerns anfing
aber trotzdem noch einmal anfangen.

Boško Tomašević
Innsbruck, 15. August 2004


Bora Ćosić

(1932)

Geboren in Zagreb, wuchs Ćosić in Belgrad auf. Er absolvierte ein Studium der Philosophie an der Universität Belgrad. In den 1950er und 1960er Jahren war er Mitarbeiter und Redakteur verschiedener literarischer Zeitschriften (Mlada kultura, Delo, Književnost, Knjiiževne novine, Revija Danas). Später arbeitete er in der dramaturgischen Abteilung der Belgrader Produktionsfirma Avala Film.
Für seinen Roman Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution erhielt Ćosić (1969 oder 1970) den Kritikerpreis des renommierten Belgrader Wochenmagazins NIN (Nedelje Informativne Novine).
1992 verließ Ćosić Serbien aus Protest gegen das Milošević-Regime und ging nach Rovinj (Kroatien), später nach Berlin. Belgrad, die Stadt in der er aufwuchs, mag er seitdem nicht mehr beim Namen nennen. Zur Zeit der Jugoslawienkriege nannte er sie nur „die Stadt aus der heraus der Krieg regiert wird“.
Seit 1999 ist er als Kolumnist für die Spliter Wochenzeitung Feral Tribune tätig.
Im Jahr 2002 wurde er mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.
 

deutsch

Die Geschichte Europas

Junge Menschen in Belgrad
gehen auf der Straße stoßen einander an
sprechen in die Kamera
verkleidet als meine Freunde
von vor fünfzig Jahren
ich weiß nicht warum ich sie nicht erkenne
vielleicht eine allzu frühe Übersetzung
einer früheren Generation
verlorene Reime der nackte Sinn
deshalb sieht es ähnlich aus
ist es aber nicht
die ganzen Völker in der gleichen Geschichte
Litauer Tschechen Kroaten
verstreut in verschiedenen Städten
haben die Straßen aus dem Gedächtnis gebaut
dann die Plätze wie eine Gewohnheit
dort wo es zu einer Verbreiterung kommt
alle Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts
schreiben dasselbe Gedicht
nur lang
dann schneiden sie es in viele Teile
verteilen es auf mehrere Namen


Ostedeutscher Herbst

IN diesem Herbst gehe ich viel in den Wäldern und auf den Wiesen bei Berlin umher. Das Wetter begünstigt lange Spaziergänge und jenen Blick zurück, der sich an stillen Septembertagen aufdrängt, sehr weit reicht das Auge, in Raum und Zeit. Es gibt seltsame Gegenstände auf diesen plötzlich aufgetauchten Feldern um Potsdam, wenn man die königlichen Gärten und Paläste verläßt und sich alles auf einmal in eine Ödnis verwandelt, wie nach einem Sturm oder einer Vertreibung der Bevölkerung: zugewachsene Pfade, verwilderte Gewächse und diese unklaren Stücke Eisen, Beton, abgerissenen Drahts. Als hätten an diesen Plätzen außerirdische Wesen gewühlt, mit unverständlichen Plänen; was diese Geschöpfe in diesen sanften Gegenden an den Seen und an den weichen, wie in Plüsch gearbeiteten Wäldern gesucht haben?

Jedenfalls ist dies der Rest eines militärischen Besitzes, hier führten die Angehörigen einer heute verschwundenen Armada unsinnige Manöver durch, bereiteten sie sich auf einen Krieg vor, den es zum Glück nicht gab. Und da ihre Rekrutenzeit unverhofft, über Nacht, durch eine Entscheidung der Geschichte, abgebrochen wurde, hinterließen diese Soldaten alles in einer Riesenunordnung, ähnlich wie wenn die Geheimpolizei eine ganze Familie zwingt, vom Tisch aufzustehen und sie in unbekannte Richtung verschleppt. Und dort, in dem Haus, in den Zimmern mit ungeschlossenen Fenstern und unverriegelten Türen, ein großes Durcheinander zurückbleibt. Es sind schon gut fünfzehn Jahre, daß die Teile dieser Ausrüstung, dieser militärischen, im Freien verrotten, sich in Requisiten von Filmen interplanetaren Inhalts verwandeln. Weil auch diejenigen, die sie bis dahin genutzt haben, würden sie unverhofft zurückkehren, nicht mehr wüßten, was sie mit den Betonstücken aus der ehemaligen Mauer, mit den Eisenabfällen von unbekannten Geräten, was sie mit dieser Szenerie allgemeinen militärischen Abfalls ohne Publikum anfangen sollten.

So können auch wir in dieser Kulisse nichts anderes tun, als uns auf die dort ebenfalls sehr vernachlässigten Reste der Natur zu stürzen. Weil auch ein Wald und eine Lichtung jenem Zimmer ähneln können, aus dem die Menschen gewaltsam und jäh vertrieben wurden, und auch dieses Stück Feld und die kleine Wiese kommen nicht allein zurecht, ohne die Hand des Menschen, ohne wenigstens seinen Blick. Lidija sagt dann, wir sollten Pilze suchen. So schlüpfen wir unter den niedrigen Zweigen durch, die sich in einer Art Depression zum Boden hinabgeneigt haben. Ich weiß nicht, ob in einer Psychopathologie der Natur außer den Trauerweiden am Wasser ein Fall depressiver Bäume, ganz ähnlich wie bei einem Menschen, dem an nichts mehr etwas liegt, verzeichnet ist. Dann passen wir auf, daß wir diese niedergedrückten Eichen und Birken nicht in ihrer Bedrücktheit stören, aber wo sind die Pilze, wie ist es möglich, daß es in diesem ganzen Raum keine Pilze gibt?

Ich weiß, daß es in Dänemark keine Flüsse gibt, und meine, daß die Flüsse aus Protest vor Dänemark geflohen sind, noch zur Zeit der Hamletschen Mörder. Ich denke, auch die Pilze haben sich schon vor langer Zeit, während des Honekkerregimes, geweigert, ans Tageslicht zu kommen, und diese Gewohnheit bis heute beibehalten. Mir scheint, diese Gottesgewächse machen, während sie sich weigern, aus dem Schoß der Erde herauszukommen, ferne Wege ausfindig, und es kann passieren, daß sie irgendwo in Patagonien zum Vorschein kommen. So schreiten wir über das unordentliche Gras wie durch eine verwahrloste Wohnung, und wenn wir dieses kleine Geschenk der Natur, diese fröhlichen Köpfchen auf dem dünnen Stiel haben wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns den Kopf zu zerbrechen, wo und warum sie sich vor den Blicken der Menschen versteckt haben. Voller Argwohn, daß es hier in der Gegend doch etwas geben muß, das den gewöhnlichen Berliner Pilz daran hindert, sich in seinem Wachstum aufzurichten.

(…)

Wundersam sind die Tage dieses Oktobers. An denen wir nicht anders können, als uns in einen kleinen Ort an der Havel, in der Nähe des Wannsees zu begeben oder in das Seengebiet beim Schloß Glienicke. In das kleine Lokal Prinz Leopold, ganz in der Sonne, mit nur wenigen Gästen. Weil die Mehrheit der Hungrigen an diesem Mittag ein nahegelegenes Restaurant besetzt hat, das eher einer Sport- oder Studentenkolonie gleicht, mit vielen Bänken und einem Mittagessen, das man sich selbst holen muß, auf einem Tablett. Ich weiß nicht, warum ich darin ein Relikt des alten Staates sehe – überall auf der Welt gehen Massen von Bürgern am Mittag mit solchen verrückten Tabletts umher und bedienen sich selbst –, hier gibt es allerdings irgendwelche Bänke, angeordnet wie im Klassenzimmer, etwas Internatsmäßiges schwebt in der Luft, das Essen ist schwer, fast bayerisch, sehr fett und billig. Viele Leute ringsum, solche, wie ich sie schon anderswo bemerkt habe, Personen im vorgerückten Alter, dicklich und in einer ziemlich unscheinbaren Kleidung, wie aus einem Museum der Vergangenheit. Diese Menschenansammlung ist fast ein bißchen verwunderlich, die Menschen in diesen Gegenden scheinen mir gewöhnlich viel verstreuter zu sein.

So leben die Leute von heute, in ihrem Herbst, dem Herbst Ostdeutschlands. So kommt es zumindest jemandem vor, der dies ähnlich wie wir, von der Seite aus beobachtet. Uns scheint in einer Art, da sie gut essen und keinen Mangel an grundlegenden Dingen leiden, weit davon entfernt, wie man in Albanien oder der Ukraine lebt. Und trotzdem ziehen sie sich an, als wollten sie dieses eigene, ziemlich angenehme Leben verbergen. Es gibt eine Art Mimikry bei der Kleidung in ähnlichen Milieus, im Übergang. Irgendwo in Rumänien, in Serbien, aber erstaunlicherweise auch hier, im wiedervereinigten Deutschland, nur in seiner östlichen Ecke. Da ihr ganzes Leben in ähnlichen Anzügen vergangen ist, weil es nichts anderes gab, und jetzt wird das in der Zeit des Wohlstands und ohne Mangel fortgesetzt. Das sind jene Jacken, Mäntel und Joppen von undefinierbarer Farbe, als wollten sie vor einem Blick aus der Höhe die Existenz ihrer Spezies, der menschlichen, unter diesem Himmel, verbergen. Eine, die ihre eigene Existenz maskieren möchte und daß sich ihr Dasein der Wahrnehmung entzieht. Denn die Nuancen dieser Garderobe fließen leicht mit der Gegend, der herbstlichen, zusammen, so daß ein Jäger auf der Jagd nach dieser Population, und sei es auch ein ganz harmloser und neugieriger, gewöhnlicher Beobachter von der Seite, diese Leute kaum bemerken würde.

Und das sind Leute, die keine besonderen Sorgen mehr haben, und als wären sie auf Dauerurlaub. Einige sind zwar ohne Arbeit, aber nicht unbedingt ohne das tägliche Brot, andere sind im Vorruhestand. Sie alle ziehen ihre gräulichen und bräunlichen Jacken über, haben sich jene Würstchen und ihr Bier geholt und saugen, im Gras verteilt, die Sonnenwärme ein wie Muttermilch. Als wäre ganz Ostdeutschland in der Sommerfrische, als wäre das ganze Volk dieses Landes in Rente und in einem dauerhaften Ruhestand.

Dann ertappe ich mich bei dem Gedanken, daß mir diese Spezies, diese schwerfällige, auch anderswo in diesem Teil des großen Landes aufgefallen ist, vielleicht teilt sich Deutschland heute in Schlanke und Runde, letztere sind hauptsächlich in den Städtchen des Ostens dicht gesät. Das ist auf jeden Fall ein Zeichen, nicht nur der Trägheit, wie sie die Depression mit sich bringt. Weil es auch sehr fröhliche Personen gibt, besonders die in Bayern, die vor Dickleibigkeit platzen möchten; nicht nur die durchgedrehten, einsamen und unzufriedenen amerikanischen Mädchen sind so monströs beleibt wie bei Botero. Die dicklichen Paare unter den Ostdeutschen, vor allem die im Ruhestand, haben wohl in diesen fünfzehn Jahren Gewicht zugelegt, weil sich ihr Leben ungewöhnlich gebessert hat. Diese Bürger können in der Tiefe ihrer Seele über diesen oder jenen Vorteil, den sie verloren haben, klagen, aber sie scheinen durch die historische Veränderung auch genug bekommen zu haben. Es gibt kein verbrieftes Recht mehr auf eine Wohnung, auf eine feste Arbeit, besonders auf die schludrige Arbeit, wie sie im Sozialismus üblich war, aber die überwiegend mittelalten Leute, die Händchen haltend in den kleinen Städten Richtung Oder strömen, haben das Ihre hauptsächlich getan, jetzt bleibt ihnen noch, an einem Kuchen zu knuspern, der unvergleichlich größer ist, als der, den Honecker ihnen gebacken hat. Bei allem haben sie auf ihrem dicklichen Spaziergang, beinahe ein Kullern irgendeinen Abhang hinab, in Gabow und anderswo, keinerlei Geheimpolizei auf den Fersen. Nicht nur, daß sie keine Angst vor ihrer Roheit zu haben brauchen, sie müssen auch nicht mehr bei ihren finsteren Machenschaften mitmachen.

 Eleganz


Der Vertriebene aus meinem Land
einst ein berühmter Schneider
geht durch Berlin
beobachtet kritisch
die Kleidung der Passanten
sucht Konfektionsgeschäfte auf
stets mit dem Metermaß
mißt sie einzelnen Hosenbeine
weckt Argmohn bei Geschäftsführer
findet die Fehler im Schnitt
gut verborgen
beobachtet berühmte Leute im Fernsehen
die wichtigsten
hört den Politikern zu
glaubt ihnen aufs Wort
bemängelt nur
wie mancher die Krawatte gebunden
er geht viel herum
überall ist er zu finden
in den Hosen des gestorbenen Onkels
im Hemd mit der Kugelspur
auf dem Rücken
später hat man es geflickt
den Mantel gab ihm die Nachbarin
sagte sie brauche ihn nicht mehr
er gehörte dem Ehemann
der auch getötet wurde


Winter in Berlin

Ich hätte nicht das Hemd mitnehmen sollen
aus Belgrad
jetzt fühle ich mich
als hätte ich jemanden
die Haut vom Rücken gezogen
um sie mir umzuhängen
dort unter der Avala graben sie nach der Polarzeit
als wäre sie Erz
hier in Berlin ist der Winter sanft
nur in der Gemäldegalerie gibt es gehortete Kälte
auf einem vereisten Landstrich von Avercamp
und auf dem eisigen Berg
den Caspar David Friedrich malte
(hier wird des Landes Nahrung aufbewahrt)
Im Zimmer sitzen Russen
Leute aus der Umgebung von Neapel
auch ein paar Deutsche
das hat Tesla nicht vorausgesehen
auch nicht der alte Stephanson
wie der Topf unserer Gespräche kocht
das Hauselektrizitätswerk
der Brüderlichkeit arbeitet
auf keinen Fall hätte ich mein Hemd
von dort mitnehmen dürfen
sie hätte mit ihm zumindest das kleinste Zimmer
verkleidet können
oder es in einer Buchbinderei verwenden
wo das Stück Seide
für eine Sonderausgabe fehlt
oder jemandes haut heilen
doch derjenige ist längst gestorben
die Wände sind bestialisch abgekratzt
das Buch in den Fluß geworfen
 

Branko Ćopić

(1915-1984)

Ćopić was born in the village of Hašani, Bosanska Krupa, Bosnia and Herzegovina. His children's stories, novels, narratives, and poetry touched the lives of many. Undoubtedly, he was a cult writer to many growing up in Tito's Yugoslavia, and has been unjustifiably sidelined by literary historians since the country's break-up due to his decided and open commitment to the idea of Yugoslavism. Although he lived in Belgrade most of his life, his characters (mainly children and young people) and his stories and novels were inspired by his Bosnia and his childhood there, its nature and peaceful, proud, smart and bright people during World War II, partisans and revolution, all seen from a childish, but intelligent, highly emotional and humorious point of view. As a disappointed communist, Yugoslav, and humanist, he committed suicide by jumping off a bridge in Belgrade after writing a preamble to one of his last books in which he predicted the rise of xenophobic nationalism in the Balkans and its terrifying consequences.

The star blacksmith

There's a hut beyond the village,
it looks like a wizard's pride:
All sooty, dark, with but one eye.
What's happening inside?!
Rattle, clink and roar can be heard,
even a mine might thunder!
Is there a sorcerer from stories
stopping a giant's blunder?
Don't you worry, just come close by,
come in, it's not a trick.
You'll see, the blacksmith is inside,
my neighbor, dear old Nick.
It's dark outside, a storm is close,
clouds dream the lightning scars,
and the smith's heavy hammer roars
while forging golden stars.
Now I know the great star maker—
no more secrets for me:
Every night, that dear old blacksmith
lets shiny sparks spill free.
Sometimes the sky is sad and black,
like desert's blankness—it sweeps.
I know why: It is just because
the tired blacksmith sleeps.
And there are times when the Moon glows
through clouds in sleep bethrotten.
That is the blacksmith Nick's fire
that smolders—forgotten.

My dear Zijo

I know I am writing a letter that cannot reach its addressee, but my comfort is that it will be read by the one who loves us both.
It is very late at night and I don't feel like sleeping. In this time of night one can only talk to ghosts and memories, and I am thinking about the golden cobweb and the silvery mist of your stories, and about the horrible end that befell you in Jasenovac.
I am writing, my dear Zijo, and I am not sure that the similar end is not awaiting me too, in this world in which the plague with the scythe still roams.
In your nights full of moonlight, you foresaw the apocalyptic monster with the scythe and you talked about it through the mouth of your hero, Brko. One day you even saw it, real, this-worldly, your worst nightmare came true.
Back in those days, I accidentally avoided your destiny, but it has been some time now, at my desk, I have been having these bleak premonitions: I see a night, chilly, with stars of ice, they are taking me away, who knows where. Who are those dark executors in human form? Do they resemble those who took you away? Or are they the brothers of those before whom Goran departed? Are they not the dark murderers of Kikić?
How we used to lament in our boyish and lyrical zeal, a long time ago, together, the death of the poet Garcia Lorca and tried to picture the break of dawn when he was taken away, without return, down the deserted streets of Granada.
I was recently in Granada; I watched from the hilltop the sunny stony labyrinth of its streets and I wondered: which way was he taken? Then, you were once again by my side, quite close, and I cannot remember which one of us whispered the words full of shudder:
"Black are their horses, black are their hoofs."
Multiplying are the black horses and black horsemen, night- and day-time vampires, and I myself am sitting over my manuscripts telling the tale of the garden of mallow color, about good old men and enthusiastic boys. I dive into the smoke of war and I find the cruel warriors with pigeon's hearts. Before I am taken by them, I haste to tell a golden fable about people. Its seed was planted in my heart in my childhood, and it has been incessantly flowering and rejuvenating. Many horrors I have gone through scorched it, but the root remained, lifelike and indestructible, protruding its green sprout again, its banner. The armor of the tanks tumbled down on it, but it was protected and saved by a friendly, bent human palm.
So, Zijo, this is what I would like to whisper and write about in my fable. You would be the one to know that I have not made up anything, and that in this line of work one cannot make things up, especially not good people and sacred warriors.
Sadly, I have not made up the others, somber murderers with human faces. Of them I cannot and I do not like to talk; I only feel how they multiply and plot in this crammed world. I can feel them by the cold chill, which precedes them, and any time now they will knock at my door.
Never mind, Zijo. . . Everybody defends themselves with their own weapons, but still they have not forged a saber that can cut down our moonlights, smiley dawns and moody twilights.
Good-bye, my dear. Maybe my old-fashioned robes are funny to some, my great-grandfathers' spear and wretched hack do not promise much of a race. Well, so be it.


Desanka Maksimović

(1898-1983)

Desanka was a professor of Serbian language from 1923 until 1953 in several schools. First, she was a teacher at the Obrenovac gymnasium, then she moved to the Third Female Gymnasium in Belgrade. Eventually, she was transferred to the teachers' school in Dubrovnik, where she spent one year. After that, she worked in First female gymnasium in Belgrade. One of her best students was Mira Alečković, who also became a poet and a close friend of Desanka Maksimović.
When she heard of German soldiers shooting primary school children in Kragujevac, she wrote "Krvava Bajka" (trans. "The Legend of Blood" or, more literally "A Bloody Fairy Tale"), a poem that speaks of the terror practiced by German army in World War II. The poem was not published until after the war had ended.

Bloody faira tale

It happened in a land of farmers on hilly Balkan
far, far away;
a troop of students
died martyred
on one single day.
They were all born
in the same year.
For all of them, the school days were the same:
They were all taken
to the same festivals with cheer,
they were all vaccinated
until the last name,
and they all died on the same day.
It happened in a land of farmers on hilly Balkan
far, far away;
a troop of students
died martyred
on one single day.
And only fifty-five minutes
prior the death moment,
a small troop of fidgets
sat beside their school desks
solving the same hard math quest:
“If a traveler goes by foot,
how much time he needs to rest...”
and so on.
Their thoughts were filled
with same figures and tags
and there was a countless amount
of senseless As and Fs
in their notebooks and in their bags.
They were squeezing
a whole bunch of secrets that mattered--
either patriotic or a love letter--
on the bottom of their pockets.
And everyone of them supposed
that he would for a long time,
for a very, very long time
run under the blue sky--
until all math quests on the world
were done and gone by.
It happened in a land of farmers on hilly Balkan
far, far away;
a troop of students
died martyred
on the same day.
Whole rows of boys
took each other’s hands
and leaving the last school class
went to the execution quietly,
as the death was nothing but a smile.
All friends in rows were,
at the same moment,
lifted up to the eternal domicile.


Warning

Listen, I'll tell you my secret:
Never leave me alone
when music plays.
It could seem to me
that some eyes gray
are so deep and soft,
the eyes that are actually plain.
It could seem to me
that I dive into the sound
and I could give my hands
to anyone around.
It could seem to me
so easy, so gay
to love someone
for only one day.
Or, I could tell someone
my dearest,
magically growing secret
how much I love you.
Oh, never leave me alone
when music plays.
It could seem to me that again,
somewhere in a forest,
my tears flow through a new well.
It could seem to me that a black butterfly
makes patterns on heavy water--
those that no one feels free to tell.
It could seem to me that somewhere in the dark zone
someone sings and with a bitter flower
touches my heart where the incurable wound stays.
Oh, never leave me alone,
never alone,
when music plays.


Spring poem


While watching all these early buds and swallows,
I can feel tonight
that my heart’s slowly growing over sorrows
as someone’s horizon on smiley days might;
That it’s getting bigger like all plants around
and as light as feather,
and that all happiness that’s above the ground
and a Hell of pain wouldn’t really matter:
It’s longing for all things that a life as such
could give nice to thy,
and completely nothing wouldn’t be too much--
it’s eager desire and hopes are so high.
Everything that’s happened has been just a play
of my heart on fire;
my true love has never been given away
as much as I could and as I desire;
There are, in my deeps, gentle tides of words
never let outside;
I could give my heart to everyone on worlds,
yet, it would remain a lot of it inside.

Apprehension

No… don’t come to me! I want to adore
and love your two eyes from far, far away.
For, happiness’s beau just while waiting for—
when only allusion comes out of its way.

No… don’t come to me! There is more allure
in waiting with sweet apprehension, fear.
Just while seeking out everything is pure;
It’s nicer when just forboding is near.

No… don’t come to me! Why that, and what for?
Only from afar all stars spark and glee;
Only from afar we admire all.
No… let not your eyes come closer to me.

Serbien ist ein großes Geheimnis

Serbien ist ein großes Geheimnis:
Der Tag weiß nicht, was die Nacht brau,-t,
noch weiß die Nacht, was auf den Morgen folgt;
der Strauch weiß nicht, was in des Nachbarstrauches Nestern ist,
der Vogel weiß nicht, was sich da bewegt
im Baum zwischen Blättern und Ästen.

Die Eidechse, die sich versteckt hat hinterm Stein,
der Maisstengel, der im Felde steht,
sie alle wissen nicht, was das Nachbarfeld ausheckt.
Alles verwandelt sich dauern,
es flüstert jeder Winkel,
jedes Blatt steckt voller Heimlichkeiten...
 

 Fiaba cruenta


Avvenne in un paese di contadini
nella Balcania montuosa:
una compagnia di alunni
in un giorno solo morì
di morte gloriosa.

Avevano tutti la stessa età,
scorrevano uguali per tutti
i giorni di scuola, andavano alle cerimonie in compagnia,
li vaccinavano tutti
contro la stessa malattia.
Morirono tutti in una giornata sola.

Avvenne in un paese di contadini
nella Balcania montuosa:
una compagnia di alunni
in un solo giorno morì
di morte gloriosa.

Cinquantacinque minuti
prima che la morte se li portasse via
sedevano sui banchi di scuola
i ragazzi della piccola compagnia,
e con lo stesso compito assillante;
andando a piedi, quanto
impiega un viandante
e così via.

Erano pieni delle stesse cifre
i loro pensieri,
e nei quaderni, dentro la cartella,

giacevano assurdi innumerevoli
i cinque e gli zeri

Stringevano in saccoccia con ardore
una manciata di comuni sogni,
di comuni segreti
patriottici e d'amore.
E ognuno, lieto della propria aurora,
credeva di poter correre molto
tanto ancora
sotto l'azzurro tetto rotondo
fino a risolvere
tutti i compiti di questo mondo.

Avvenne in un paese di contadini
nella Balcania montuosa:
una compagnia di alunni
in un giorno solo morì
di morte gloriosa.

File intere di ragazzi
Si presero per mano
e, dall'ultima ora di scuola,
si avviarono alla fucilazione
calmi, col cuore forte,
come se nulla fosse la morte.
File intere di compagni
salirono nella stessa ora
verso l'eterna dimora.
 

Una fiaba rosso sangue


Accadde, in un paese di contadini
nei Balcani montuosi,
che, da martire, morì
una brigata di allievi-bambini
in un solo giorno. Proprio così.

Nello stesso anno
erano tutti nati,
con i giorni scolastici di tutti, consueti,
alle feste tutti insieme
venivano invitati,
per le stesse malattie tutti vaccinati,
e tutti morirono nello stesso giorno.

Accadde, in un paese di contadini
nei Balcani montuosi,
che, da martire, morì
una brigata di allievi-bambini
in un solo giorno. Proprio così.

La brigata piccolina,
soltanto cinquantacinque minuti
prima dell'evento mortale,
sedeva nella panchina,
facendo gli esercizi
su quanto farebbe un viaggiatore
se viaggiasse a piedi...
e cosi via.
Le loro menti occupate
con le stesse cifre.
I loro quaderni nelle borse,
da un miriade di
cinque e dieci inondate.

Degli stessi sogni,
degli stessi segreti
patriottici e amorosi,
stringevano una manciata
in ogni loro tasca.
Sembrava a ciascuno
che avrebbe corso a lungo
sotto la luce del sole
risolvendo tutti i compiti,
come ci si vuole.

Accadde in un paese di contadini
nei Balcani montuosi,
che, da martire, morì
una brigata di allievi-bambini
in un solo giorno. Proprio così.

Dei ragazzi file intere,
uscendo dall'ultima loro lezione,
si presero per le mani,
incamminandosi alla fucilazione, sereni
come se la morte fosse nulla.
Dei ragazzi file intere
si alzarono nello stesso instante
verso la eterna culla.
 

Gračanica

Gračanica, se almeno tu non fossi di pietra,
se potessi ascendere al cielo
come la Madonna di Mileševa o Sopoćani,
acché mani straniere non ti strappino l'erba intorno,
e le cornacchie non ti calpestino la felce.

Oppure, che le tue campane non battano
come i cuori degli avi, Gračanica,
o, almeno, che le mani dei santi delle icone
non abbiano le mani dei nostri edili,
né gli angeli il viso di Simonide.

Se, almeno, tu non fossi così profondamente
radicata in quella terra, e dentro di noi,
e se non ci fossimo abituati a giurare nel tuo nome,
Gračanica: se, almeno, tu non fossi di pietra
se potessi innalzarti lassù.

Gračanica, se almeno tu fossi una mela
se potessimo stringerti al petto
e riscaldarti per la vecchiaia
e se nella valle, attorno a te, non avessimo
le ossa dei nostri avi sparse dappertutto.

Se, almeno, potessimo sollevarti sulla Tara,
spostarti nel sacrato di Kalenići,
se potessimo scordarci delle effigi del tuo altare,
Gračanica! Se, almeno, tu non fossi di pietra
se potessi ascendere al cielo.
 

Dragutin Tadijanović
 

(1905-2007)

Bereits im Alter von 13 Jahren begann er zu schreiben. Unter dem Pseudonym Margan Tadeon veröffentlichte er 1922 mehrere Gedichte. Tadijanović studierte an der Universität Zagreb zunächst Forstwirtschaft; 1937 graduierte er dort schließlich in Literatur und Philosophie.
Einige Zeit lang beschäftigte er sich mit Übersetzungen literarischer Werke aus der tschechischen und deutschen Sprache. Im Jahr 1953 ernannte man ihn zum Direktor des jugoslawischen sprachwissenschaftlichen Institutes JAZU.
Er publizierte über 500 Gedichte in etwa 20 Sammlungen, und seine Werke wurden in über 20 Sprachen übersetzt. Ende Juni 2007 starb Tadijanović im Alter von 101 Jahren in Zagreb.


Lang in die Nacht, in die winterlich weisse nacht

Lang in die Nacht, in die winterlich tiefe Nacht,
webt meine Mutter weiße Linnen.
Ihre gebückte Gestal und ihr graues Haar
seit langem begoß Sie mit Tränen.
Von der Lampe am Fenster breitet sich
ein Lichtstral über den ganzen Hof
und über den Schnee, der draußen fällt.
In der endlosen Stille, in der endlose Stille:
Die Engel von Himmel, mit den zarten Händen
lassen erfrorene Sterne zur Erde gleiten
achtsam, um mein Liebstes zu wecken.
Lang in die Nacht, in die winterlich öde Nacht
webt meine Mutter weißes Linnen.
O du traurige Mutter! Sag, was leuchtet so
in deinen Augen
lang in die Nacht, in die winterlich weiße Nacht?

Frauen unter dem Nussbaum

Gegen Abend duften die Bäume am Haus,
und warme Milch dampft aus den Kübeln.

Junge Frauen besticken Tücher
Unter dem breitblättrigen Nussbaum.

Ich gehe an ihnen vorüber, verlegen und mißmutig,
und grüße.
Sich wiegenden Ährenfeldern gleichen die Haare.
Die Frauen legen ihre Arbeiten auf die Knie

Und lächeln mich an, süß und sorglos,
diese mit schwarzen, samtenen Augen,
und jene auch: in den Augen das Grün
des Grases in Mai nach dem Regen.

Ich gehe vorüber, verzaubert,
von heißem Begehren erfüllt

und bedrückt von den unnützen Gedanken
an die jungen Frauen unter dem Nussbaum.

Goldnuss Morgenstern

Im Himmel hängt der Morgenstern
Wie eine vergoldete Nuss am Christbaum.

Schläfrig blinzelt die Morgenröte,
ein verwöhntes Mädchen, erbost,
durch Lärm so früh geweckt zu sein,
die Unausgeschlafene.

Apfelblüten duften am Bach,
lauter tönen die Schellen der Kühe.

Aus dem nahen Gesträuch
Dringt das Lied eines Vogels
An das Ohr meines Vaters,
der es nicht hört.

Mein Vater pflügt und verflucht die Pferde
und sicht nicht,
dass ihr Schatten bis zum Ackerrand reicht,
und dass es dampft aus den Furchen
wie aus kostbaren Weihrauchgefäßen.

 

Dobriša Cesarić

(1902-1980)

Herbstmorgen

Ich ziehe mich an.
Trete ans Fenster,
Als draußen: der Herbst.
Mein Freund kommt herein im nassen Mantel,
Tränkt mir das ganze Zimmer mit Regenduft.
Sagt nicht mal: Hallo!
Setzt sich.
Hingerissen
äußert er: „Herbst“.

Das Wort war so frisch
Wie am Ast die Orange
Nach dem Regen.

O Zweifelstunde, Stund´ der Schmerzen,

O Zweifelstunde, Stund´ der Schmerzen,
Wer zeugt, wird nie vor Euch sich neigen;
Denn Freuden, das sind kleine Kerzen,
Und Aureolen aus Euch steigen.

Die Freude wirft nur schwache Kinder,
Und ihr Geschlecht vergeht zu schnell,
Doch Lieder, angefacht von Schmerzen,
Glühen wie Lichter, fern und hell

Nachmittag im Herbst

Im Stehen steck ich eine Kippe an
Sie schmeckt so matt.
Ich falle auf den alten Diwan
Ich hab es satt.

Sitz unbeweglich wie die Eule
Und höre plötzlich ein Geheule.
Das ist der Herbst. Das ist: die erste
Maschine, die durchs Holz sich frisst.

Ein Regentropfen, der ans Fenster tropft
Er glänzt kurz auf, und bleibt dort kleben.
Der Zweite tropft und glänzt daneben:
Der Herbst, der mir ans Fenster klopft.

Gedicht über den Tod

Ein Herbst, doch nicht mit welken Zweigen,
Ganz ohne Trauer und Regen und Wein.
Wird ohne einen Tag sich zeigen:
Wird Nacht nur, eine Nacht nur sein!

Wird schwarz den Winter nach sich ziehn,
Doch schneelos wird der Winter bleiben;
Das Land wird vor Sonne zum Frühling fliehn,
Der Knospen nicht, kein Licht wird treiben.

Wie der Winter wird auch der Sommer vergehn;
So werden die leeren Jahre verstreichen,
Die Sonne wird nicht mehr am Himmel stehn -
Dir wird kein Wort dazu entweichen.

Obstbaum nach dem Regen

Der kleine Obstbaum nach dem Regen
Ist voller Tropfen, die sich regen.
Und seltsam blinkt im Sonnenguss,
Der Zweige, Äste Überfluss.

Versteckt sich dann jedoch die Sonne,
Verschwinden Zauber gleich und Wonne,
Dann muss er so wie vorher sein:
Ein Bäumlein, kümmerlich und klein.

Bin wie ein Halm im wilden Wirbel

Bin wie ein Halm im wilden Wirbel
Der schwer ergriffen in ihm springt
Wer nach den Rätseln fragt der Liebe
Den dieser Abgrund auch verschlingt.

O tanze, Strohhalm, tanz, solange
Noch Welle, Oberfläche ist
Und lächle golden auf zur Sonne
Bis diese Tiefe Dich dann frisst.

Auf die neue Fahrt

Der Himmel wird hell. Die Sonne geboren.
Ein Schiff kommt aus den Hafentoren
Eins das am Dock sehr lange stand.
Die Kruppe zerschlagen mit Wunden am Rand
Die Mutter, das Meer, umschäumt es mit Flut
Und wiegt es und sagt: nichts passiert, alles gut.
 

Zur Dämmerung

Zur Dämmerung die ersten Sterne
Der erste Stadtlaternenschein
Ein Liebender träumt von der Liebsten
Ein Trinker träumt von seinem Wein,

Da geh´ ich leise an den Häusern
In denen jetzt schon Lichter stehn;
Und Böses, Unruhe und Zweifel
Sind klein, als wollten sie vergehn.

Ich lächle in das weiche Dämmern,
steh feierlich vorm Sterngerüst
Und spür die Tiefe tief in allem,
Und dass das Leben ewig ist.


A bird gone crazy

What are these cries upon the darkness
At night above the fields, high in the air?
Who is singing? O it's nothing, - just
A bird gone crazy, in its flight.
It flies above the sluggish clouds,
And plays above the wind and sings of it.
Trusting completely to its wings -
Where is it flying to, what is its goal?

Is it not time it sought its nest?
Time to keep warm when winter comes?
Who sent you out to twitter above in the gloom?
Come down here to the earth, where fate is kinder!
It does not fret - this bird gone crazy.
It sings of the wind that sears it through and through.
But once exhaustion comes it will be the end for it, -
There will not be a single tree to rest upon

One night

That night I was writing sitting quite quietly
not to touch in the adjacent room
in my mother’s dream.
And when I needed some book
quite quietly I walked over the carpet.
In every moving I had the care
not to wake up the dear little old woman.
So the night was passing peaceful and mute
And then I remembered that she had gone.
 

Small fruit tree after rain

Look at that small fruit tree after the rain:
It is full of raindrops and itswings they,
And magic luxury of it branches
Sparkles in the sunlight.
But if the sun is hidden, just for a whilw
All that magic diasppeares
It is again, as it was before,
Ordinary, poor small tree.


Waterfall

A waterfall flows, and flows, and flows;
What does my little drop mean to it?

Look, a rainbow appears in the water,
And it shines, and tremble in thousand colours.

My little drop helps to create
That dream in the waterfall and makes it shine
 

Autumn silently speaks to me

Autumn silently speaks to me,
By rustling of leaves and whisper of rain.
But winter speaks to my heart even more silently,
When it snows and it is gettinng dark,
Silence is alone in snowflakes.
 

Cloud

A cloud appeared suddenly
above the town
in the early evening,
watched by noone.

The wind of the hight swayed it,
and the cloud started to blush,
but people turned their eyes
to worldly matters.

And everybody was walking their way, looking for power, gold or bread,
And the cloud – bleeding with beauty
Floated along its sky.

It floated higher and higher,
As if it wanted to reach the God;
The wind of the hight swayed it,
The wind of the hight blew it away.

An autumn morning

I dressed up.
Came to the window.
Autumn was outside.
My friend came in the room, his coat was wet,
He made my whole room smell of rain.
He didn't say:hello!
He satt down.
Lost in his thoughts
He said: "Autumn"!

That word was so fresh
Like an orange on the branch
After rain.
 

The spring rain

The spring rain is not like others
It washes away sorrow.
There is some great, bright and uncomprehendable joy in its murmor.

When it drizzles and rustles in leaves,
Lovers hold so tight!
The eyes smile, tha heatrs become young.
The spring rain waters hopes.
 

France Prešern

(1800-1849)

Prešeren gehört mit seinen deutschen Gedichten und Sonetten auch zur deutschen Literatur. In Laibach (Ljubljana), wo er von 1828 bis 1846 als Angestellter einer Rechtsanwaltskanzlei lebte, fand der Weltbürger nur wenig Anklang und vereinsamte; seine große Liebe Julia Primitz (Julija Primic) wollte von ihm nichts wissen, obwohl ein Teil der Ausgabe der Poezije im Akrostichon ihren Namen trug. 1839 lernte er in ihrem Haus die Arbeiterin Ana Jelovšek kennen, die ihm drei Kinder gebar, ihn dann aber verließ. Vereinsamt starb er an Leberzirrhose. Heute gilt er als slowenischer Nationaldichter.
Prešeren schrieb Liebes- und Naturlyrik, sowie ein großes historisches Epos Die Taufe an der Savica (Krst pri Savici). Im Jahre 1847 erschien sein Hauptwerk Poezije (Poesien).
 


Der Wassermann

Stets waren die Schönen Ljubljanas gepriesen,
Doch konnte mit Urska sich keine vergleichen,
Die Blühende keine an Reizen erreichen,
Die Mädchen, die Weiber, sie mussten ihr weichen. -
Dem Morgenstern gleich, als dem Hellsten der Schar,
Tat Urska als schönstes der Mädchen sich dar.

Gar vielen der Jungfraun, gar vielen der Weiblein
Sind heimliche Tränen vom Auge geronnen,
Weil Urska das Herz des Geliebten gewonnen;
Doch nie hat genug sie der Liebsten umsponnen,
Hat, welche der Männer sie rühmen gehört,
Versucht, zu umgarnen, die meisten betört.

Sie konnte versprechen, sie konnte versagen,
Sie konnte sich freundlich, voll Stolz sich verhalten,
Die Jungen entzünden, erwärmen die Alten,
Und alle die Künste und Listen entfalten;
Hat lang an der Nase die Männer geführt,
Und endlich an einem den Meister verspürt.

Am Markte, am alten, sind unter der Linde
Trompeten und Geigen und Zimbeln erklungen;
Dort haben die Schönen Ljubljanas, die jungen,
Sich Sonntags im Tanz mit den Burschen geschwungen;
Als Königin aller schön Ursika gilt,
Doch heut ist sie lange zum Tanz nicht gewillt.

So viele sie bitten, sie weigert sich jedem,
Sie wehrt sich voll Hochmut, will Aufschub gewinnen,
Weiss immer auf andere Ausflucht zu sinnen;
Es neigt sich die Sonne, die Dämmer beginnen,
Die siebente Stunde und mehr noch verfloss,
Bis Urska sich endlich zum Tanze entschloss.

Doch nun sie umherblickt, den Tänzer zu wählen,
Da sieht sie am Tische, am gelben, ihn stehen,
Den Recken, wie keinen die Sonne gesehen;
Sehnt jede mit ihm sich im Tanze zu drehen; -
Schon wünscht in ihr Netz ihn schön Urska zu ziehn,
Und wendet verliebt ihre Augen auf ihn.

Dies sehend, tritt näher zu Urska der Jüngling:
"Sprich, möchtest du", sagt er, "zum Tänzer mich wählen?
Wo Save und Donau die Wellen vermählen,
Vernahm ich heut früh, wie du schön seist, erzählen;
Schon, Ursika, schöne, schon stehe ich hier,
Schon, Urska, bereit, um zu tanzen mit dir!"

So spricht er, sich tief vor dem Mädchen verneigend;
Süss lächelt ihm Urska, sich freundlich zu zeigen:
Kein einziges Schrittchen noch tat ich im Reigen,
Ich wartete deiner, ich wills nicht verschweigen:
So gib mir die Hand, und so tanzen wir zwei,
Es dunkelt, und bald ist der Reigen vorbei!"

Es reichte der Jüngling die Hand ihr, der Schönen,
Und schnell sind sie über den Tanzplatz geflogen,
Als trügen sie Flügel im schwebenden Bogen;
Wie körperlos sind sie im Kreise gezogen,
Man sieht nicht, wann eines den Boden berührt,
So tanzen sie hin, wie vom Sturme geführt.

Dies sehend, erstarrten die anderen alle,
Die Spielleute fühlten die Hände versagen;
Dem Jüngling will solches mitnichten behagen,
Hat hart mit dem Fuss auf den Boden geschlagen:
"Ich mag nicht", so schreit er, "die Geige, den Bass,
Mir klingen ganz andere Saiten zupass!"

Rasch jagten die Wolken, die schwarzen, zusammen,
Vom Himmel ward furchtbares Donnern vernommen,
Man hörte die Winde, die sausenden, kommen,
Man hörte die Bäche, mit Brausen geschwommen,
Stand alles, die Haare gesträubt und entsetzt, -
O Ursika, schöne, o, wehe dir jetzt!

"Nicht fürchte, du Urska, dich, tritt mir nur schnelle,
Nicht fasse", so sagt er, "beim Donner dich Grausen,
Nicht fürchte dich, wenn meine Bäche erbrausen,
Nicht fürchte der Winde vertrauliches Sausen;
Nur hurtig, nur hurtig die Ferse gedreht,
Nur hurtig, nur hurtig, die Stunde ist spät!"

"Ach, bleiben wir stehen, mein Tänzer, mein lieber,
Ach, lass mich veratmen, den Fuss mir verweilen!"
"Noch Meilen zur weissen Türkei sinds und Meilen,
Wo Save und Donau entgegen sich eilen;
Die Wellen, schön Urska, verlangen nach dir,
Drum wende nur hurtig die Ferse mit mir!"

So sagt er; da sieht man sie schneller noch kreisen,
Schon ferner dem Tanzplatz die Windungen schlingen,
Am Rand der Ljubljanica dreimal sich schwingen,
Im Tanz in die Wellen, die rauschenden, springen.
Wild sahen den Wirbel die Schiffer sich drehn;
Doch Urska hat keiner mehr wieder gesehn.-


Sonettenkranz / Sonetni venec

Als dein Poet leg ich den Kranz dir nieder,

Als dein Poet leg ich den Kranz dir nieder,
Den fünfzehn von Sonetten also runden,
Dass sie das Magistrale hält umwunden,
Das dreimal aufklingt und sie eint als Glieder.

Daraus entspringt, darein ergiesst sich wieder
Ein jedes der Sonette, die verbunden
In Ende und in Anfang sich gefunden;
Es gleicht der Dichter seinem Kranz der Lieder:

Aus e i n e r Liebe quillt mein ganzes Sinnen,
Und wo die Nacht zu ruhen es gezwungen,
Lässt seinen Lauf der Morgen neu beginnen.

Du bist als Magistrale mir erklungen;
Als Kunde, die noch tönt, wenn ich von hinnen,
Nimm hier mein Weh, mit deinem Lob verschlungen.

Nimm hier mein Weh, mit deinem Lob verschlungen,

Nimm hier mein Weh, mit deinem Lob verschlungen,
Das den Slowenen tönt noch in den Tagen,
Wenn schon mein früher Hügel Moos wird tragen,
So Schmerzen deckend, als Erinnerungen.

Den Mädchen, stolz, wie du, den schönen, jungen,
Wird, wenn sie diese Klänge hören klagen,
Das Herz befreit vom Eisenpanzer schlagen,
Von solcher treuen Liebe ganz bezwungen.

Den Krainern werden sich die Zeiten klären,
Bei günstigerer Sterne Strahl erklungen,
Sich ihnen würdigere Lieder mehren.

Doch mögen diese, die ich dir gesungen,
Vielleicht noch unter ihren neuen währen,
Jedwedes Lied, im Herzen ists entsprungen.

) Jedwedes Lied, im Herzen ists entsprungen,

Jedwedes Lied, im Herzen ists entsprungen,
Aus meiner Leiden Übermass geboren;
Dem Sänger bin ich gleich, der Leonoren
Von Este einst ihr hohes Lob gesungen.

Hat er den Mund zu schweigen auch gezwungen
Von jener Liebe, die er sich erkoren,
An die er Glück und Hoffen hat verloren,
Im Lied ist sie geheim ans Licht gedrungen.

Die Sehnsuchtsflammen meines Herzens steigen,
Senkt auch dein Blick ihm keine Hoffnung nieder,
Macht Furcht vor deinem Unmut auch mich schweigen.

Mein Fühlen schwankt in Qualen hin und wieder,
Verborgenes und Schweres will sich zeigen,
Und feucht erblühn die Blumen meiner Lieder:

Und feucht erblühn die Blumen meiner Lieder,

Und feucht erblühn die Blumen meiner Lieder,
Als Zeugen, die Verstecktes offenbarten.
Mein Herz, es ward dem Liebesgott zum Garten,
Dort Elegieen auszusän, entschied er.

Ihr Licht bist du. Doch ist das Glück dawider,
Dass ich im Fenster dich zu sehn erwarten,
Bei Schauspiel darf, Spaziergang, solcherarten
Von Festen, wo der Tanz beschwingt die Glieder.

Wie oft, von Sehnsucht, dich zu sehn, getrieben,
Durcheilte ich die Gassen auf und nieder,
Doch ist dein Anblick mir versagt geblieben.

In Einsamkeit und nasser Augenlider
Hab ich Gedichte dir zum Lob geschrieben;
Licht scheint, wo sie gedeihn, kaum hie und wieder.

Licht scheint, wo sie gedeihn, kaum hie und wieder,

Licht scheint, wo sie gedeihn, kaum hie und wieder,
Wo deine lieben Augen freundlich blicken,
Die Sorgen unter ihrem Strahl ersticken,
Vergessen träufelt auf die Schmerzen nieder,

Wo das sich löst, was, ihrem Glück zuwider,
Die Seele mag an innrem Streit umstricken,
Wo am Gesang die Herzen sich erquicken,
Und Harmonie entquillt dem Klang der Lieder,

Wo, wundersam betaut von reinem Lieben,
Das Edle keimt und spriesst, so reich verschlungen
Und schön, wie nie ein Frühling Laub getrieben,

Von dort sind diese Lieder nicht erklungen,
Der Lenz ist ihrer Blüte fremd geblieben,
Ihr Land war nie von lindem Hauch durchdrungen.

Ihr Land war nie von lindem Hauch durchdrungen,

Ihr Land war nie von lindem Hauch durchdrungen,
Die Ärmsten mussten, Stolze, stets es missen,
Dein Lob, um das zu blühn sie sich beflissen,
Denn sie zu stärken, wäre ihm gelungen.

Sie fürchteten, dass du, dass ihr, die jungen
Sloweninnen, die deutsch zu sprechen wissen,
Missachten würdet, was den Unwirtnissen
Des heimischen Parnasses sich entrungen.

Für unsere Kamönen war da droben
Vergessner Jungfern trübes Los bedungen,
Die Krainer wollten nur die fremden loben.

Was uns an Liederblüten ist entsprungen,
Stand spärlich, wo um Schneegefilde oben
Aus rauhem Fels ist rings ein Wall geschwungen.

Aus rauhem Fels ist rings ein Wall geschwungen,

Aus rauhem Fels ist rings ein Wall geschwungen,
Wie dort, wo Orpheus durch Saitentöne
Voreinst des Thrakervolkes rohe Söhne
Um Hemus hat und Rhodope bezwungen.

O, hätten wir vom Himmel Huld errungen,
Dass uns ein Sänger käme, wie für jene,
Dass sich am Lied erweichte der Slowene,
Vom Orpheus der Heimat uns gesungen!

Dass er die Herzen für das Land entzündet,
Dass ohne Widerstreit und Unterschied er
Die Einheit der Slowenenstämme gründet!

Verbrüderten uns also seine Lieder,
Dann freute sich das Land, das Fels umründet,
Peinvollem Frost und Stürmen als Umfrieder.

Peinvollem Frost und Stürmen als Umfrieder,

Peinvollem Frost und Stürmen als Umfrieder,
So muss der Fels das Land jetzt, Sámo, fassen,
Seit uns dein Geist, das Volk dein Grab verlassen,
Die Stätte für der Winde Klagelieder.

Uns bog der Väter Streit die Schulter nieder,
Sodass wir Pipins Joch als Sklaven hassen;
Seither nur Aufruhr, Erbkampf; Türkenmassen
Durchräuberten das Land uns immer wieder.

Dahin die Zeit voll Glück und Ruhm, die schöne!
Weil nicht geweckt von Taten voller Ehren,
Verstummten auch der Lieder süsse Töne.

Die Blüten, die uns am Parnass noch währen,
Ob auch der Druck der Zeit ihr Wachstum höhne,
Reich nährten Seufzer sie und bittre Zähren.

Reich nährten Seufzer sie und bittre Zähren,

Reich nährten Seufzer sie und bittre Zähren,
Die Blumen, die zu künden aufgeschossen,
Dass meine Tränen heiss um dich geflossen,
Um meine Heimat heiss geflossen wären.

Dass der Slowene jene nicht verehren,
Nicht lieben will, der er als Sohn entsprossen,
Dass deine Liebe mir sich nie erschlossen,
Das muss als Bitternis mein Herz beschweren.

Die Sehnsucht, deinen Namen zu erheben,
Zugleich mit meinem, als ein lichtes Zeichen,
Gab solchen Blüten milder Lieder Leben.

Sie keimten, die Slowenen zu erweichen,
Dass wieder schöne Zeiten sich begeben,
Indem sie wachsen, zag empor zu reichen.

Indem sie wachsen, zag empor zu reichen,

Indem sie wachsen, zag empor zu reichen,
Sind sie wie Blumen, die im Feber blühen,
Wenn kaum die jungen Strahlen erst erglühen,
Die lächelnd über ihre Stätte streichen.

Doch neigen sie die Köpfchen bald, die bleichen,
Wenn Nordwind Nebel treibt und Schauer sprühen,
Ein Reif, wie Gift, sie deckt, die Allzufrühen,
Und Schnee herabfällt aus den Wolkenreichen.

Dein mildes Bild, von keinem Wort beschrieben,
Dein Blick, sie strahlten, Sonne zu bescheren,
Der Liebe Blüten haben rasch getrieben.

Das Licht entschwand, der Irrtum will sich klären,
Nun sie im harten Frost allein geblieben,
Macht Finsternis sich auf, dem Trieb zu wehren.

Macht Finsternis sich auf, dem Trieb zu wehren,

Macht Finsternis sich auf, dem Trieb zu wehren,
Doch in den Tagen allen des Poeten,
In die Verzweiflung, Lebensekel treten,
Um als Erinnyen sie zu verheeren.

Der Seele Ruhe war Orests Begehren,
Diana gab ihm, was er sich erbeten;
So hoffte ich von dir, der Vielumflehten,
Du werdest Heilung meiner Brust gewähren.

Doch hielt ich von den kurzen Träumen keinen,
Mein Hoffen war dem Blitze zu vergleichen,
Der dann die Nacht nur dunkler lässt erscheinen.

Des Herzens Trauer will nun nicht mehr weichen,
Und alle meine Poesien weinen;
Ihr krankes Blühen, sieh, es muss erbleichen.

Ihr krankes Blühen, sieh, es muss erbleichen,

Ihr krankes Blühen, sieh, es muss erbleichen,
Wie das der Blumen, die ich oft gesehen
Im Schutt verlassener Gemäuer stehen,
Und freudlos nach dem kargen Lichte reichen.

Ihr Wachstum muss der Nesselhorde weichen,
Und sonst gemeinen Kräutern, die sich blähen;
Ins Beet verpflanzt, wo süsse Lüfte wehen,
Da würden sie den schönen Schwestern gleichen.

So könntest, Herrin, du mein Herz beleben,
Als Sonne, deren Nälhe sie entbehren,
Den Liederblumen Kraft, zu wachsen, geben.

Sei willens, ihren Blütenflor zu mehren,
Lass froh die welken Köpfchen ihn erheben,
Trost lass ihm deiner Augen Strahl gewähren!

Trost lass ihm deiner Augen Strahl gewähren,

Trost lass ihm deiner Augen Strahl gewähren,
Mich schauen deiner Wangen Morgenröte!
Nur ihr gehorcht mein finstres Reich der Nöte,
Nur sie kann meinen stärksten Stürmen wehren.

Der Sorge Ketten, die mich jetzt beschweren,
Sie fielen ab, wenn so dein Wort geböte;
Der Wunde, tief genug, dass sie mich töte,
Vermag dein Beistand Heilung zu bescheren.

Mein düstres Antlitz wird sich wieder lichten,
Die Nacht des Herzens heitrer Hoffnung weichen,
Der Mund mit süssem Wort davon berichten.

Des Herzens neu beseligten Bereichen
Entspriesst ein ganzer Garten von Gedichten,
Zur Blüte bringt dein Blick, was ohnegleichen.

Zur Blüte bringt dein Blick, was ohnegleichen,

Zur Blüte bringt dein Blick, was ohnegleichen,
Wie Blumen blühn, wenn Winters Macht gefallen,
Und wenn der Lenz mit seinen Wundern allen
Den Blütenschnee verstreut, den überreichen.

Die Bienen wollen schnell ins Licht entweichen,
Der Hirt lässt früh sein Jauchzen schon erschallen,
Der Busch ertönt vom Lied der Nachtigallen,
Und die Natur durchschauern Freudenzeichen.

Nie hat mein Singen solches Glück gefunden;
Vor Furcht, es käme deinem Wunsch zuwider,
Erbebt mein Herz, ist mir der Mut geschwunden.

Sieh gnädig auf die Blüten meiner Lieder,
Die ich, mein Weh zu kühlen, so gewunden!
Als dein Poet leg ich den Kranz dir nieder.

Ivo Andrić

(1892-1975)

Ivo Andric wurde am 9. Oktober 1892 im bosnischen Dolac bei Travnik geboren. Aus einer katholischen Handwerkerfamilie stammend, absolvierte er das Gymnasium in Sarajewo und studierte nach 1912 mit durch den 1. Weltkrieg bedingten Unterbrechungen Slawistik und Geschichte an den Universitäten von Zagreb, Krakau, Wien und Graz. Vor dem 1. Weltkrieg war er Mitglied einer revolutionär-nationalen Jugendbewegung in Bosnien und Herzegowina. Wegen seiner politischen Betätigungen wurde Andric von der österreichisch-ungarischen Regierung während des 1. Weltkrieges in Haft genommen.
1918 wurde er Sekretär des Zagreber Nationalrates, der die Union der Serben, Kroaten und Slowenen proklamierte, was zum Königreich von Serbien, Kroatien und Slowenien, dem späteren Königreich Jugoslawien, wurde. Seit 1921 bekleidete Andric eine Reihe von diplomatischen Ämtern, u.a. in Rom, Bukarest, Graz, Triest, Paris, Madrid, Brüssel, Genf und Belgrad, einschließlich das des Gesandten in Berlin seit dem 1.4.1939. 1924 promovierte Andric in Graz, 1939 wurde er Mitglied der Serbisch königlichen Akademie. 1940 wurde er, damals noch Gesandter in Berlin, von den Nationalsozialisten interniert und 1941 nach Belgrad entlassen, worauf er von seinem Botschafterposten zurücktrat und die Zeit des 2. Weltkrieges in Belgrad verbrachte. Danach avancierte er für einige Jahre zum Vorsitzenden des jugoslawischen, später des serbischen Schriftstellerverbandes, wurde gleichzeitig Abgeordneter des Jugoslawischen Parlaments und später Filmzensor. 1961 erhielt Ivo Andric den Nobelpreis für Literatur.
Der Gegenstand von Andrics stark philosophisch geprägten Werken, die dem klassischen Realismus zugeordnet werden, sind meist die Geschichte seiner Heimat Bosnien und das dortige Alltagsleben, das durch den Zusammenstoß der Kultur des nahen Ostens, dem Islam, und der mitteleuropäischen Kultur, dem Christentum und der orthodoxen Kirche, geprägt ist.
Seinen literarischen Ruf begründete der 1918 entstandene lyrische Prosatext Ex Ponto, den Andric während seiner Gefangenschaft verfaßte. Andric schrieb in Serbokroatisch, wobei seine Romane, Essays, Erzählungen und Tagebücher sowohl im Original als auch in der deutschen Übersetzung durch formvollendeten Sprachgebrauch bestechen.

1914

In Halbdunkel und Stille,
ohne Traum in der Nacht, ohne Frieden am Tag,
Hat langsam, im Kranze der Wunden,
Meine Seele Vergessen gefunden.

Aber heut morgen, beim ersten Strahl der Sonne
Heulte das Erinnern mit schrecklicher Stimme
Und Blut spritzte aus allen Wunden:
Sie brachten mir einen Krug mit Wasser,
Und zum ersten Male, mit Grausen,
Sah ich im dunklen Wasser
Mein Gesicht, hager, bleich, und böse.

In der Dämmerung

In der Dämmerung singen die Mädchen. Ihre Stimmen sind weich. Sie atmen mit der Frische von Blumen und Liebe. Ihr Gesang ist sanft, wie wenn langsam eine Blüte fällt. Er hat etwas von meinem Lieben: Vergangen, innig und schön. Er erinnert an die Dämmerung in Sarajevo, wenn die Pappeln im roten Golde erglänzen wie graziöse, stolze Frauen. Wie rosige Blütenblätter berieseln mich ihre Stimmen. Die Mädchen singen. Sie singen schön. Ihr Gesang ähnelt dem Gruß von alten Freunden, dem Erinnern an das, was ich in Liebe und Leidenschaft erlebte. Sie singen, in der Dämmerung, als ob mein Glück mir mit einem Tuche winkt. Aber mein Herz ist ein dunkler See, den nichts bewegt und in dem sich niemand widerspiegeln kann.

Ex ponto

Unerbittlich schaun herab aus Woklenhöhe
unbewegliche Berge.
Hoch oben erstarrter Himmel. Harte und gnädige Erde.
Nein, nichts wird geschehen. Nicht wird bersten der Berg.
Nicht wird er fallen, der Himmel, mit seinem Stolz, seiner Kälte,
er bleibt immer oben.
Das Tal rückt weg, alles Leute verliert sich, die Farben,
sie sterben in Grau:
Die Sklavin, die blutende Sonne zu sehn und zu hören,
wie das Herz klopft.
Die Zukunft kommt mit ihren Jahrhundertschaften und in
Begleitung von Wolken und Donnern, zu sehn
Meine Schande. Und meine Seele, nackt ist sie, unfähig sich zu
entziehen
Den Blicken künftiger Generationen-Seele, du Schwert, das
zerbrochen.
Augen der Ungeborenen, wie brennt mir im Nacken ihr mitleidiger Blick.

Die verschlossene Tür

»Wer jemanden von den Sandanovic´ heiratet, hat viele Verwandte.«
Dies dachte der Ingenieur Milan Separevic´ auf dem Bahnhof von Stalac´, während er darauf wartete, daß ihm der Schaffner ein Abteil zweiter Klasse aufschloß. Er stand auf dem Gang am Ende des Eisenbahnwagens. Der Wagen nebenan war ein Waggon dritter Klasse, und zwar alten Typs mit offener Plattform am Ende. Durch die Fensterscheibe in der Tür seines Wagens konnte er sehen und, wenn die Stimmen lauter wurden, auch hören, was auf dieser Plattform vorging, auf der sieben, acht Reisende dicht gedrängt standen oder auf ihren Koffern saßen, die man freilich nicht sah. Aus der bunten Gruppe, die sich auf der Plattform des überfüllten Waggons zusammengefunden hatte, war – wie häufig in unseren Eisenbahnzügen – eine kleine Gesellschaft geworden; man bot einander zu essen und zu trinken an, spaßte, neckte und diskutierte über alles mögliche so ungezwungen, wie in anderen Ländern nur unter nahen Bekannten.
In der Mitte dieser Gruppe sah der Ingenieur den Rücken eines jungen Mannes in engem, kurzem und zerdrücktem Mantel mit einem ebenso kleinen wie lächerlich runden Hut auf dem Kopf. Er konnte ihn nicht genau erkennen, aber ihm schien, daß es Predrag war, ein Verwandter seiner Frau. Der junge Mann diskutierte und scherzte mit einem älteren Mitreisenden, der in einer Ecke auf seinem Koffer saß und von dem man nur den tief in den Kopf gezogenen Hut, einen Teil seiner großen Nase und das Ende des großen Schnurrbarts sah.
Einzelnen Worten und abgerissenen, im Geratter der Räder sich verlierenden Sätzen war zu entnehmen, daß sich der Alte über die »schlechten Zeiten« beklagte, was der aufgeschossene junge Mann und zwei Mädchen mit frischer Gesichtsfarbe ins Scherzhafte wandten. Von Zeit zu Zeit wurde das Stimmengewirr lauter und das Gelächter übertönte den Lärm der Räder.
Der Ingenieur beobachtete nachdenklich dieses Volk, das die Kraft zum Spaßen und zum Lachen selbst in dieser düsteren Atmosphäre von Angst, Sorgen und Bedrückung fand, die in diesen Augusttagen des Jahres 1941 herrschte.
Der Schaffner kam und schloß die Tür des Abteils auf, doch der Ingenieur blieb noch eine Weile stehen und beobachtete die Menschen auf der Plattform. In einer Kurve ging ein Regen von Funken und Ruß aus der Lokomotive über der Gesellschaft nieder. Der Alte begann zu husten, die Mädchen schrien auf, der hagere junge Mann aber nahm für einen Augenblick die dunkle Brille ab, wandte sich zur Seite und rieb sich die Augen. Erst da erkannte der Ingenieur in ihm den Verwandten seiner Frau, Predrag, und zog sich rasch in das Abteil zurück.
Er saß mit geschlossenen Augen da und dachte nach. Nein, er hatte sich nicht getäuscht. Das war Predrag, der Stiefsohn seiner Schwägerin Jelena. Diese hübsche und intelligente ältere Schwester seiner Frau hatte vor ungefähr zehn Jahren einen Witwer geheiratet, einen reichen, aber einfachen und schon etwas älteren Menschen. Er war Kaufmann und hatte aus erster Ehe einen bereits erwachsenen Sohn, einen intelligenten Jungen, der das Gymnasium besuchte und mit dem sich der Ingenieur gern unterhielt. Er hieß Predrag. Später, an der Universität, nahm er aktiv an der Bewegung fortschrittlicher Jugend teil. Einmal wurde er deswegen verhaftet. Er machte das juristische Examen unmittelbar vor Kriegsausbruch, traf sich aber in dieser Zeit nur selten mit den Verwandten und sprach noch seltener mit ihnen. Im April 1941 wurde er eingezogen und kehrte nicht nach Hause zurück. Jelena sagte, sie habe gehört, daß er in Gefangenschaft geraten sei …
Der junge Mann sah sehr verändert aus. Er hatte sich einen Schnurrbart wachsen lassen, trug eine dunkle Brille und stak in einem engen, fremdartigen Anzug. »Doch nein, es gibt keinen Zweifel, das ist er«, dachte der Ingenieur. »Wohin fährt er? Mit welchem Ziel? Und was sucht er in der gemischten Gesellschaft auf der Plattform jenes Wagens dritter Klasse? Ich müßte mich melden. Ja, aber vielleicht ist die Polizei hinter ihm her, und es wäre ihm wahrscheinlich selber nicht recht, wenn ihn jemand hier anspräche. Es ist besser so«, überlegte der Ingenieur, aber irgendwo tief in seinem Inneren spürte er, daß es nicht besser war, daß es, im Gegenteil, weder gut noch schön war.
Das steigerte noch mehr seine Unzufriedenheit mit sich selbst und mit allem um ihn herum in diesem unseligen unterdrückten Land, doch sein Mißmut reichte nicht aus, ihn zum Handeln zu bewegen.
»Vielleicht ist es mir nur so vorgekommen? Es ist seine Stimme, aber seine ganze Haltung hat sich verändert. Vielleicht ist er es doch nicht«, beschwichtigte er sich. »Vielleicht habe ich mich getäuscht. Ich werde meiner Frau nichts davon sagen.« Und während er die Augen fest geschlossen hielt, dachte er nur mehr an seine Frau, an ihre Familie und an seine Ehe.
»Ja, ich habe mich getäuscht!« Das bezog sich nicht mehr auf den jungen Mann mit der dunklen Brille, sondern auf seine Ehe. Es war dies eine Ehe wie viele andere. Er kam aus einer Familie, die sich schwer abgemüht und Schulden gemacht hatte, um ihn studieren zu lassen. Ehrgeizig und erfüllt von Hunger nach dem Leben und materiellen Gütern, die jenen, die sich leidenschaftlich nach ihnen sehnen, immer ein bißchen größer vorkommen, als sie in Wirklichkeit sind, sah er sich als armer und begabter Ingenieur mit siebenundzwanzig Jahren vor die Entscheidung gestellt: entweder sein Leben mit eigenen Händen aufzubauen oder »gut« zu heiraten, um so den Weg abzukürzen und die Mühe zu verringern. Das Mädchen, das er in einem Ruderklub an der Save kennengelernt hatte, war ein gesundes und intelligentes Wesen und studierte ohne inneren Drang und tieferes Interesse an der philosophischen Fakultät. Ihr Vater war der Unternehmer und Rentier Sandanovic´. Der kleine, schweigsame Mann und ehemalige Maurermeister hatte es im Laufe von vierzig Jahren durch geschickten Kauf und Verkauf von Häusern und Grundstücken zu großem Wohlstand gebracht; er zählte zu jenen bescheiden und zurückgezogen lebenden Reichen, deren Vermögen als solide und wohlfundiert galt. Seine beiden Söhne hatte er studieren lassen, drei Töchter aber, von denen jede ein großes Haus und eine sichere Mitgift in bar »mitbrachte«, gut verheiratet. Geblieben war nur noch die jüngste mit einer nicht geringeren Mitgift und mit der Aussicht, sich einen Mann zu wählen, der ihr und ihrem Vermögen entsprach. Sie wählte Separevic´ und erreichte es, daß auch er sie wählte.
Er hatte sich nicht leicht und nicht rasch zu dieser Heirat entschlossen. Zwei seiner besten Freunde zog er zu Rate. Der eine, sein Kollege im Verkehrsministerium, ein feinsinniger Schöngeist, sagte folgendes:
»Überlege keinen Augenblick. In dieser Stadt muß ein Mensch in deinen Jahren und in deiner Lage seine Haut so teuer wie möglich verkaufen. Heirate das Mädchen. Du wirst aus einer Position starten, in die du durch eigene Arbeit und eine andere Heirat bestenfalls nach zehn, zwanzig Jahren gelangen würdest.«
Der andere Freund, Assistent an der technischen Hochschule, ein etwas seltsamer Mensch, riet ihm das Gegenteil. Separevic´ hatte ihn eigens zu einem längeren Spaziergang, bis hinaus auf den Kosutnjak, eingeladen, um ihn nach seiner Meinung zu fragen.
»Du wirst tun, was du zu tun beabsichtigst«, sagte der Freund nach kurzer Überlegung. »Wo du mich aber schon fragst, will ich dir sagen, daß dies kein Weg für dich ist. Er sieht nur leichter aus, bei Menschen deiner Art aber erweist er sich am Ende als kostspieliger und schwerer. Du wirst dich für geringes Geld verkaufen und dafür eintauschen, was nichts wert ist und was du nicht brauchst.«
Und während er mit der Hand auf die seltsam schöne, in bläulichem Dunst daliegende Stadt deutete, fügte er hinzu:
»Wenn jene Art von Eheglück, wie es die Sandanovic´ zu bieten haben, tatsächlich das hielte, was es vor der Ehe verspricht, so hieße das dort unten das Paradies; aber es hält nicht, was es verspricht, und so ist dies auch weiterhin bloß – Belgrad.«
Er hörte auf den ersten Freund, nach einem Jahr der Ehe aber begann er immer häufiger an den zweiten zu denken.
In nicht ganz zwei Jahren kamen zwei Kinder zur Welt. Sie waren ihm eine große Freude und eine große Sorge; die Frau aber und alles, was zu ihr gehörte – eine Last, die man weder tragen noch abwerfen konnte. Er sprach mit niemandem über diese Last und fand auch in sich keine Bezeichnung für sie, aber wann immer er, so wie jetzt, die Augen schloß, sah er sie in ihrem ganzen Umfang und spürte, daß sie von Tag zu Tag schwerer wog …
Als er nach Belgrad zurückkam, sagte er seiner Frau nichts von der Begegnung im Zug.
Drei, vielleicht aber auch vier Wochen vergingen. Es war eine Zeit, in der sogar einander unbekannte Menschen in den Straßen von Belgrad sich fragend anblickten und in allem und überall nach einer Erklärung für das suchten, was um sie herum geschah.
An jenem Abend war er etwas länger in der Stadt geblieben und kam erst einige Minuten vor acht, das heißt vor der Polizeistunde nach Hause. Seine Frau war besorgt und verdrossen. Sie machte ihm Vorwürfe, daß er im letzten Augenblick komme und sie in Angst versetze. Sie klagte über Müdigkeit; das Mädchen sei vor einigen Tagen gegangen, die Putzfrau aber bleibe nur bis Mittag. In der Stille der besetzten Stadt und des unfreundlichen Septemberabends hörte man vom Bahnhof her den bedrohlich klingenden Pfiff einer Lokomotive.
Der Ingenieur wusch sich die Hände, schaute zu den Kindern hinein, und gerade als sie sich zu Tisch setzen wollten, erscholl über der Tür die Klingel.
»Mein Gott, die Deutschen!« schrie die Frau mit unterdrückter Stimme auf und rang die Hände.
Der Ingenieur gab ihr nur ein Zeichen, daß sie sich beruhige, und ging, mühsam beherrscht, zur Tür, um zu öffnen.
Es waren nicht die Deutschen. Es war Predrag. Ganz anständig, geradezu elegant gekleidet, ohne dunkle Brille, aber mit einem Schnurrbärtchen. Ohne lange Begrüßung und umständliche Erläuterungen, sagte er ihnen, er bitte sie sehr um Entschuldigung, aber er sei gezwungen, sie für diese Nacht um Unterkunft zu bitten. Die Frau trat zurück, blickte ihren Mann bedeutungsvoll an und wollte etwas sagen, doch der junge Mann hakte den Ingenieur leicht unter und führte ihn in die große Fensternische des Speisezimmers.
Er sprach leise und war kurz. Das Haus, in dem er hätte übernachten sollen, erwies sich als – unpassend. Natürlich sei es auch nicht passend zu dieser Stunde einfach bei Verwandten hereinzuplatzen, aber wenn man keine andere Wahl habe …
Der junge Mann sprach sachlich, fast geschäftlich. Sie brauchten sich nicht zu fürchten. Die Polizei sei ihm nicht auf der Spur, er könne jedoch jetzt, nach der Sperrstunde und ohne Ausweis, nicht auf die Suche nach einem anderen Nachtquartier gehen. Die nicht verdächtigen Wohnungen kontrolliere die Polizei nur selten, wenn sie aber trotzdem einmal eine Stichprobe mache, so nehme sie keine Haussuchung vor. Er wolle sich alles noch genau überlegen und sein Möglichstes tun, damit das Risiko für sie möglichst gering sei. Spätestens um fünf Uhr morgens werde er das Haus verlassen. Er wollte noch etwas sagen, doch die Frau hielt es nicht länger aus und trat plötzlich zu ihnen. Sie zitterte, breitete die Arme aus und sprach abgerissen:
»Pego, du weißt, wir haben einen sehr unangenehmen Hausmeister, einen sehr unangenehmen, und hier über uns wohnen auch irgendwelche verdächtigen Studenten, oder was sie sind. Man beobachtet deshalb das Haus. Und wir könnten niemanden aufnehmen, ohne ihn anzumelden. Du weißt, wie es ist, und ich habe Kinder. Ich bitte dich …«
»Laß doch, Dana, wir beide werden das schon erledigen«, unterbrach sie beschämt ihr Mann.
Die Frau war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Sie hob die Stimme und suchte nicht mehr nach Worten, um sich schonend auszudrücken. Sie sagte offen, es ginge nicht an, daß Predrag sie in eine solche Situation bringe, daß jeder für sich und auf eigene Verantwortung handle, daß sie kein Recht habe, das Leben ihrer Kinder aufs Spiel zu setzen und schließlich: er solle gehen, wohin er wolle, aber hier könne er nicht übernachten.
Ihr Mann suchte sie fortwährend zu unterbrechen. Als beide schwiegen, sagte der junge Mann einfach:
»Nun, ich sehe, daß ich hier bleiben muß. Ich weiß mir im Moment keinen anderen Rat und kann und will nicht auf die Straße gehen.«
Es entstand ein peinliches Schweigen. Die Frau war fassungslos. Mit gutem Zureden und beschwichtigenden Gesten gelang es ihrem Mann, sie ins Kinderzimmer zu führen.
Nach etwa zehn Minuten kam er zurück und setzte das Gespräch mit dem jungen Mann fort, der sich nach den Hausbewohnern erkundigte, nach dem Hausmeister (der übrigens keineswegs unangenehm war, im Gegenteil!), nach der eisernen Nebentreppe, die an der Küche vorbeiführte, nach den Notausgängen und den Schlüsseln. Er aß von dem, was man ihm anbot, wenig aber hastig, während der Ingenieur wie mit toten Kiefern kaute.
Danach gingen die beiden, sich in der Küche und im Mädchenzimmer, in dem Predrag schlafen sollte, ein wenig umzuschauen. Zurückgekehrt standen sie einen Augenblick schweigend im Speisezimmer. Da sagte der junge Mann, er sei müde und möchte sich niederlegen; er hoffe, alles werde gut verlaufen und sie würden seinetwegen keine großen Unannehmlichkeiten haben.
Beim Abschied schien es, als wollte ihm der Ingenieur noch etwas sagen: er hob auch an und machte eine Bewegung mit der Hand, doch dann verstummte er plötzlich, drehte sich um und ging.
Es war erst neun Uhr, als der Ingenieur zu seiner Frau ins Schlafzimmer trat.
»Was ist? Was meinst du?« fragte sie aufgeregt.
»Zieh dich aus und leg dich nieder.«
Die Frau begann sich auszuziehen, hielt aber dann plötzlich inne.
»Hör mal, Mile! Das geht …«
»Laß mich überlegen.«
Sie fuhr fort, sich zu entkleiden, zog das seidene Nachthemd an, legte sich jedoch nicht nieder, sondern ging erregt zwischen Tür und Fenster hin und her, während sie kurze Fragen stellte, heftig auf ihn einredete und die Hände rang, so daß man in der Dunkelheit das Knacken der Gelenke hörte.
Er hatte sich niedergelegt und wollte sich ein wenig sammeln und ruhig nachdenken.
»Warte doch, beruhige dich ein wenig! Hab doch Geduld!«
»Ich will nicht warten, und ich will mich nicht beruhigen!«
Und sie beruhigte sich tatsächlich nicht; sie ging fortwährend auf und ab und begann immer wieder zu sprechen, mal flehend, mal aufgeregt und erbittert. Und mit ihr schien sich auch alles andere im Zimmer zu bewegen und ihn am nachdenken zu hindern. Im Zimmer herrschte Dunkelheit. Die Fenster waren offen und die Rolläden herabgelassen, zwischen den Leisten blieb jedoch ein kleiner Spalt, durch den die Luft, aber auch das Licht von der Straße hereindrang. Diese Rolläden vor den beiden Fenstern warfen einen eigentümlich gestreckten Schatten, einen ganzen Teppich heller und dunkler Streifen über die breiten Ehebetten, über die Wand und den großen Doppelschrank bis hinauf zur Mitte der Zimmerdecke. Und so wie die Lampe auf der gegenüberliegenden Straßenseite im leichten Nachtwind schaukelte, so bewegte sich auch das Licht dieses Rippenmusters langsam und gleichmäßig. Man gewann den Eindruck, daß das Zimmer und das ganze Haus schaukelten wie ein Schiff auf dem Wasser.
Alles um ihn herum war in Bewegung und Unruhe geraten. Dennoch versuchte er, seine Gedanken zu ordnen, über seine Lage nachzudenken und sich alle Eventualitäten vorzustellen. Sagen wir, es käme die Streife. Die Deutschen oder die Spezielle Polizei. Wer wohnt hier alles? Er würde ihnen antworten …
»Mile …«
»Bitte, leg dich nieder und laß mich einen Augenblick in Ruhe.«
»Ich laß dich nicht. Das ist furchtbar. Das ist ein Skandal.«
»Du machst einen Skandal daraus.«
»Ich? Du, du bist herzlos. Du bringst die Kinder und mich ins Unglück …«
Die Frau schluchzte auf, von Zorn und Tränen gewürgt, und fügte erst etwas später hinzu:
»… und dich und …«
»Dana, sei vernünftig!«
Jede seiner Ermahnungen reizte die Frau nur noch mehr. Während sie ruhelos im Zimmer auf und ab ging, zischte sie mit einer neuen Stimme irgendwelche neuen Worte, Worte ohne Maske, nackte Worte, Wort-Fakten, Wort-Hiebe. Nie hatte er solche Worte von ihr gehört, und nie hätte er gedacht, daß sie sie kannte. Sie waren offensichtlich als etwas Ererbtes in ihr vorhanden, als Waffe eines Familienarsenals, die nur selten, nur in äußerster Not angewandt wurde.
Schließlich legte sie sich nieder, mehr vom Weinen und von Müdigkeit überwältigt als auf sein Zureden hin. Aber Ruhe trat im Zimmer dennoch nicht ein. Separevic´ spürte, wie sein Puls an den Handgelenken und in den Schläfen schlug und die Matratze unter ihm sich im gleichen Rhythmus bewegte. Der große gestreifte Schatten der Rolläden an der Wand ruhte keinen Augenblick. Wie sollte er sich da sammeln und sich etwas ausdenken? Und er spürte, daß seine Frau neben ihm nicht schlief und jeden Augenblick aufstehen und ihr Jammern fortsetzen konnte. Auch das hinderte ihn am ruhigen Überlegen. Irgendwo tauchte in ihm die Frage auf: was würde in einer solchen Situation jener Freund von der technischen Hochschule tun, den er, seit er geheiratet hatte, nur selten sah. Er verwarf den Gedanken und spann wieder den eigenen weiter.
Sagen wir, es käme die Streife. Sie fragen, wer alles in der Wohnung ist? Er würde kaltblütig antworten: ich und meine Familie. Sie würden ihre Ausweispapiere kontrollieren und …
»Mile, Mile!«
Sie rief mit gedämpfter aber schneidender Stimme. Er sah, wie sie sich mit hastigen, geradezu unnatürlichen Bewegungen der Beine von ihrem langen Nachthemd wie von Fallstricken freimachte. Und im nächsten Augenblick stand sie auch schon neben ihm.
»Mile!«
Ihre Stimme klang heiser und verweint, aber hart wie bei Menschen, die etwas Schweres aber Wohlüberlegtes sagen.
»Mile, wenn du nicht bereit bist, ihn wegzuschicken, werde ich die Polizei anrufen und sagen, daß sich bei uns ein solcher Mensch befindet. Und fertig. Ich werde meine Kinder …«
Der Ingenieur sprang erschrocken auf und stieß sie unbewußt weg, nicht allzu heftig aber sehr feindselig. Ohne sie anzurühren und ohne etwas zu sagen, schritt der Ingenieur auf sie zu und trieb sie vor sich her. Sie wich, rückwärts gehend, zurück wie vom Luftzug getragen. So kamen sie bis zur Tür des Kinderzimmers; sie klinkte sie mit dem Ellbogen auf, der Mann aber schob sie ins Zimmer, langte tastend nach dem Schlüssel, als hätte er ihn soeben ins Schloß gesteckt, und drehte ihn zweimal um.
Er blieb noch einen Augenblick neben der Tür stehen, hinter der die Frau leise seinen Namen rief. Wankend ging er in den Flur. Er machte Licht und starrte den auf einem niederen Tischchen stehenden Telefonapparat an, als ob er ihn nun zum ersten Mal im Leben sähe. Die Tür des Speisezimmers war nun geschlossen, ebenso die Flurtür, die zur Küche führte. Der Mann blieb einen Augenblick wie ertappt auf dem Flur stehen und blinzelte im hellen Licht. Er hatte das Bedürfnis, einen lebendigen Menschen zu sehen, zu dem jungen Mann zu gehen, der im Mädchenzimmer schlief, mit ihm zu sprechen und nun einerseits ihn um Hilfe und Rat zu bitten, doch er spürte ebenso, wie unstatthaft es wäre, einen Menschen in dieser Situation zu wecken, und wie – sinnlos.
Mit gesenktem Kopf, jedoch mit sicheren Schritten kehrte er wieder in das Schlafzimmer zurück. In der hellgefleckten Dunkelheit erfaßte ihn ein kalter Schauer und er fiel quer über das niedere, breite Ehebett.
So lag er, das Gesicht in den Händen vergraben, frierend und unbeweglich da. Er war so hellwach, daß ihm vorkam, er könne nie wieder einschlafen. Über ihm und dem Bett aber lag der gestreifte Schatten wie eine Decke.
Hinter der verschlossenen Tür des Kinderzimmers war kein Laut und kein Geräusch zu hören.

Oh I know

Oh I know the earth and her gift.
I seek a dream,
and deep world and unknown.
And behold, what I dreamt, being poor,
a child in Bosnia
that a blue flame burned overhead,
and thatseenow is:
Meaning, Light. Undimmed by change or fear.
Moral beauty. News from afar.
The work of dreams. What no man
can tell another.


Signs by the Roadside

*

There are some traditional stories that are so universal that we forget when and where we heard or read them, and they live in us like the memory of some experience of our own.
Such a story is the one about the young man who, wandering through the world to seek his fortune, set out along a dangerous road, not knowing where it was leading him. So as not to lose his way, the young man took an axe and carved in the trunks of the trees beside the road signs which would later show him the way back.
The young man personifies the shared, eternal destiny of all mankind: on the one hand, a dangerous and uncertain road, and on the other our deep human need not to get lost, but to find our way in the world and leave some trace behind us. The signs we leave after us will not escape the destiny of everything human - transience and oblivion. They may never be noticed at all and perhaps no one will understand them. But still, they are necessary, just as it is natural and necessary that we should open our hearts and communicate with others.
If these small obscure signs do not save us from disorientation and all kinds of trials, they can at least make them easier, and help us in so far as they convince us that, in everything we do, we are not alone, nor the first, nor unique...

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Whatever does not cause pain - is not life, whatever does not pass - is not joy.

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"You should not be afraid of human beings."

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Many of the great, fateful passions of our youth are founded on a simple misunderstanding. We are like an awkward, clumsy person who goes into a shop, points to something in the window and says in the tone of one who is ready for anything: "I'll take that and pay whatever you ask.'
And afterwards when it is all too late, you see that you went into the wrong shop and asked for something you did not need and never actually ever wanted.

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I do not think that I shall ever succeed, even remotely, in expressing the beauty of the ordinary actions, trivial events and small joys of everyday life, as they are seen through some great anxiety or sorrow that temporarily shrouds the world.
Through our seemingly endless cares and efforts, the joys of life look perfectly and enchantingly beautiful. And if later, when the cares pass and the efforts cease, we could see these small things with the same eyes, we would be fully compensated for everything. But we cannot.

*

As we read good writers, miracles occur before our eyes. Often at the beginning of a sentence, when we see a thought coming into being, we stop, surprised and afraid. And we wonder in disbelief: 'Is it possible? Will what I foresee really happen? Is this really the same thought that we ourselves have sensed more than once when our consciousness has come into contact with the world around us, that hidden part of our inner reality? Can it be that someone else has seen and experienced this in the same way?'
And when, having read is the case, we pause over the sentence, thoughtful, grateful and glad, because we have been given the greatest gift that reading can offer: we have felt that we are never alone, neither at the hardest nor the best moments, nor in our worst doubts, nor in out most daring conclusions, but that we are linked with other people by numerous hidden bonds, of which we are unaware, but which 'our' writer discloses to us.
That is salvation.

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There are people who are able to hide the direction of their thoughts and the course of their feelings so successfully that no one can guess their true nature. But it seems that imperceptibly, over the years, our thoughts and feelings model our faces, as quiet, persistent water does the surface of the earth, and when old age starts to approach, they suddenly show unexpected furrows and chasms. And anyone can read all that once seemed forever hidden.

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People would understand me better, forgive me many things and even perhaps give me credit for a little, if they knew that everything I have done over the years, I have done in the hard, black, narrow strip of time between my resentment of coming catastrophe itself.

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I think I am not mistaken if I say that ninety-nine per cent of all that I have written was written by day. As soon as the sun sets, my writing time is over. After that I read and think, and sometimes make notes, but it never happens that I sit down at my table to write. After sunset, not only in the dark but even by bright lamp-light - I do not see characters or events, although I may recall some details; because then the whole world is like a place I have travelled away from. The next day, when I wake, it is there again and I can write once more.

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When I obliged to say something about my literary 'gift' and vocation, about my personal development and about my life's aims and work, I am like a blind man talking about colours and shapes.

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There is a certain type of man who is common in our country, who thinks that quarrelling is action, and roughness is the same as energy, that to insult an enemy means the same as to strike him, that all restraint in speech is weakness, and that any attempt at foresight is a waste of time; in short: that the so-called struggle of life consists in ceaseless, alternate barking and snarling.

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Has anyone ever loved the world as I have? At night, when all is at rest and when it is finally time to lie down, I am still restless and before I fall asleep, I am still disturbed by the thought that at this moment someone, late and alone, is passing through the streets and that I could meet him, see him and talk with him. I never have enough air, never enough water, or plants, or human faces. I exhaust my strength, I have lost my youth and I have not known peace, all because of my appetite and love of the world. At night, when I reach home, exhausted with everything, I long to have icy, silent earth scattered over my burning eyes and bitter lips, and to be freed from desire and disquiet and the sadness of fulfilment. And yet, I fall asleep with difficulty, sleep lightly and for a short time, and rise early. It seems that I am always awake.

On one of the ramparts of the Kalemegdan fortress. I shaded my eyes from the sun with my hand in the broad space above the shadowy trenches, full of grass, I caught sight of a whole world of bugs and flies, cobwebs and birds. The air around me swarmed with innumerable living creatures in motion. Over the stones under my feet ran lizards and spiders, in the freshly dug soil beside me larvae and worm writhed, struggling with the air and light. I suddenly felt how inaccurate our egocentric notion is that we walk on the earth and stand in the air as though separated by something, as though something separate, and that the truth is that we form, with everything around us, one sea of living beings, now disturbed, now calm. We do not live, we are life. Individual existence like individual death are only transient illusion, two momentary waves in the ocean of movements around us. And it seems to me that I have glimpsed the root of our idea of eternal life and resurrection. Eternal life is in the realisation that all our limitations, all states and changes are only imaginary, inherited delusions, and the resurrections in the discovery that we never lived, but that, with life, we have always existed.



Notebooks

*

It seems to me that there are more "failed people" in the diplomatic service of every country, than in any other profession, people who have stumbled through the wrong door and now no one can escort them out and they them selves cannot find the exit and go back. In other walks of life such a "lost" person is unnoticed, he signs in the choir which he does not help but nor does not harm it, so his voice and his ear cannot be appraised. In the diplomatic service circumstances oblige the majority of people sooner or later to act independently, to show who they are and what they can do.
I have not read much that has been written about the diplomatic profession, but everything I have read has seemed to me superficial and inadequate. And I would find it very difficult to have to give a specific definition and describe the basic characteristics of this calling. I could only say something about it in a negative way. and only on the basis of experience.
It is not only that diplomacy "is not for everyone", but one can say unreservedly that only a small number of people really have the gift and vocation for this work. It is, of course, far harder to say what those people are like and what they ought to be like. But, let us try.
They are people of sound but straightforward intelligence, people of simplified and limited sensitivity and a cool heart, but not without heart or any sensitivity; capable of deception, but not closed and mysterious, still less underhand; strong, but not rough; quick and decisive, but not hasty or impulsive; realistic, sober, but not dry and dull.
They need to know a certain amount, but there should be no trace of erudition or pedantry in what they know, and their knowledge should agreeably surprise and perhaps impress those with whom they are speaking, but never embarrass, offend or shame them.
It is the same with their courage: they need to have it, and it should be sound and reliable, but they should display it only in extreme circumstances and bear it as they bear arms which everyone knows they have, but are never seen.
They must also have imagination, but only in a certain degree, enough for a man to see every issue from every point of view and with all its possibilities and immediate consequences; anything more than that is both dangerous for them and damaging to the work they are doing.

 

 

Ivan Goran Kovačić

(1913-1943)

Ivan Kovačić stammte aus den Gorski kotar, einer schwer zugänglichen, bewaldeten Gebirgsgegend Kroatiens. Da ihn diese Gegend sehr geprägt hat, gab er sich den Beinamen Goran. Er verlor früh seinen Vater, sodass er mit seiner Mutter und dem jüngeren Bruder in Armut leben musste. Nach dem Besuch der Volksschule in seinem Geburtsort ging er 1923-1926 in Karlovac aufs Gymnasium, danach in Zagreb, wo er 1932 maturierte. In Zagreb studierte er Slawistik bis 1936, machte aber keinen Abschluss. Er begann als Korrektor beim Hrvatski dnevnik, wurde später dann dort Redakteur. Nachdem er 1938 lungenkrank wurde, bemühte er sich 1940 Kulturattaché in Bukarest zu werden, was aber misslang. Stattdessen wurde er Redakteur bei der Zeitung Novosti, die aber 1941 eingestellt wurde. Im unabhängigen Kroatien wurde er zunächst zum Leiter der Post in Foča bestimmt, es gelang ihm aber eine Anstellung in einem Buchverlag zu bekommen. 1942 ging Kovačić gemeinsam mit Vladimir Nazor zu den Partisanen, wo er bald unter ungeklärten Umständen in der Nähe von Foča fiel. Sein Grab ist unbekannt.

The Pit

I


Blood is my daylight, and darkness too.
Blessing of night has been gouged from my cheeks
Bearing with it my more lucky sight.
Within those holes, for tears, fierce fire inflamed
The bleeding socket as if for brain a balm –
While my bright eyes died on my own palm.

While played, I never doubt, God's feathered creatures,
Reflected still in them, and clouds' procession;
But all I felt were my blood–spattered features,
Bruised gulfs in that once brillant profusion.
Haw radiant lay my eyeballs in my hand,
Yet from those eyes no tear could more descend!

Then ever other fingers ran the warm
Coagulating blood my slaughterer found
By the profounder agony of holes he formed
For better grip, more sensuously to wound;
But me the softness of my blood enthralled,
And I rejoiced as blood were red tears falling.

The final light before the frightful night
The lightning swooping of the polished knife,
The cry too white still in my blinded sight,
The bleach-white bodies of the murderers,
Who stripped their torsos for their sweaty task –
Was dazzling even to my blinded mask.

O painful daylight, never so hard yet
Or penetrating did you break the East
With fiery arrow; I might have thought I shed
Teardrops with leaping flames that seared my cheeks
Through all that hell so many lightnings brent,
So many cries of other victims rent.

What time that furious conflagration fanned,
All that I knew of time were callouses for eyes,
Hard-grown and aching; and could hardly stand.
And only then my slippery eyeballs fingered
And knew – and cried: My sight, O Mother mine, is gone.
How shall I wepp when your life too is done?

Then dazzling daylight like a myriad carillons
From endless gleaming bell-towers in my crazy
Brain illumined like the lights of Zion,
A lovely light – a light which sanctified –
Bright birds, bright river, trees and, brilliant
Boon pure as mother's milk, still brighter moon.

Now came a torture I had never guessed –
My murderer commanded "Break your own eyes!"
I nearly prayed for mercy to the beast,
But slimy-fingered spasmic hands obeyed –
And then no more I heard, no more could tell,
To empty nothyng faltered, and I feel.

II

WITH chilly urine woke me, and with blows
Belaboured fire back to my head, and then
These executioners pierced our ear lobes
With blunted, clumsy spikes, each one in turn –
"Laugh, laugh!" they ordered, as they thrust their tools,
"Ear–rings are fire for force-converted fools!"

Then horrid laughter, sobbing, loud and wild
Reverberated as if dead men laughed;
But crazy humour hindered those defiled –
To silence us our wilted flesh they flayed;
But endless now in our long choking wit,
With gaping sockets our dead sorrow wept.

Then suddenly like corpses we were still
(No doubt from fear lest we were still alive) –
Tugged by our swollen ears they dressed us, till
The silent torture turned us all awry
(But birds that sang to us, not one did tire)
While through our tattered lobes was drawn a wire.

So each man of us if the least he starts
Howls dully when he feels the frightful pain.
"Silence" - the executioner – "we know it smarts,
But we're not going to let you go again!"
Not one of us could even shake his head
But give another blinding pain instead.

That warder wire appeased our cruel captors,
And, tired, nearby they sat down in the shade;
Refreshing water gurgle then was heard
Down parching throats, laud pleasure as they ate,
As if they'd laboured hard, till they began
To pass foul, slimy jokes from man to man.

Then even seemed our presence was forgotten;
We heard them yawn and break their wind at leisure.
"Oh boy, I saw a skirt today" – a rotter
Spued dirty observations from his tongue.
Thus passed their noon, in wine or cooling water -
Ours passed on burning wire, strung for the slaughter.

III

NOW in my rank a girl went mad and shrieked
Her warning – "Men! Fire! the house is burning,
Fire!" And now the wire strung through us wreaked
New agony and rent distorted gaps
In all our monster ears until she fell
And choking lay, oblivious to hell.

"Blind sockets, deaths-head skulls, you purblind rats,
We'll doctor you with hot coals in those holes
To make you see again, blind blinking cats!"
And, as he spoke, a drunken murderer lent
Leering forward, and slashed down through a face,
To leave its ear still dangling, wired in place.

We heard the victim's cry, his frenzied pace
As, thus released, down maddened dark he ran;
Through mortal silence then we heard the chase,
And, as the knife struck twice, his heavy fall.
So one is saved, I told my night of it,
No knew they led our steps towards the pit.

I heard the heart dull in my hollow breast
And through the wire to others' beating harked;
To that dumb drum we pressed our steps ahead
(Haw loud it rumbled through the weeping dark!)
By that tattoo I saw through holes for eyes
My thoughts assemble as in bright sunrise.

And saw again, as I had seen at dawn,
The hollow pit which yesterday we dug;
I strained my hearing and at last it came –
That sudden flat sound as each victim fell –
Knife-edged, my thought itself began to tell
The forty-nine before me, known so well.

And, waiting fingered memory's index,
Ticked whom they took before, behind, all round –
So add, subtract, until the following blows
Descend and new men die; till all my strength
Of mind to dazzling clarity was grown.
To let no change take place, and pass unknown.

Somewhere cicadas sang; a single cloud
Brushed fleeting shadow over everything.
I heard one murderer nature easing loudly,
The while another, heated, wildly slew –
All this engraved like sight, and glittered clear
As sun upon the knife-edge, in my ear.

IV

WHEN the first sacrifice began to choke
I heard a silken sound, a fleshy sack
Which settled slow. I knew that first the throat
They stuck, then in between the shoulder-blades
A second thrust, then swiftly pushed away
To fill the pit, together to decay.

Before my blindness, limp and dead, one fell,
Then with a yell of fear, behind my back,
While my keen senses noted down each blow
And every person dead, struck from my list –
No man nor girl who cried or sudden wept
But in my heart – my wound – their agony leapt.

A comrade in the pit now whimpered like a child,
Throat but half stuck – that asound so ominous
Alarmed me lest I lost the list compliled –
Then down below a hand–grenade they tossed –
The firm earth rocked. A weakness bend my shape;
What hope now had I that I might escape?

Yet consciousness triumphant still possessed me;
Now nerves and blood and flesh and skin became
A straining ear; I counted thirty–one –
Sixty and two more strikings with the knife –
I heard a blow which fell with savage force,
And once again my folly took its course.

When now another cry for intermission
Brought yet another hand-grenade, new dead
Began to fall with thuds of less precision,
As if on water, o'er a slush of flesh;
And so in blood I feel my foot-soles sink –
A spasm shook me – I had reached the brink.

V

OH, THEN I saw, with suddenly better sight,
As if my eyes returned – but to my back -
That whitened skin, that knife prepared to strike,
The victims too who while last seconds tick
Stand stiff and still, yet automatic steal
By inches toward the knife their nerves can feel.

Uninterruptedly the ranks moved slowly on
- As if some distribution was ahead -
Not one that shouted, started back or groaned,
While steadily in sultry air death mowed
the deadripe corn, which fell with only sound
The fluent blood which spurted to the ground.

Thus step by step, with briefest pause between -
The croak, the knife, the thud; the queue pace
Nearer, nearer still. Strained on a rack,
I backed, felt on my lips the bitter taste,
Another's blood, and thus became the third
Who waited at the pit till it – occurred.

The darkness more disgusting through my blindness
Blasted my mind and cluttereb every sense -
And sense bevond a thausand daybreaks cried
Intense – O arrow! O flame! O bewildering snow!
Light, come at last devoid of any shade,
With needles in my aching eyeballs played.

The comrade next bent suddenly towards me,
As if a cramp had gripped him, then he groaned,
And, stumbling forward, set a soft sigh free,
That lonely sigh, consumed in his death–rattle -
Swung downward, flopping like a fish. With this,
Before me gaped the bottomless abyss.

Each detail fresh today – my body swayed
In space – as if upon the final rung
Of endless nothing balanced there before me,
And at my back another nothing hung.
A whitened arrow was my own throat slit,
Black death the stab behind; before – the pit.

VI

BUT in the pit, by quivering heart made keen,
I felt the chilling corpse that pressed me down,
And my own clamour too, that webbed me in.
Fear flared my senses when a woman shrieked!
I am in the pit, cold maw that took our flesh,
That took our corpes clammier than fish.

I lay upon a corpse – a mould of brawn,
A flabby slimy thing in bloody steep;
Yet thought was rescued by that human cold,
And flashed new lightning when a woman screamed.
I turned in fever quick towards the sound
And stretched my hand – to touch a soft, wet wound.

For the first time my every ounce of strength
Knotted together over all the dead;
To hide that shriek I held my breath and pressed
Deep fingers in my sockets - bodies naked
Shrieked together in the darkened pit,
And hell re-echoed with the din of it.

Then my new fear awoke – grenades would fall!
With awful spasm at first I thrust and gripped
A woefully butchered limb – the body crawled
To writhe with me, and, writhing, slipped,
The blood-lapped gurking gullet gaping wide -
When footsteps came and voices spoke outside.

O heavens above, a woman's tense embrace
Of second death contained me and I felt
My fingers ridging in her wrinkled cheeks -
O whitened hairs! O Granny! and I held
Her bony hands and warmed them with my breath,
Felt I had caused my own dear mother's death.

I heard how she lamented as she died,
How passionately still che longed to live.
I begged all those now dead for absolution.
I felt a twisted lip grown swiftly stiff -
And fainted then. When once again I stripped
The darkness from my mind, my flesh still wept.


VII

STOPPED – alone – of all cold corpses, first!
But chill of death subtly up my spine;
My limbs – congealed in choirs of dead men - thirsting
With gums and tongue and gullet throbbing fire.
The ice of death is still. Inside, hell flamed,
Though not a cry, to give that silence shame.

Yet that lewd burden pressing on my body
Not even with the ice of death can slake
My burning throat; that ever deader sod
Confines me – till I nearly shriek for water -
Then water sprinkles, near and far by turns,
On, cooling shower! that burns, burns, burns!

Over the naked skin, the vale of ice,
Down belly, breast and flanks and thighs at once
That cooling rivulet sets teasing fire,
And hollows angry furrows in the flesh.
A burning droplet on my stiff lips traced,
My tongue revealed to me the quicklime taste.

The pit chockful, on carcases they poured
That fire, to spare the world our stealing stench:
I thanked them that, now dead, they tried to warm
Us with that charity ... I felt wrench
Of naked corpses as their sinews turned,
Like long dead fishes by crude saline burned.

That final spasm of nerves yet not quite still,
That wondrous shudder on which I now floated
Compelled me bless the guilty one for this:
When look! a corpse beside me was alive -
Grey-haired old granny's icy hand caressed
Me, now she knew I still had not found rest.


VIII

WHEN tat dead wave of life again subsided,
I caught the sound of steps as from afair -
Somebody twice walked slowly round the site,
Then peace shone steady, like the evening star.
I bent, to rise, hitched feet up, one by one,
Like digger when his graveyard job is done.

Then what surprise! The corpses moved about,
Slid over me and slowly settled in;
They laughed and wept, groaned and sighed and shouted,
Reached for me – gripped me – furiously throttled -
I felt their nails, their buttocks, and their thighs,
Their mouths and bellies corner me alive.

From terror I was still – then they still too -
Their weight decreased, a dead leg on my shoulder
Dangled limp. They had pursued, but now
Pursed no more! – my climbing had undone
The dead – I told myself. – That mangled nosse
About your neck, a dead girl's locks have tangled!

Soft air now brushed its coolness on my mouth
Between the dead – then I was near escape!
And as if drowning, gulped; and thickened blood
Through nostrils spurted down my parching throat.
I laughed aloud – yet who saw me with gob
Of comrade's blood bedecked, would sorely sob.

Or fear would petrify him, smite his speech
Before monstrosity like me – for why
Deceive myself when mast think I grin
If i am weeping, or, if smiling, cry?
Yet, in these empty sockets none may now forget
Like their tenebrous depths, the deadly pit.

For I could not relieve myself of guilt
Were I to leave my dead in that dark hole.
The air's alive – but do I also live?
I half expected they would clutch me to them -
But then my mortal wounds "You live!" declared.
Be brave! Day's done – the evening damp is here!


IX

OH, NEVER did I wait for darkness' coming
With such desire. For now the dew was seeping
Over the upper bodies down to me!
My inflamed tongue set greedily to lick
Drops from the arms and legs of those now dead,
And down contorted gutters nectar bled.

Like a wind creature, maddened then, I tried
To clamber out, on bosom or on belly
Treading, non when those things like bellows sighed
Did I pay heed, but clutshed and cramped my fringers
In the still hair, wherever dead flesh held,
Like maddened dog by burning thirst compelled.

Now was I free from pain and fear and shame,
Free to betray and spurn the dead, and crawl
On bodies as on sodden ground that crumbled.
Was it my sister that I trod – I cared not;
Some friend I mauled, girl's fragile bones I shattered -
My maddened thirst was master – what else mattered?

When like a beast I'd clambered from the pit,
All wisdom, caution, fled, I cared not any more
Who saw, but in blood crawled about and dragged
Myself to pasture, quadrupedal snorted,
Rooted burning lips, and gaped, and sank
My oblivious body as I crept and drank.

At last twast done; with grass–filled mouth I lay
Twixt fire and ice, exhausted beyond sense,
But saved! though beffled – whither could I flee?
A shudder broke me. Far aff the tyrants sang -
With dirty catch their dismal triumph they shared.
When my soft mood was gone, and hatred flared!

X

MY NOSTRILS suddenly had caught the scent,
The wind–borne echo of our burning homes!
From ashes rose my youthful years' content -
The weddings, harvests, dances, and long hours
Beside the hearth – the funerals with bells and wakes,
All that life's sower sows and death's scythe takes.

That simple happiness, the window's glint;
Swallow and young; or windborne garden sweet -
Where? – The unhurried cradle's drowsy tilt?
Or, by the threshold, sunshine at my feet?

The spindle's whirring, or the sweetish scent
Or bread – the chairs, the nook, that all require
But pease – that squere of sky the window bent -
Door hinges' gentle creak, the cosy fire –

The cowbell clanging stately from the byre? -
Afair, it seemed, through the floor boards seeped in
Drip drip in sleep, while one by one the stars
The ages lit, o'er villages and kin.

No weeping – only oaths and bawdy yells.
The moon above a ruined village stands.
no more below the house the well–hoist spelling
Peace. Death's odour only fills our land.

Is there a place where suffering and pain
Men suffer, and endure, but yet alive?
Is there a place where men forget again
And live with those who wronged them by their side?

Is there a place, where children cry delight,
A father has a daughter – son, a mother?
Where even dreaded death is calm, and white,
With lilies for farewell, placed by brother?

Is there a place, where flowers on the sill
Enhance a pleasure or a grief diminish?
Could there be happiness or wealth more full
Than oaken table, chest, and humble bench?

The forest suddenly rattled, magnified
From hill to hill, and bullet scattering squeaked
Like thunder children near me; high and wide,
Their errand missed, they sighed, and disappeared.
Comrades were come, the avenging battle started!
Light as strong as health lit up my heart!

All the hearths of home blazed up in me,
And every sinew swelled with vengeance for
Our bodies they had pillaged – I could see
The midday sun shrink gloom to liberty.
The smoking village as my nostrils' guide,
I strove to take my stand my men beside.

Then it was you found me, still by the path
Oh my own kin, my unknown warriors!
Singing you came, like the first quickening swath
Of fruitful light, which, heralding the day,
Boathed me. I tried to ask – for had I swoonned,
To dream of singing hands? o bowhund my wounds?

Upon my forehead moved a girl's cool fingera,
Upon my ears sweet music "Comrade partisan,
Rest now in peace, your agonies are requited!"
I reached my hands in dark towards her voice,
Without a word I touched the tender face,
The hair, grenades, and rifle af my grace.

Began to sob and never have ceased yet,
With throat alone, for now I have no eyes;
With heart alone, for now my tears the knife
Of murderers gourged away. I am deprived
Of eyes to see you, and that strength is gone
Which I so need, to fight too, till we've won.

But who are you, and whence? I only know
That your light warms me. All – Sing! for I can feel
At last I live; even though I'm dying now,
'This in sweet Liberty, with Vengeance stolen
From death. Your singing gives my eyses back light,
Strong as our People, and our sun as bright

La fossa


Splendore e tenebra è il mio sangue.
Dal profondo degli occhi
mi strapparono la luce e la dolce tiepida notte.
Ora il lampo del giorno solo dietro la fronte
m'accende le sanguinose pupille.
Nel cavo della mano si spensero i miei occhi
dove ancora palpitava un volo d'uccelli
quando vi si specchiò l'ultimo cielo.

Nell'azzurro delle pupille
sentivo affondare il mio volto rigato di sangue.
Sul palmo della mano ormai incapaci di pianto
i miei occhi ridevano alla luce
e caldo e denso il sangue
stillava tra le dita che il carnefice
per uno strazio più grande
mi conficcò nelle orbite vuote.

Poi la dolcezza del sangue m'invase
come se mi sciogliessi in lacrime vere.

L'ultima luce ch'io vidi prima della notte atroce
fu il bagliore del coltello,
il grido bianco della mia cecità,
fu la bianca pelle dei carnefici
nudi fino alla cintola.
Fu così nudi che ci strapparono gli occhi.

Mai così viva, dolorosa luce,
mai così forte tu sorgesti all'alba!
Mai così balenasti nel fulmine o nel fuoco!
Mi crepitavano di lacrime ardenti
le devastate occhiaie
e nel tormento mi giungevano i gridi dei compagni,
sentivo esplodere i loro lampi.
Non so quanto durò questo fuoco ruggente
se già due bulbi induriti e nodosi
mi stanno crescendo nelle orbite vuote.

Caddi stringendo gli occhi nella mano.
O madre, dissi, ora che sono cieco
chi potrà ancora piangere per tè?
Nella folle memoria sgorgò l'intensa luce
come il fragore di cento campane
da bianchi campanili.
O divina luce di Sion, albero bianco,
luna e fiume, o mia luce come latte materno!

Quando il carnefice mi costrinse a chiudere gli occhi
non m'aspettavo questo estremo dolore.
Demente caddi di schianto sui ginocchi
e già nel crampo della mano
stringevo gli occhi miei.
Più nulla intesi, m'inghiottì un abisso
che su di me si chiuse come tomba.

II.

Ci risvegliarono con fredda orina e percosse,
col fuoco di un tizzone.
Ci bucarono i lobi delle orecchie
con una punta di ferro scheggiata
e un ordine seguì quella tortura:
Ridete, perché prima dell'ultimo strazio
vi metteremo gli orecchini!

Un ridere sinistro, disumano, si diffuse tra noi
come se a ridere fossero dei morti:
un delirio che impaurì anche i boia.
Allora ci caddero addosso colpi di frusta
e noi ciechi, tra quel ridere atroce,
rimpiangemmo i dolori di un tempo.
Poi diventammo muti, inorriditi
d'essere ancora in vita.
E in quel prostrato silenzio
ci passarono tra i lobi il fildiferro.
Nel silenzio mi raggiunse il canto
di un uccello dal bosco.

Ora ogni gesto provocava un gemito.
Vi tormenta, disse il carnefice,
ma a questo modo non potrete fuggire.
E così nessuno di noi mosse più il capo
per non ferire il compagno vicino.

Di una fuga impossibile sicuri,
i nostri boia ripararono all'ombra.
Sentimmo un forte masticare, un fresco
gorgogliar d'acqua nelle gole arse
come dopo una dura fatica.
Di lì a poco si lanciavano lazzi, immondi scherni.
Tra sonori sbadigli e flatulenze
sembrava che ci avessero scordato.
Ehi, che ragazza ho adocchiato quest'oggi!
vociò qualcuno, accompagnando
con osceno commento il suo ricordo.

Al gorgogliare dell'acqua e del vino
la nostra colonna si agitò e il fildiferro mi morse.

III.

Folle, nella mia fila, una donna gridò: "O gente,
un incendio divampa! Una casa brucia!"
E il fildiferro più furiosamente
riprese a lacerarci le tumefatte orecchie.
Svenuta a terra s'abbatté la donna.
Gattacci guerci, teste di morto, musi di gufo,
camminate!, urlò ebbro un carnefice.
Per ridarvi la vista
vi riempiremo le occhiaie di brace.
E con un colpo di coltello
sfregiò il volto di un vecchio,
gli troncò un orecchio
che restò appeso oscillante al fildiferro:
un acuto lamento e nella notte
l'incespicante correre di un cieco
inseguito e raggiunto,
il tonfo sordo dell'accoltellato.

Così almeno sei salvo, io dissi nel mio buio,
ignorando che ci portavano alla fossa.

Il cuore mi batteva dentro il petto
e attraverso il filo di ferro
sentivo il batticuore dei compagni
mentre la fila avanzava.
Oh, come battevano gemendo i nostri cuori
nella notte funesta!
In quel battito vidi i miei pensieri
come al centro di una grande luce.

Così di nuovo come in quel mattino
riconobbi la fossa già scavata
e cupamente v'intesi cadere la prima delle vittime.
Mentalmente decisi di contare:
nella colonna ero il cinquantesimo.
Allora attesi, registrando
dati precisi: chi già cadeva nella buca,
chi stava per cadervi. Addizionavo
e sottraevo i colpi, le cadute,
con ogni forza della mente
tesa nella coscienza,
perché nessun dettaglio mi sfuggisse.

Una cicala cantò, sulla pianura
una nuvola stese la sua ombra.
Accanto a me un carnefice si svuotò la vescica
mentre un altro sgozzava i prigionieri.
Ogni cosa brillò dentro il mio udito
come negli occhi
il balenare al sole di una lama.

IV.

Ad un colpo attutito seguiva un singulto strozzato,
poi il cadere, il rotolare lento
di un corpo inerte: mi rendevo conto
che alla gola andava il primo colpo,
il secondo alla schiena.
Con gli altri a imputridire
la vittima era spinta nella fossa.
Davanti a me cadeva un compagno morente,
alle spalle ne urlava un altro di paura.

Nella mia mente addizionavo i colpi,
sottraevo i caduti,
ma lo stesso ogni grido, ogni singulto
mi feriva nel cuore come un morso.
Un uomo che gemeva con angoscia infantile,
scannato gettò un rantolo agghiacciante.

Tremavo pensando che il mio calcolo
fosse sbagliato e a un tratto
una granata esplose nella buca.
La terra sussultò, uno sgomento
smisurato m'invase
stroncando ogni illusione di salvezza.
Ma la coscienza restò sveglia:
i nervi, il sangue, la carne, la pelle
mi si fusero insieme nell'udito.

Contai trentuna vittima
e sessantadue colpi di coltello.
Mi parvero vibrati con minore energia
e in me rinacque una speranza.
A ogni grido dal fondo della fossa
altre granate esplodevano e i morti
ora cadevan giù in un lago bollente di sangue.
In terrore sull'orlo della buca
su quel sangue mi sentii scivolare.

V.

Vedevo, sì, io vedevo come se avessi nuovi occhi.
Vedevo la pelle bianca e il coltello assassino,
le vittime davanti ai carnefici
come gli agnelli riluttanti e tuttavia mansueti
che muovono incontro
alla lama che li deve sgozzare.

Avanzavamo come a una fila per il pane.
Non più gesti di strazio, non più lacrime e gridi.
Sotto il sole feroce ci falciavano
come spighe fruscianti:
con suono uguale ci sgorgava il sangue
dalle gole recise.
E la fila avanzava, si fermava.
Un rantolo, una spinta, una caduta, un passo
ancora. Sgorgava a fiotti il sangue.
Ne sentii il gusto amaro sulla bocca:
il sangue di un compagno che mi stava davanti
con un altro sull'orlo della fossa.
E più atroce della mia cecità
il buio mi sconvolse, dominò i miei sensi.

Poi, come un fitto improvviso gridare,
la luce sfolgorò.
O fiamma, o vampa, o fulmine e neve!
O irresistibile luce senza ombra,
pungente trafittura delle mie pupille!
Davanti a me un compagno
come aggredito da un crampo
barcollò, gettò un grido, esitando si sporse,
il suo sospiro si spense m un rantolo,
di colpo sprofondò . Ogni cosa ricordo: già oscillavo
privo d'equilibrio, già ero preso
da quel vuoto angosciante
mentre dietro di me s'apriva un altro baratro.
Nel mio petto balenò una freccia bianca,
un'altra nera mi ferì alla schiena: e caddi.

VI.

Dalle tenebre mi destò un brivido: addosso
mi pesava il freddo corpo di un compagno.
Il gelo della morte m'invase,
mi penetrò il terrore.
Accanto a me una donna gemeva.
Io ero nella fossa fra gelide carni straziate,
giacevo sopra un cadavere
di viscido sangue.

Ma poi da quel gelo
mi nacque un tremito di speranza, il lamento
di una donna svegliò la mia ragione.
Mi voltai e ansiosamente verso la voce
tesi la mano toccando una ferita.

Per la prima volta ogni mia energia
ebbe così il sopravvento sulla morte.

Poi a un nuovo lamento ritrassi la mano
che affondò in un cranio spezzato.
Fu come se tutti quei corpi urlassero insieme
e nel buio l'inferno
rispondesse con eco sinistra.
Cadde un'altra granata: fui sconvolto
Cercando un appoggio con sforzo supremo
allungai ancora la mano
che incontrò una gola squarciata.
Il corpo morto scivolò su di me
con un flusso di sangue dall'aperta ferita.

Venne dall'alto un rumore di passi,
un suono di voci.

Dio mio! Ora la donna mi abbracciava
col gelido abbraccio della seconda morte.
Come era rugosa la pelle del suo volto!
Era un volto senile come il volto
della madre di mia madre.
Così mi parve che anche mia madre
per colpa mia fosse morta.

Continuando il lamento la donna spirava
e io volevo che ciò non accadesse.
Chiesi allora perdono a tutti i morti.
Sentii contrarsi le sue dure labbra e svenni.

Quando tornai in me piangevo ancora.

VII.

Solo tra quei gelidi corpi, tacqui.
Già sentivo il freddo mortale tra le spalle,
nelle gambe, nei piedi, ma in quel gelo
avevo sete: nella bocca riarsa
la gola ardeva, la lingua era di fuoco.
E a tale ardore
anche il gelo di morte si ritrasse.

Non un grido rompeva ora il silenzio.
Il terribile peso che opprimeva il mio corpo
col gelo della morte non dava refrigerio
alla mia gola: cresceva solo di peso.
Ma ecco, e quasi gridavo: un'acqua cade!
Dall'alto la sentivo cadere sopra i corpi,
ma quel getto glaciale scorreva come incendio
e bruciava, bruciava, bruciava.

Sopra la pelle nuda,
sul petto, sul ventre, sui fianchi, sulle spalle
uno scroscio nevoso accende un fuoco ardente
e scava nelle carni atroci solchi.
Quando mi tocca il labbro quel getto bruciante
s'infuoca anche la lingua: calce viva!

La fossa è colma, la calce è gettata sui corpi
perché i morti non appestino l'aria.
E la fiamma della loro carità
che riscalda i defunti!

Sento i cadaveri che si contraggono
come pesci morti cosparsi di sale.

La contrazione dei nervi,
il trasalire dei corpi sotto il mio corpo
mi fa quasi benedire il colpevole
di tanto orrore:
vicino a me col corpo ancora vivo
la vecchia donna mi accarezza
sapendo che le mie pene non sono finite.

VIII.

Quando si placò quel morto sussulto di vita,
udii i passi di qualcuno
che ancora veniva a ispezionare la fossa.
Poi la pace regnò come un secolo spento.
Districai un piede e strinsi i gomiti
come un becchino per uscir dalla tomba.

I corpi si smuovevano, mi slittavano sopra,
lentamente franavano e quei morti ridevano,
piangevano, gridavano e invocavano,
furiosamente tendevano le braccia
cercando d'afferrarmi...
Sentivo l'unghie, le ginocchia, i fianchi,
le bocche inquiete su di me.

M'arrestai impietrito e anche i morti
s'arrestarono immobili: diminuì il loro peso.
Un piede mi crollò sulla spalla.
Ora nessuno m'opprimeva più.
Mentre salgo, pensavo, i morti cadono in basso.

Lunghi capelli femminili m'allacciarono il collo.

E a un tratto m'arrivò sulle labbra
la freschezza dell'aria.
Ero giunto vicino all'orlo della buca.

Bevvi quell'aria avidamente e un denso sangue
mi sgorgò dalle nari nella gola.
Ridevo, ma chi avesse visto quel mio ridere orrendo
avrebbe pianto o sarebbe ammutolito.
Chi mai riuscirà più a consolare
la mia miseria? Ormai la gente penserà ch'io rida
quando piango o che pianga quando io riderò.
Le mie orbite vuote, nidi d'inferno,
ricorderanno per sempre il dramma della fossa.

In me sentii l'angoscia
d'abbandonare i morti nella buca
perché l'aria era viva e io più non vivevo.
Aspettavo che ancora
venissero a buttarmi nella fossa.
Ma le ferite gridavano: sei vivo!
Sì, sono vivo.
Cadeva la rugiada, discendeva la sera.

IX.

Mai con più desiderio avevo atteso la notte.
Ecco, mi dissi, lungo i corpi morti
la rugiada sino a me discende
E la mia lingua ardente già lambiva le gocce
stillanti dalle membra irrigidite.

M'arrampicavo con selvaggia rabbia
premendo su quei corpi, sui ventri, sui petti,
e se ne sprigionavo un rantolo, un gorgoglio,
ormai non ne avevo spavento. Risalivo
afferrandomi agli arti e ai capelli
sospinto da una sete furibonda.

Come sulla terra friabile di un campo
avanzavo tormentando quei corpi,
lasciando forse un'impronta
su mia sorella, sul mio vicino di casa,
sulla dolce carne della mia ragazza.
Folle forza m'infondeva la sete.

E uscito dalla fossa dimenticai la prudenza.
Era questa la notte?
Mi trascinai bocconi sino all'erba,
ferocemente la succhiai, la strappai coi denti
per divorarla, mi ci immersi
come dentro l'acqua di un lago.

Rinvenni con la bocca piena d'erba.
Ardevo e avevo freddo. Ero salvo,
ma dove nascondermi? Tremavo.
Da lontano mi giungeva il canto dei carnefici
irridenti alle nostre torture.

Una vampa d'odio mi prese e il dolore finì.

X.

Di colpo il vento mi portò dal villaggio
l'odore dell'incendio e in quell'odore
rivissi ogni ricordo: le vendemmie e le nozze,
e le danze, le veglie, i funerali, i lamenti:
ciò che la vita semina e la morte raccoglie.

Ma dove sono le brevi gioie d'un tempo:
il riverbero dei vetri, il nido della rondine,
lo stridere di una chiave dentro la serratura,
un raggio di sole che indora la porta di casa?

Dove sono le finestre e l'azzurro quadrato del ciclo,
la porta che si apre sul focolare benedetto?
Dove sono i sonagli della stalla
che attraverso le mura, come da arcane distanze,
filtrano nei nostri sogni?
E le stelle che sopra i nostri rifugi
accendono secoli di pace?

Né pianti, né risa, ne lamenti, ne canti.
Errabonda la luna splende sulle rovine,
il singhiozzo remoto delle fontane tace,
la carogna di un cane giace in mezzo alla strada.

Ma c'è ancora un paese
dove un uomo può vivere la sua aspra esistenza,
dove può anche colpire una mano amica,
dove può stare sereno anche vicino al malvagio?
C'è ancora un luogo dove i bambini piangono,
dove un padre ha una figlia e la madre un figlio,
dove se muore la sorella
il fratello le infiora il petto di gigli?

C'è ancora un luogo dove sul balcone
i fiori danno gioia e consolano il dolore
e dove il più gran bene
è una madia, una tavola, un bicchiere di vino?

Tuonò dal bosco un'esplosione,
generando subito dopo un disperso fischiare
di proiettili. Il sibilo alto e sperduto
passò su di me. Una battaglia!
Il castigo s'annuncia. Illuminante
provai dentro di me una gioia vitale,
nel mio cuore s'accesero tutti i focolari,
ogni vena del sangue fiammeggiò di vendetta
e giunto a mezzo il cielo, come una freccia balenante,
il sole della libertà frantumò la mia notte.

Così, guidato dal fumo, corsi,
quasi volai incontro ai vostri spari.

E qui, fratelli, sconosciuti eroi,
qui mi avete trovato, coricato su un fianco.
Cantavate e come un segno di Dio al primo mattino
mi bagnò una luce infinita.
Domandai: sto sognando? Chi è che canta?
E chi ha fasciato le mie ferite?

Una dolce mano di donna mi si posò sulla fronte,
una voce parlò: "Partigiani
siamo. Il tuo martirio è vendicato, riposa
amico". E io tesi le mani,
toccai il suo viso gentile d'infermiera,
i suoi capelli, il fucile.

Il mio pianto fu solo un singhiozzo
della gola e del cuore: non avevo più occhi,
le mie ultime lacrime
le avevo versate sul coltello del boia.

Sì, non ho occhi per vedermi, ne forza
per venire con voi
anche se lo vorrei con ogni forza.
Chi siete e da dove venite non so,
ma alla vostra luce mi scaldo.
Voi cantate e io dalla morte risorgo.
La sacra libertà e la vendetta presagisco.
Il vostro canto
mi restituisce la luce degli occhi:
forte come il popolo, alto come il sole.


 


Izet Sarajlić

(1930-2002)

Er lebt seit 1945 in Sarajevo. Studium der Geschichte der jugoslawischen Literaturen, Lektor im Verlag Veselin, Maslesa
Seine Gedichte erscheinen seit 1949 und werden in viele Sprachen übersetzt, z.B. von Hans Magnus Enzensberger, Milo Dor, Joseph Brodsky, Jochen Kelter u.a. 1992 gab er in der belagerten Stadt Sarajevo die Sarajevoer Kriegssammlung heraus, auf Deutsch im Verlag Im Waldgut 1993 als Sarajevo erschienen. 1998 erschien die seiner verstorbenen Frau gewidmete Gedichtsammlung 30. Februar.


***

Ein unbekannter Mensch reichte mir die Hand: Hier die Hand
dafür, dass du
in Sarajevo geblieben bist!
Ich habe alle Züge verpasst!
Kilometer von Stimmen im Fleisch, gleichwohl habe ich
das Bild nicht verloren. Das Wasser überströmt.
Eine unbekannte Journalistin hat mir einen kalten Blick gegeben
und gesagt:
Hilf dir selbst, so hilft dir Gott! Dann zog sie
Ein blaues Panzerhemd an.
Refa hat mir einige Grappa auf Pump ausgeschenkt,
Ferida Durakovic hat mir nichts gegeben, doch bin ich ihr
ein humanitäres Paket schuldig.
Tanja Cengic hat mir einen Richthammer gegeben,
Nikola Krstic Hosen und Hemd
Sejo Wodka und Kaffee.
Ich habe ein Boot, das dahin geht, wo ich will ...
Das Weinen eines Säuglings dreht die Erde,
die Mähre schlürft durch den Schlauch
Schnaps aus dem Faß.
Gottseidank können wir alle etwas geben.
Vera und Mirjana sind zwei einträchtige Blumen in der weiten
Welt. Mutter und Tochter leben für Sarajevo,
Paša hat mir ein Zeichen gegeben.
Hidan ist ein Stieglitz aus einem meiner Lieder, der nur
mit einer Frau die Lüge übersingt! Er hat Whisky gegeben!
Zlaja schmiedet Pläne, wie sie im Jugend-Theater
wilde Reben pflanzt.
Nino gab alles, was seinen Platz hatte,
Nusret glaubt an mein nüchternes Gemüt und auch er bewirtet ...
Wenn Omer Bašic mich sieht, ist die Stunde
des Schenkens unumgänglich.
Nun auch Bachs Seele sich unter vier Bechern wiegt.
Wenn ich mich betrinke, strenge ich mich an,
in Gedanken das Gesicht eines Mädchens zu bilden, aber
nichts rührt sich ...
Nirgends gibt es mich,
irgendwo auf dem Weg zu mir bin ich verschwunden.
O Rose, die du dich verstreust, –
ist mir eine Schöpfkelle auf den Kopf gefallen?
Das Gemüse, soweit ich mich erinnere, liegt jetzt auf dem
Meeresboden.
Adio Kerida,
Siniša ist ein ganzer Kerl. Bis zur Sperrstunde.
Miki Trifunov, der eine weiße Stimme hat, bewirtete mich
mehrmals mit Spirituosen.
Sarajevos Dämmerung in voller Lautstärke auf dem
Transistor ...
 

Daß ich das alles überlebe


Was geschieht mit uns übernacht,
Freunde?
Ich weiß nicht,
was ihr tut.
Was ihr schreibt.
Mit wem ihr trinkt.
Welche Bücher ihr lest.
Ich weiß nicht einmal,
sind wir überhaupt noch Freunde?

***

Ich verleugne nichts in meinem vergangenen Leben.
Nicht die Tränen, als sie die Schwestern gefesselt abführten in die Dubrovniker Nacht
Nicht die Flamme der Petroliumlampe in Popovaca
Galczynksi hätte gesagt:
Ich würde gern die Flamme unserer Lampe
vor dem Vergessen retten ...")
Vor dem Vergessen retten - vielleicht ist das ja die einzige Aufgabe der Dichtung?
Ich verleugne nicht meinen Glauben an die Brüderlichkeit der Menschen,
so erschüttert in diesem Krieg.
Nicht meine akmeistische Sehnsucht nach der Weltkultur
 

***


Was macht Sarajevo ohne mich?
Na, irgendwie wird es sich drein finden.
Eine Träne wird es vergießen, drei Reden wird es halten.
Aber wir treffen uns noch.
Ich war - ein Dichter.
Wann immer meine Stadt ein zärtliches Wort braucht,
werde ich da sein.
 

Mains

Pendant cinq années entières,
elle a tenu la crosse du fusil :
main du soldat.
Elle a été obligée
de frapper le chien aimé :
main du chasseur.
Toute la vie,
elle a donné des coups :
mains du boxeur.
Toute la vie,
elle a porté le verre aux lèvres :
main de l'ivrogne.
Mais voici pourtant une main heureuse,
celle qui depuis vingt ans te caresse.
Mais voici pourtant une main heureuse !
(1968)
 

From the volume, "Sarajevo's War"


Theory of maintaining distance

The theory of maintaining distance
was discovered by writers of post-scripts,
those who don't want to risk anything.

I myself belong among those
who believe
that on Monday you have to talk about Monday,
because by Tuesday it might be too late.

It's hard, of course,
to write poems in the cellar,
when mortars are exploding above your head.

It's only harder not to write poems.


The war reached us so very unprepared

Today is the tenth day of war
and we still can't really hate.

To Boro Spasojevic,
the architect, friend, human being

Before the war broke out
I promised you
that I would write a poem about Sarajevo.
On the day
when I saw
how you mourned the destroyed city
before the TV cameras,
you wrote my poem for me.

All that remains for me to do
is to put my name after the lines.


Former Yugoslavs
(for Mustafa Cengicnek)

Some of us
former Yugoslavs
are marked for genocide
by a part of the late
Yugoslav People's Army.


The Jewish Cemetary

From the direction of Marindvor
the deadliest fire
comes out of the Jewish Cemetary.
Though he set up his machine-gun behind his grave,
Milosevic's mercenary had no way of knowing
who Isak Samokovlija was,
nor who were flattened by his out-going bullets.
He, simply, for every snuffed-out life,
be it a first-aid Doctor
or by chance a street car driver,
stuffs 100 German Marks into his pocket.


Good-luck, Sarajevo Style

In the Sarajevo
Spring of 1992 everything is possible:
you get into a line
to buy bread
and end up in an emergency ward
among torn-off legs.

And still you can say
that you were lucky.


Work Detail

We cleaned up the trash
from both streets.

But how can be clean it up
from the surrounding hills?


Let me just live through this

That I have lived through all this,
besides my lines of verse,
I can thank ten to fifteen ordinary people.
Saints of Sarajevo,
whom before the war I barely knew.
The State also showed some understanding
about my situation,
but whenever I knocked at its door
it was never home:
gone to Genf,
gone to New York.

After I was wounded

That night I dreamed
that Slobodan Markovic came up to me,
to ask forgivenss for my wounds.

So far that's been the only
act of forgiveness from a Serb.

And that came in a dream,
moreover from a dead poet.


To my former Yugoslav friends

What happened to us in just one night,
my friends?

I don't know what you're doing,
what you're writing,
with whom youÕre drinking,
in which books you've buried yourselves.

I don't even know
if we are still friends.


Non abbiate fretta

Non abbiate fretta di diventare poeti, ragazzi,
prolungate il più a lungo possibile i preliminari.
Essere poeti nella vita, non è lo stesso che in un romanzo.
La poesia non è che una serie di disfatte.

Alla fine forse vi attendono le rose,
ma a lungo, a destra come a sinistra, non conoscerete che le spine.
Non correte verso la gloria, restate giovani più che potete.
Quando non sarà più possibile, il poema nascerà da solo.


Una granata tirata dal Mrkovici

È già da trenta ore
che le granate
piovono su di noi da ogni parte.

Una di queste
ha appena sorvolato
la mia poesia.

È stata tirata dal Mrkovici
dove prima della guerra raccoglievo margherite
con la donna che amo


Cerco una strada per il mio nome

Passeggio per la strada della nostra giovinezza
e cerco una strada per il mio nome.

Le strade ampie, rumorose le lascio ai grandi della storia.
Cosa stavo facendo mentre si faceva la storia?
Semplicemente ti amavo.

Cerco una strada piccola, semplice, quotidiana,
lungo la quale, inosservati dalla gente,
possiamo passeggiare anche dopo la morte.

Non importa se non ha molto verde,
e neanche propri uccelli.

È importante che in essa possano trovare rifugio
Sia l’uomo che il cane in fuga dalla battuta di caccia.

Sarebbe bello che fosse lastricata di pietra,
ma tutto sommato questa non è la cosa più importante.

La cosa più importante è
che nella strada con il mio nome
a nessuno capiti mai una disgrazia.


Se solo

Se solo
i bambini non rompessero le zampe di nessun gatto
Se solo
le pallottole non uccidessero nessun orso nella foresta
Se solo
nessuna betulla venisse abbattuta da un obice
Se solo
tutti i popoli del mondo si riconciliassero
Se solo
ritornassero tutti i moribondi
Se solo
non ci fossero terremoti
Se solo
tutti gli aerei atterrassero senza incidenti
Se solo
mio padre terminasse il suo poema
Se solo
tutti i padri diventassero poeti

Jure Kaštelan

(1919-1990)

Fear and Birds

I turned the world into
silence
and this watching
into shade.
This is the childhood of objects.
The habitat of birds within a dream.
Stay without flight, forgotten ones.
Stay quiet, the disquieted.
Stay, frightened birds.
On branches
dreamed.
Above waters
dreamed.
In my cries.

Parting

Have you come to be grass or a cloud fading.
It's all the same.

And up on the cliffs hawks trail you
and in the waters and among stars.

Eyes cannot be parted,
springs that look to a single sea.
There is no parting.

There is no death.
If I listen in on the wind
I hear your voice.
If I look into death
I hear you singing.


Thieves

The sun stole from me
The ground stole from me
What's left
For me to thieve
sun from the sun
For me to thieve earth
from the earth
From fish and from birds
from shadow and light
to steal myself
back

Die Typhuskranken
(Auszug)

I

Ich zähle die Tritte in dem weißen Schnee. Tod zu Tod.
Tod in meine Tritte.
Tod zu Tod. Tod zu Tod.
Tod in meine Tritte.

Jeder
Tritt
zu seinem
Grab.


Jeder Tritt zu seinem Grab.

Wie Quellen
der Meere
zulaufen.

Jeder Tritt zu seinem Grab.


II

Sollte jemals diesen Pfad beschreiten
ein weiter Himmel, ein Auge voll Freude.
Werden Gezwitscher und Quellen hier sprudeln
Ein frischer morgen den Frühling begrüßen?

Werden die Tritte im Boden bleiben
Und trotzen, da sie von Blut gegossen,
oder wird Schnee in dunkler Stille
verwischen die Worte, Spuren und Wege ?

III

Schneegestöber, Böen, Wehen.
Kein Mensch, nicht mal ein Wolf zu sehen.
-Feuer, Feuer-
es durchschmerzt die Knochen
Sterne, Sterne-
Ein Blick, ein Hoffen.

Finstere Kieferwerden zu abend
Meine Finger und mein Hirn zermalmen...

Schneegestöber, Böen, Wehen.
Kein Mensch, nicht mal ein Wolf zu sehen.
Liebe Leute, Brüder, Menschen...
In der Stille
dumpfe Schritte
ganz ermattet.
Worte hör´ich
Fern im Fieber.

-Freunde...
-Freunde...

Fasse ein kalte Hand.
Gehe
stumm
in der Kolonne.

IV

Die Nacht ist ohne Sprache.
Still ohne Bilder.
Stumm
stimmenlos
spricht in mir
ein Toter.

O Cetina, mein geliebtes Land
Weit und reich, dem Wandrer wohlbekannt

Die Nacht ist ohne Sprache.
Wie ein Mutter
faltet sie
die Hände
über meinem Schlaf
über ihrem Sohn
und ihr schwarzes
schwarzes
Haar
sprießt
auf meiner Stirn
als Traum.
Die Nacht ist ohne Sprache.
Hinter dem Berg
Schmiedet
der Tod seine Messer
und ein Gruben-Balg
bläht seine Nüstern:
Feuerbrünste
und Galgen
bläst er.

O Cetina, mein geliebtes Land
Die Nacht ist ohne Sprache.
Ohne Morgen
und ohne Flügel
hat mir noch
ein letztes Wort
einen letzten Gruß
der Tod gelassen

Jovan Dučić

(1872-1943)


Jovan Ducic grew up in Trebinje and Mostar. He started his diplomatic post in 1907 and the rest of his life lived in Constantinopol, Sofia, Rome, Atena, Madrid, Cairo, Bucurest... He died in USA on April 7, 1943. During his life away from home he longed for his homeland, and colored his poetry with this longness. In 2000, his earthly remains were--as per the poet's wish--transported to Trebinje.


Ragusanisches Madrigal

Heut Abend, Verehrte, beim Knez auf dem Ball,
Wird wieder ein schwungvoller Walzer gespielt.
Wir tanzen vergnügten Gesichts durch den Saal,
Als hätten wir nie etwas and´res gefühlt.

Die mun´tre Quadrille vereint uns im Tanze
Und Musik spielt auf wie ein tosender Sturm.
Die Damen gekleidet in seidenem Glanze,
Die Herren geschmackvoll in schwarzem Velours.

Dann plaudert der Adel so ganz nebenhin:
Die Jungen von Helden, der Kunst und vom Wein,
Die Alten vom Jenseits und von Augustin,
Der Mystik, Scholastik, der Welt und dem Sein.

Wir werden inzwischen am Saalende sitzen,
Auf weichen Fauteuils zu den Lehrsätzen schweigen,
Ich werde dann rasch und zu unser´m Ergötzen
Mit einem Sonett Ihren Fächer beschreiben.

Die Seele

Warum weinst du, Teure, jeden Tag, jede Nacht:
Dein verlorenes Glück ist noch immer dein Glück!
Das Leiden der Seele ist von Ganzen ein Stück,
Das die Erinnerung dir bisweilen entfacht.

Vergieß keine Tränen, dann nichts ist mißlungen:
Das Glück endet niemals, selbst wenn es vergangen.
Das Echo, das kaum in der Ferne mit Bangen
Du hörst, ist das Lied, das tief in dir erklungen-

Wenn in einsamer Nacht wehmütig rauschen
Der Wald voller Schatten, der Fluß voller Sterne...
Dann bleibt dem Begreifen ihr Lied immer ferne,
Die Seelen nur ahnen, verstehen und lauschen...


Meine Poesie

Wie der Schaten so kühl und der Marmor so still,
Wie ein Mädchen bist du, ein versonnenes Kind.
Laß der anderen Lied eine Frau sein, die schrill
Ihre Weisen auf schmutzigen Dorfstraßen singt.

Er schmückt dich kein Kranz, kein Band von Korallen,
Ich will dir ins Harr eine Rose nur weben:
Zu schön sei, um jedem Mann zu gefallen,
Zu stolz sei, um stets nur für and´re zu leben.

Zu traurig sei in deinen eigenen Schmerzen,
Ja trösten zu wollwn die leidenen Herzen,
Zu sittsam, vor großen Massen zu stehen.

Bleib immer besonnen, wen um deine Gestalt
Anstatt eines Kleides, das wunderschön wallt,
Geheimnisvoll nur Nebelschleier wehen.

Pappeln

Wie rauschen heut nacht so die Pappelbäume!
Sie rascheln so wild und sie rauschen so eigen!
Der Mond wird sich bald vor den Hügeln verneigen,
Ein schwärzliches Ahnen; auch schwere Träume.

Fallen in dieser Nacht auf bleigraue Wogen,
Auf Stille Gewässer, in tödliche Grüfte.
Die Pappeln nur ragen hinauf in die Lüfte,
Und rauschen so seltsam, zittern hoch oben.

Allein in der Nacht steht am ruhigen, glatten
Gewässer der letzte der Schöpfung. Am Grunde
Mein Bild, es erfaßt mich in dieser Stunde
Die Angst vor mir selbst und vor meinem Schatten.
 

The Return

She’ll return once more when the foliage is shed,
And the shores pervaded by the cold winds’ moan.
As if to remind us of the days long dead,
Pale and clad in sables, she’ll make herself known.

Her dignified step will, so quiet and sad,
Attune to the murmuring waters of the fall.
But a shadow darkening her marble forehead,
Its meaning and origin will baffle us all.

On approaching us then, as the spirit of fall,
She’ll imbue the gardens bleak, nature dismal
And us with an anxiousness of some quiet gloom.

And with her gentle hand she’ll release a stream
Of dark sounds from the old piano; all will deem
The Night sprinkling her dust about the drawing room.

Poetry

With stillness of marble and coolness of shade,
Your pale, quiet maidenhood on fantasy feeds.
Let poems of others be women who degrade
Themselves by singing outside in the dirty streets.

Trinkets and ribbons I never use on you,
But plant yellow roses into your long hair.
May your grace be relished by the favoured few,
And pride bid you only for yourself to care.

May your own suffering cause you too much grief
Ever to soothe others in need of relief,
And virtue prevent you from leading reckless crowds.

And remain indifferent as around your body,
Instead of garments luxurious and gaudy,
There floats but a wisp of mysterious clouds.
 

Laza Kostić

(1841-1909)

Santa Maria della Salute


Forgive me, O Holly Mother, I pray
For mourning our mountains, stripped of pine,
Those woods that became, despite our dark day,
Part of Your Mansion, a Holy Shrine,
And, Source of Mercy, forgive, as you may,
This, my earthly sin, this guilt of mine.
Repentant, I kiss the hem of your dress,
O, Maria della Salute, Blessed.

Is it not better to bear Beauty’s weight,
Hold up your arches, solid as rock,
Than to feed the hearths of the world’s hot hate,
Burning to ash the heart and its bark,
Than to sink like a ship, rot at a gate,
Like the devil’s own fir tree or oak?
So much lovelier the eternal rest
O Maria della Salute, Blessed.

Forgive me, O Mother, I’ve borne such hurt,
Much sin I’ve repented and renounced.
All my young heart had dreamed is but naught,
Ripped up by the walking world, denounced.
All that I yearned for, all hope my youth bought,
Crumbled to ashes, dusty accounts,
All in fulfillment of some malign jest,
O, Maria della Salute, Blessed!

Poisons, corruptions have hurt me within,
Yet I’ll injure no man with my curse.
Whate’er I’ve suffered, from lash or snake’s sting,
I’ll have no man bear the blame or worse.
The power that broke this spirit’s bright wing,
Choking its breath as it flew on course,
Sprang from this mad head, this mind of unrest,
O, Maria della Salute, Blessed.

Then my secret nymph stood there at my side.
Oh, such a sight had my eyes ne’er seen!
From the black darkness, a poem in her pride,
Broke dawn’s glory in a dazzling sheen,
Healed in an instant all my wounds beside,
Yet left deeper wound, sharper pain.
Now how could I bear this joy in my breast,
Dear, Maria della Salute, so Blessed?

She looked on my face, and none has yet seen
Such a shine that sparkled from her eyes.
On a frozen landscape the light of that mien
Could warm mountain tops, melt snow and ice.
Now my heart’s every wish was there to glean
Sorrows and sweetness, gall and fresh spice,
Hunger and thirst and the wants of my breast
Eternity be yours for this bequest,
O Maria della Salute, O Blessed!

Was all of this splendor for such as me?
This prize like a miracle mine?
All these golden fruits, now ripe on the tree,
Indeed all for me, in life’s decline?
O rarest fruit, you, so sweet to see,
Why were you not ripe at the harvest time?
Forgive me, for I’m a sinner confessed,
You, Maria della Salute, Blessed.
Two forces struggled for mastery in me,
Mine against heart, against flesh’s yoke,
How long did they fight in this awful way,
Like the tempest against the old oak?
Finally passion grew weak in the fray,
And the grooved brain made its last attack.
You’re the hinge of the mind; you hold it fast,
You, Maria della Salute, Blessed
My mind consticed, compressed my own heart;
I fled its pleasures, mad in my flight.
Oh, how I fled, so hurt at the start.
Cold rose round my sun and quenchead its light.
Stars darkened, and tears burst from heaven’s part;
‘Twas the world’s end, Judgment’s awful night,
The crack of doom, the world’s trial at the last,
O, Maria della Salute, Blessed.

All broken hearted, my mind scored with fears,
I hold her memory a holy shirine.
Now in later years, whene’er she appears,
It’s as thought God’s face were here, Divine.
Within me the ice of agony thaws;
Throuth her I see; all knowledge is mine.
Why are our wise minds perplexed and distressed,
O Maria della Salute, Blessed?

In sleep she comes, all silent, refusing
The loud rabble-cry of my desire.
When she will speak, the time of her choosing.
At her command she holds strange power,
And all around her, in clouds suffusing,
A heavenly pattern of charming hours.
And my path to her is thus paved and pressed
By Maria della salute, Blessed.

We hold one another as man and wife,
Without unhappiness, without care,
Halcyon days, wich no fever of life,
Our passions cooled by heavenly air.
She’s older now, and there is no strife;
The past is as mute as unsaid prayers.
For here my own age is blessed by the best,
By Maria della Salute, Blessed.

For us our children are poems I have made,
Timeless traces of our elation,
A written text, neither sung, nor e ’en said,
Only the soul’s ray’s penetration.
Only two known where the secret is laid,
Rare is heavenly revelation.
It’s what rapturous prophets have expressed,
O Maria della Salute, Blessed.

When the time of my doom comes round at last,
When I break my head ‘gainst life’s jagged stone,
My dream will be born with Death’s rattling brass;
Then I’ll hear ringing cry, "Come home!"
From nothingness into glorious grace,
From limbo to the Heaven’s fult bloom,
To heaven and into her arms so warm.
Then that yearning will rise within my breast,
And my heart-strings will quiver without rest,
And the moving stars in the skies above,
Both the men there and gods will gaze aghast,
We’ll alter the path on wich the stars move;
We’ll melt in our warming sun all the frost,
Till the dawn’s red glow lightens every cove,
And all the ghosts are by love obsessed,
Dear Maria della Salute, Blessed!

Santa Maria della Salute

Pardonne-moi, mère sainte, pardonned`
avoir pleuré les pins de nos futaies
sur lesquels fut exhaussé à toi Madone,
tel antidôte de tout fléau, ce palais.
Oublie, ô reine céleste, source de pitié,
ce que 1`être terrestre t`avait péché.
Repenti, je baise tes pans immaculés !
Santa Maria della Salute.

N' est-il pas plus beau de porter ta beauté,
de devenir de tes voûtes la colonne frêle
plutôt qu'en réchauffant le péché universel
de reduire en cendre la chair et le coeur?
Au lieu de pourrir en haie, de s'enfoncer au gué
de vouer au Satan les sapins et les chênes,
n'est-il pas mieux de vivre en toi l'éternité?
Santa Maria della Salute.

Pardonne-moi, mère, j'ai beaucoup souffert,
ayant expoé beaucoup de mes péchés.
Tout ce que fut le rêve de mon jeune coeur
tout fut écrasé par l'assaut de la réalité.
Tout ce que j'espérais, tous mes ardeurs
ne sont que la poudre du temps passé
au plaisir vif de la vile méchanceté
Santa Maria della Salute.

Un poison insidieux longtemps me pourrissait.
Pourtant je n'en veux personne maudire.
Que nul de par le monde ne soit empesté
pour toutes ces peines ques j'ai dues subir!
Car ce qui naguère rongeait mon âme ailée
en plein essor l'animait de délires.
Tout ceci vient de cette tête insensée
Santa Maria della Salute.


Alors j'ai vu resplendir ma fée;
jamais une plus belle n'a été.
Tel chant des rossignol à l'aube rosée,
au sortir des ténèbres, Elle m'apparut.
En tournemain, Elle me guérrit toute plaie,
Mais s'en rouvrit une autre plus aiguë.
Que fairai-je de supplice! Que de félicité!
Santa Maria della Salute.

Elle me regarda. Jamais l'esprite conscient
par de tel regard ne fut illuminé
D'un seul éclair de cet oeil étincelant
Elle eût fondu tout l'univers glacé.
Elle accorde tout à mes désirs ardents:
la douleur puis la douceur, le fiel et le miel.
toute son âme et ses souhaits languissants.
Pour toi, bel instant, je donne l'éternité.
Santa Maria della Salute.

Est-ce à moi pauvre toute cette beauté?
Est-ce à moi tout ce trésor abdonant?
Est-ce à moi touchant au fond et vieux
ce fruit doré ne mûrissant qu'a présent?
O fruit de Thantale, ô fruit délicieux,
pourquoi n'as-tu pas mûri auparavant?
Pardonne mes égarements et mes péchés,
Santa Maria della Salute.

Deux forces intimes s'engagèrent au combat:
le sens et la douceur, le coeur et l'esprit.
Longtemps cette lutte violente durait en moi,
comme celle d' ouragan et du chêne touffu.
Enfin l'élan des forces chères s'appaisa.
Le cerveau sinueux imposa son dessus.
- Cause et contrainte de la raison butée
Santa Maria della Salute.

La raison me serra, je fis taire mon coeur.
Prudent – je fuis le bonheur, comme affolé.
En la quittant, Elle mourrut de douleur,
d'où le soleil en deuil, le froid éternal,
les astres éclipsées, le ciel en pleurs,
la Fin du monde et le Jugement universel.
O Fin du monde, ô Jugement dernier!
Santa Maria della Salute.

Au coeur brisé, à la tête en désarroi
ce temple saint est d'Elle la mémoire.
Lorsqu'Elle m'apparut de l'au-delà
comme si le Dieu même se faisait voir.
Le chargin de mon âme s'en régala.
A travers Elle je vois et peux savoir
pourquoi les têtes des vieux sont troublées
Santa Maria della Salute.

Elle me vint en songe. Non quand l'essaim,
de mes désirs afflués l' appelèrent.
Elle me vint à l'heure qui lui plaît,
ayant pour compagnes les force de Mystère,
des phénomènes neufs toujours entourée.
Sous l'aspect du ciel les délices de la terre
m' ouvrent ainsi vers Elle les sentiers
Santa Maria della Salute.

Nous sommes en tout comme mari et femme,
tout travail et tous les soucis exceptés;
tous nos délices ne consume aucune flamme,
la passion s'adoucissant en félicité.
Elle est devenue plus âgée que moi-même
dans l' au-delà. Je lui serai rajeuni et frais
Là où toute dissonance des temps se taît,
Santa Maria della Salute.

Et mes poèmes – ce sont nos enfants,
de nos recontres les traces éternelles
que ne sauront dire ni les mots ni les chants.
A les comprendre nous deux sommes les seuls.
Ces rayons à peine transperçant notre âme
sont des nouveaux-nés chers même au ciel
Que seuls les mages presenttent, exasiés
Santa Maria della Salute.

Et lors vient l'heure d' éclater ma tête
contre l'ultime écueil de cette vie,
le plus beau rêve sera une veille concrète,
mon dernier soupir – son „Me voici!"
Du néqnt j'irai vers la gloire au faîte,
du monde sans Elle au paradis, au paradis;
Au paradis, au paradis, dans son étreinte.
Tous mes désires y seront réveillés,
Les cordes de l'âme se mettront à chanter,
Les sphères célestes en seront enchantées,
Les humains émerveilleux, sinon les dieux.
Nous remuerons bien la Voie lactée,
ensoleillant les froids de l'univers entier.
Que tous les coins de l'aurore soient embrasée
que les démons en viennent à exulter,
Santa Maria della Salute.
 

Serbka

Serbką prawą moja miła,
z serbskim animuszem,
Kibić smukłą ma jak wiła
Serbskie ciało, duszę.

Serbski uśmiech jej jak z bajki,
Serbski gniew płonący,
Serbska miłość, serbski całus
i uścisk gorący.

Serbskie miłej mej wejrzenie,
westchnienie i mowa,
w rytm jej serca pieśni ludu
Składają swe słowa.


Między jawą albo snem

Serce moje, niepokorne,
Skądeś tutaj wzięło się?
Tkaczko senna, co niezmiennie
cienką przędzę pleciesz we mnie
między jawą albo snem

Serce moje, ach szalone
czemu przędzą bawisz się?
Jak gdy dawna tkaczka snuła
nici w dzień, a nocą pruła
między jawą albo snem.

Serce moje, nieużyte,
przeklinam ja twoją grę!
Zanim życie moje minie
nie rozeznam się w tkaninie
między jawą albo snem.



Santa Maria della Salute

Zapomnij, Matko, o mej małości,
gdym żalem żegnał jodłowy bór,
z którego przeciw wszelakiej złości,
Błogosławionej wznoszą Ci dwór;
pogardź, Niebianko, źródło miłości,
czym ziemski Ciebie obraził stwór,
Całuję szatę Twą za pokutę
Santa Maria della Salute.

Czyż nie jest piękniej w pięknie trwać lata
wspierając Twoich ołtarzy zrąb,
niżeli grzejąc mizerię świata
w płomieniu rdzenia spopielić krąg ,
popróchnieć w płotach, potonąć w statkach,
gdzie złego łupem jodła i dąb?
W piękno się wetrwać, w Ciebie przekute
Santa Maria della Salute.

Przebacz mi, Matko, cierpiałem wiele,
za grzechy-m płakał nie jeden raz;
Wszystko co serce marzyło śmiele,
wszystko to jawy zgruchotał głaz:
tęsknoty moje, nadzieje szczere,
wszystko to w popiół obrócił czas
radując dusze zawiścią strute
Santa Maria della Salute.

Zatruty jestem, zgnile, obrzydło,
lecz na nikogo nie rzucam klątw;
za mojej męki dławiące sidło
nikogo niechaj nie spotka sąd,
bo to co duszy złamało skrzydło,
co jej w zarodku zdusiło lot,
wszystko z mej głupiej głowy wysnute
Santa Maria della Salute.

Ujrzałem muzę moją i pannę,
piękniejszej nigdy nie dotknął wzrok;
nadeszła niczym zorze poranne,
jak one z triumfem rozproszyć mrok;
i wszelką we mnie zamknęła ranę
lecz sroższą raną otwarł się bok:
co począć w męce szczęsnej i lutej
Santa Maria della Salute.


Spojrzała na mnie. W duszę bolesną
nikt jeszcze takich nie wświecił ócz,
tym co ze wzroku owego skrzesło
wszelakich lęków stopiła lód;
ofiarowując spełnienie tęsknot,
boleść i rozkosz, gorycz i miód,
całą swą duszę, ciało przecudne
- wieczność zwęźloną w jedną sekundę -
Santa Maria della Salute.


Dla mnie, nędzarza, taka uroda?
Dla mnie aż taki bezmierny skarb?
Dla mnie, starego, na kraj żywota,
dojrzewającej słodyczy dar?
Ach. Tantalowa brzoskwinio złota,
gdybym cię prędzej, prędzej był znał.
Przebacz niewczesny i grzeszny smutek
Santa Maria della Salute.

Dwie we mnie walczyć poczęły siły
rozum i rozkosz, serce i mózg
w zmaganiach długich tak się skłębiły
jak nawałnica i stary buk;
klęska pisana jest siłom miłym
już mózg pokrętny zapał ich zmógł:
mądrość mi moja przyniosła zgubę
Santa Maria della Salute.


Zgnębiłem serce, rozum zwyciężył,
tak mądrze-m, głupiec, stłumił nasz głód,
uciekłem od niej - nie mogła przeżyć.
Sczerniało słońce, wieczny spadł chłód,
pogasły gwiazdy, raj w płacz uderzył,
to koniec świata, rękę wzniósł Bóg,
strasznego sądu Kosmos padł łupem
Santa Maria della Salute.

Serce rozdarte, myśli rozbiegłe,
lecz pamięć o niej za świętość mam,
a gdy się do mnie stamtąd odezwie,
to jakby Pan Bóg przemówił sam:
topnieją lody bólu obmierzłe,
przez nią dziś światy widzę i znam
mizerną wiedzą mędrków popsute
Santa Maria della Salute.

Przychodzi we śnie. Nie gdy ją wzywa
splątanych pragnień kipiący rój,
lecz kiedy zechce, w chwilach szczęśliwych,
tajemnych potęg przywodzi dwór.
Nowe widzenia zawsze przyzywa,
ziemskiego szczęścia niebiański krój
I przyjściem swoim koi mój smutek
Santa Maria della Salute.

Jesteśmy sobie mężem i żoną,
zniknęły tylko troska i trud,
ogniem nam tylko zmysły nie płoną,
w pieszczotach naszych rajski jest chłód;
Starości dusze nasze nie pomną
w świecie, co młodość z wiecznością splótł,
gdzie czas się wszelki zmienił w ułudę
Santa Maria della Salute.

Naszymi dziećmi pieśni są moje,
tych spotkań cichych wieczysty ślad;
i nie zapiszę ich, nie ułowię,
to tylko w duszy ognisty znak.
To rozumiemy tylko my dwoje,
rajskie potomstwo, bycie i brak,
jak tajemniczą proroctwa nutę
Santa Maria della Salute.

A gdy mi przyjdzie uderzyć głową
o tego życia skalisty kres,
sen najpiękniejszy stanie się jawą,
mój jęk agonii - jej: "Otom jest!"
Z nicości wchodzę w sławę nad sławą
i z bezniejności raj dla mnie wskrzesł!
Jej objęć raj, mój rajski kraj!
W dusz naszych struny wcielim ułudę
i każdą na nich zagramy nutę,
światami wstrząśniem, co w koła skute,
potęgą bogów, pokornym ludem,
gwiazdy orbity zgubią, rozsnute,
słońca - lun chłodem znikną, posute
i wszędy zorze zaświecą rude
nad duchów szałem, rozkoszy cudem
Santa Maria della Salute.

 

Meša Selimović

(1910-1982)

In seiner Geburtsstadt Tuzla besuchte er das Gymnasium und schrieb sich 1930 an der Philosophischen Fakultät der Universität Belgrad ein. Seinen Abschluss machte er dort 1934 und arbeitete bis 1941 an Schulen in Tuzla. Dort erlebte er auch die ersten zwei Jahre des 2. Weltkriegs.
Im Mai 1943 floh er in befreites Gebiet und schloss sich dort den Partisanen an.
Ab 1947 lebte Selimović in Sarajevo und arbeitete dort als Professor an der Pädagogischen Fakultät, künstlerischer Leiter von Bosna-Film, Direktor des Nationaltheaters und Redakteur bei dem Verlag Svjetlost.
Selimović wurde mehrfach für den Nobelpreis vorgeschlagen, erhielt ihn jedoch nie.


Der Derwisch und der Tod

"Und wir, wir sind wie Wiesen, stehen immer auf einer Scheidelinie, sind immer Zankapfel. Ist es da ein Wunder, daß wir arm sind? Jahrhundertelang suchen wir uns und wollen wir unser selbst bewußt werden, doch bald werden wir gar nicht, wir vergessen schon, daß wir überhaupt etwas wollen, andere erweisen uns die Ehre, uns unter ihre Fahne ziehen zu lassen, weil wir keine eigene haben, sie locken uns heran, wenn wir gebraucht werden, und schicken uns fort, wenn wir unsere Schuldigkeit getan haben, was traurigste Vilajet auf der Welt, die unglücklichsten Menschen auf der Welt, wir verlieren unsere eigenes Gesicht und können ein fremdes nicht annehmen, entwurzelt, aber nirgendwo wieder eingepflanzt, sind Fremde für jedermann, sowohl für die, mit denn wir verwandt sind, als auch für die, die uns als Verwandte nicht aufnehmen wollen.
Wir leben in der Grenzmark der Welten, auf der Grenzlinie der Völker, in Schlagweite eines jeden und Sündenbock für jeden.
An uns brechen sie die Wellen der Geschichte wie an einer Klippe. Der eigenen Kraft sind wir überdrüssig, und aus der Unfreiheit haben wir eine Tugend gemacht: wir sind edelmütig aus Trotz geworden."

"Klug sie doch die Menschen hier…Sie übernehmen das Nichtstun vom Orient und das angenehme Leben vom Westen; nirgendwohin haben sie es eilig, weil das Leben selbst es eilig hat; es drängt sie nicht, zu erfahren, was nach dem morgigen Tag kommen wird-es kommt, was ihnen bestimmt ist, und das hängt kaum von ihnen ab-; zusammengehörig fühlen sie sich nur in der Not, und darum haben sie nicht gern, oft zusammen zu sein; einem Fremden glauben sie nicht so leicht, und am ehesten lassen sie sich mit einen schönen Wort betrügen; sie sehen nicht aus wie Helden, doch am schwersten ist es, sie mit Drohung einzuschüchtern; lange Zeit kann sie nichts aus der Ruhe bringen, es ist ihnen ganz gleich, was um sie herum geschieht, und dann, mit einem Male meinen sie, daß alles sie angehe, alles kehren sie dann um, stellen es auf dem Kopf, und schließlich werden sie von neuem schläfrig, wollen sie an nichts Geschehenes erinnern; sie fürchten sich vor Veränderungen, den sie haben ihnen oft schon Böses gebracht, und leicht wird ihnen ein Mensch lästig, mag er ihnen auch Gutes getan haben. Ein seltsames Volk, sie ziehen über dich her und lieben dich, sie küssen dich auf die Wange und hassen dich, sie machen sich über edle Taten lustig
Und erinnern sich über viele Generationen hin, ihr Leben schwankt zwischen Trotz und dem Drang, Gutes zu tun weiß nur nicht, was wann überwiegt. Böse, gut, sanft, roh, träge, stürmisch, offen, verschlossen, alles das sind sie und alles, was dazwischenliegt. Über allem aber: Sie gehören zu mir und ich zu ihnen wie Fluß und Tropfen, und alles, was ich da sage, es ist, als sagte ich´s über mich."

"Was wird sie also? Narren? Unglückliche? Die kompliziertesten Menschen der Welt. Mit niemand sonst hat die Geschichte so ihren Scherz getrieben wie mit uns. Bis gestern waren wir das, was wir heute vergessen wollen. Aber wir sind auch nicht etwas anderes geworden. Wir sind auf halben Wege stehengeblieben, hilflos, staunend. Nirgendwo können wir noch hin. Los gerissen sind wir, aber nicht woanders aufgenommen. Wie ein Flussarm, den eine Sandbank vom Fluss, selbst, von der Mutter getrennt hat, so dass er ohne Zufluss und ohne Mündung ist, zu klein, und ein See zu werden, zu groß, als dass ihn die Erde aufsaugte. Mit einem unklaren Gefühl der Scham wegen unserer Herkunft und Schuld wegen unserer Abtrünnigkeit wollen wir nicht zurückschauen und haben doch auch nichts, worauf wir den vorausschauenden Blick richten können; deshalb versuchen wir die Zeit anzuhalten – aus Angst vor irgendeiner Entscheidung. Verachtet werden wir von unseren Brüdern wie von denen, die später gekommen sind, wir aber wehren uns durch Stolz und Hass. Wir wollen uns bewahren, und so haben wir uns verloren – wir wissen nicht mehr, wer wir sind. Unglücklicherweise haben wir unsere Starre liebgewonnen und wollen nicht aus ihr heraus. Für alles aber muss man zahlen, auch für diese Liebe. Sind wir denn zufällig so übertrieben weich und weich und übertrieben hart, rührselig und eiskalt, fröhlich und traurig, immer bereit, jedermann zu überraschen, auch uns selbst? Ist es Zufall, dass wir Schutz hinter der Liebe suchen, der einzigen Gewissheit in dieser Unbestimmtheit?... "

 Death and the Dervish

We are no one's, always at a boundary, always someone’s dowry. Is it a wonder then that we are poor? For centuries now we have been seeking our true selves, yet soon we will not know who we are, we will forget that we ever wanted anything; others do us the honour of calling us under their banner for we have none, they lure us when we are needed and discard us when we have outserved the purpose they gave us. We remain the saddest little district of the world, the most miserable people of the world, losing our own persona and nor being able to take on anyone else's, torn away and not accepted, alien to all and everyone, including those with whom we are most closely related, but who will not recognise us as their kin. We live on a divide between worlds, at the border between nations, always at a fault to someone and first to be struck. Waves of history strike us as a sea cliff. Crude force has worn us out and we made a virtue out of a necessity: we grew smart out of spite.
So what are we? Fools? Miserable wretches? The most complex people in the world. No one is such a joke of history as we are. Only yesterday we were something that we now wish to forget, yet we have become nothing else. We stopped half way through, flabbergasted. There is no place we can go to any more. We are torn off, but not accepted. As a dead-end branch that streamed away from mother river has neither flow, nor confluence it can rejoin, we are too small to be a lake, too big to be sapped by the earth. With an unclear feeling of shame about our ancestry and guilt about our renegade status, we do not want to look into the past, but there is no future to look into; we therefore try to stop the time, terrified with the prospect of whatever solution might come about. Both our brethren and the newcomers despise us, and we defend ourselves with our pride and our hatred. We wanted to preserve ourselves, and that is exactly how we lost the knowledge of our identity. The greatest misery is that we grew fond of this dead end we are mired in and do not want to abandon it. But everything has a price and so does our love for what we are stuck with.

***

These are smart people;
They receive a mess from the east, and a good life from the west;
They never rush because only life rushes;
They are not interested in what awaits after tomorrow;
What is meant to be will come, and little of what comes depends on them;
When they are together they are in trouble, for this they do not like to be together often;
They rarely trust anyone, but it’s easiest to fool them with nice words;
They do not resemble heroes, but they are easily scared with threats;
They pay attention to nothing, they care not of what happens around them;
And than out of no where everything interests them, they flip everything and turn away their heads;
Than they become sleepers again and do not like to remember what came to pass;
They are scared of change because it often brings evil;
They are easily fed up with a man, even if he does them good;
Strange people;
They talk about you but love you, kiss you on the cheek but hate you;
Laugh at noble deeds but remember them;
Many times through life they live in spite and goodness;
And don’t know which is stronger when;
Evil, good, gentle, raw, unable to move, stormy, open, hidden;
They are all this and everything in between;
And most importantly they are mine, and I am theirs;
And everything I’m saying;
I’m saying about myself.
 

Miloš Crnjanski

(1893-1977)

war Dichter, Erzähler, Reisebeschreiber und Bühnendichter.
Er studierte Kunstgeschichte an der Universität Wien und erwarb ein Diplom an der Philosophischen Fakultät Belgrad. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er in einer Uniform der österreichisch-ungarischen Monarchie im Range eines Reserveoffiziers nach Belgrad zurück. Dort arbeitete er an einem Gymnasium, als Professor und Journalist. Seit 1928 war er in diplomatischen Diensten. Im Zweiten Weltkrieg emigrierte er nach England. Dort blieb er bis 1965. In jenem Jahr kehrte er nach Belgrad zurück, wo er 1977 verstarb.


Sumatra

Tak nam lekko, rzewnie, myśl beztrosko nastrojona.
Wyobraźmy wiec sobie ciche, ośnieżone
szczyty dalekiego Uralu.
Jeśli zasmuci nas cień jaki blady
człowieka, co nam kiedyś z oczu zginął,
będziemy wiedzieć, że gdzieś jakiś potok
miast niego rumiano popłynął.
Przygodna miłość, ranek, na obczyźnie,
duszę nam wplata bardzo wcześnie
w spokój bezkresny mórz błękitnych.
Czerwienieją w nich paciorki korali
niby w kraju czereśnie.
Budzimy się w nocy, uśmiechamy miło
do księżyca z napiętą cięciwą,
pieścimy szczyty dalekich masywów
i góry lodowe ręką miłościwą.


Under the hooves of a reindeer, it crumbles:
resembling snow, white snow made of
petals. Of an almond bud; over the warm,
wetty perspiring
buttocks. The jingle bells, they twinkle. Sad-face
Pierrot, sitting in the sleigh. He blows into a tiny mirror. Mother:
holding a lady's hat, with her hand:
on the top of her head; she plays hopscotch.
Miles away:
they are lit and they slide. Along the soft moonlight,
empty streetcars,
in the cave's silence. Somewhere in the depths:
subterranean waters,
glisten. The earth trembles. Grey wind,
in the folds of the fishnet sky. It wiggles,
through its thick woven threads,
v they fly over. The tumblers. Over the wood, over the tree-tops
turned grey by ice,
they cry in quiet. Clouds stranded. Darkness of the Polar night,
shimmering.

Sumatra

Now we are carefree, light and tender.
We just think: how quiet are the snowy
peaks of the Urals.
If a pale figure makes us sad,
the one we lost to an evening,
we also know that somewhere, instead of it a rivulet
flows and is all red.
Each love, each morning in a foreign land
envelops our soul closer by its hand
in an endless tranquility of blue seas,
in which red corals glitter
like the cherries of my homeland.
We wake at night and sweetly smile
at the Moon with its bent bow
and we caress those distant hills
and the icy mountains with our tender hand.

Departure

We parted
and descended from the city
like two tears dropping parallely down
a wrinkled face.
Two boats awaited on water
and yours was the first to leave.
Mine was touring the islands.
I sat bent and sombre
empty
as moon's shadow.
 

Traveller

I walk freely,
as no one took that sad ability
to love away from me.
I spread my arms, not in dawn-breaks
but into the night and the sea.
Sad and excruciating realities I'll enter -
no matter where I'd end - with a smile.
When I love, even the sins crown
my head happily bent with heavens.
My melancholy smile lets the dream
pass by, go, and die.
Love is an interminating path
which permits all things to follow it.
I pity neither you nor myself;
I am smiling from the distance,
in my eyes only fatigue flickers
and all that I request from you
is a moment or two, of
silence, just silence.

Prayer, with the Morning star, In Finis, Ad Infinitum

Good morning: morning, comedy, all over the world,
my smile
in my sad, eye. What is there to meet, glorious morning:
beatuful, world, amidst racket and
fury. I am alone, abroad and
forever mortal:
perfectly-impure. Like that petal of
an almond bud:
light. Really: a ray in flight. A melancholy day, sweet are
the dreams: and the world?
Is it icy? It is not over. I am alone,
abroad,
but never polite. Fine- to no one: in finis,
ad infinitum.


Das Leben

Das alles hängt nicht ab von mir
Ich denke oft daran: Wie schön war doch der Tag
Über tiefen Wassern,
weit wie der Mond
mit dem dünnen und weichen Bogen,
eine Brücke. Siehst du, das
hat mich getröstet.
Das hängt nicht ab von mir.

Es ist genug, daß ich riechen kann
An diesem Tag die umgeackerte Erde,
daß die Wolken fliegen
etwas niedriger,
um mich zu erschüttern.

Es ist genug, wenn im Winter
Auf einem verschneiten Garten
Ein fremdes Kind
herausgelaufen kommt
und einen umarmt.

Stražilovo

Jung noch irr ich umher und lock aus dem Hinterhalt
mit silbernem Bogen der blühenden Kirschbäume Gaben,
doch hinter den Bergen ahn ich die Heimat bald,
dort unter den Pappeln
werd ich das Lachen begraben.

Kalt ist auch hier im Frühling der Abendhauch,
als flösse die Donau im Tal versteckt,
wo aber die Wolken sich senken und
fallen bis auf des Arno Grund
flackert hart empor das grüne Gefunkel,
seh ich, dass über den Horizont sich eine Brücke erstreckt
in der Fruška Gora unheimlichem Dunkel.

Statt mich zu neigen vor dem toskanischen Mond,
der einer Lilie gleich glänzend im Fluss zerrinnt,
weiß ich, in diesem Frühling erkranke ich,
und ich seh eine schlanke Gestalt, die sich
traurig und treu mit ihrem Schatten in schnellem Lauf
ins Wasser stürzt, das zu klingen beginnt
hoch in den klaren Himmel hinauf.

Ich ahne, dass sich die Seele bald trüben wird,
und ich lebe verwirrt
und im ungewissen
an diesen taubenhaft grauen Flüssen.

Diesen krummen Schatten habe ich lang
mit mir geführt und hätt ich gewollt,
so hätte ich kennen gelernt auf diesem Hang
die Nacht, das Gelage, den Wein und die Quelle,
die jetzt murmelt an unserer Stelle.

Und so traure ich nicht,
Krankheit trübt meiner Augen Licht,
und so, frei von der Unkeuschheit Not,
färbt mir bittere Fäulnis die Lippen rot.

Jung noch irr ich umher und lock aus dem Hinterhalt
mit silbernem Bogen der blühenden Kirschbäume Gaben.
Doch hinter den Bergen ahn ich die Heimat bald,
dort unter den Pappeln
wird ich das Lachen begraben.

Längst schon weiß ich, bald ist alles zerronnen,
was ich auf den Bergen aus Wasser und Wolken gebaut,
ist dahin.
Mit der Jugend hat die Trauer begonnen,
dass mich die Liebe verzehrt und dass ich so dünn
wie ein flüchtiger Lufthauch geworden bin.

Im blutroten Morgenlicht goss mir blind
eine fremde erschöpfte Hand
bleiche Dämm’rung ins Haar,
dass meine wilde frische Lebendigkeit,
die in der kranken Brust mir entschlummert war,
sich mit lautem Schrei über die Kirschbäume wirft,
die mir in der Heimat geblieben sind.

Statt wie früher mit grünem Blick
den Fluss entlang zu fahren und wie der Mond
sich hinter die Berge zurück
zu ziehen, dort, wo die Wälder sich rötlich färben,
bleib ich in Schnee und Eis jetzt stehen
und lächle besänftigt
über alles Geschehen.

Und so, ungebunden,
hüllt mich dennoch ein schmerzhaft vertrauter Schauder ein,
und so, zuhause, allein,
wird mir mein Schicksal dennoch gewogen sein.

Nein, vor meiner Geburt hab ich keine Trauer gekannt.
Von fremder Hand ward sie mir übergestülpt,
langsam werd ich von tiefem Schmerz übermannt,
und ich senke den Kopf, wenn das Laub vergilbt.

Und so, ohne Schmerz und doch voller Leiden
kehr ich zurück zu den Obstbäumen auf den Weiden,
und so, ohne Frieden
wird vielen durch meine Berührung Unheil beschieden.

Schon lange weiß ich, bald ist alles zerronnen,
was ich auf den Bergen aus Wasser und Wolken gebaut,
ist dahin.
Mit der Jugend hat die Trauer begonnen,
dass mich die Liebe verzehrt, und dass ich so dünn
wie ein flüchtiger Lufthauch geworden bin.

Und hier wisch ich müde und freudlos die Röte
von der Rippe des Mädchens ab,
in des Morgenrots Angesicht
ertränk’ ich und stoße des silbernen Mondes Nachen hinab
in das neue Meer des Morgens und sehe im Gras
auf einer Wolke sitzend das helle Licht,
das aus meiner Leidenschaft hoch in den Himmel bricht.

Doch anstatt meiner Lebenswelt:
Die Fässer, die Schatten der Berge, traubenbehangen,
dort setzt das Leben sich fort und die längst vergangen
geglaubten Orgien der Jugend sind nicht aufzuhalten,
sie kamen erst nach der Geburt mit dem vergilbten alten
Laub, das von Brankos Grab auf mein Leben fällt.

Und so, unbegraben, hier
ist die Fröhlichkeit ein Ungeheuer in mir,
und so, körperlos gar,
bleibt meine Seele traurig und unsichtbar.

Eines Frühlings ward mir bitter gewiss,
dass ich wegen der Flöte aus der Rippe des Mädchens meine
Gesundheit vergeude,
dass ich mit meinem Schrei mir die Brust zerriss,
in den Weinbergen nackt in heimattrunkener Freude.

Und so, ohne Gesicht, fällt auf mich der Schatten
des Ziegenbocks, der Kirsche, des Vogels,
und so, unaufhaltsam und leer,
taumle ich vor dem Horizont hin und her.

Jung noch irr ich umher über fremde Brücken und Steige,
lege mich nieder an duftenden Flüssen und schweige,
da auf dem Grund des Wassers meine Heimat entsteht,
die ich verließ, von gelbem Laub übersät.

Jung noch beb’ ich von Strömen und Himmelsweite,
streichle die Luft mit letztem kraftvollem Hoffen,
doch wird ich mich sehnen und sag es offen,
nach jener jungen sorglosen Meute
von damals, an des syrmischen Weinbergs Leite.

Nach einer sanften Gestalt, die zum ersten Mal
Bei uns die Weichselkirschen mit ihrem Kuss berührte,
und die sich aus Sümpfen und Schlamm bis zum Horizont schwang,
nach ihrer Gesellschaft, die mit Lächeln, trübe und schal,
über den Weinschlauch verwelkte Blätter verstreute,
und die zum ersten Mal
lachend über die Bäche sprang.

Und anstatt meines Lebens hab ich am Horizont
über jeden Körper dies Lachen verstreut,
über die Erde, wo rötlich der Arno fließt, voller Sternenschein,
geht auch ein Flüstern ein
in die ausgemergelte Brust,
denn im Frühling geschieht mir das immerfort,
da, wo ich liebe, überall dort.

Und so, wortlos, du weißt,
heilt alle fremden Tode mein Geist,
und so, spurlos, wird meine Hand
meiner Anmut lebendigen Körper zerstäuben wie Sand.

Denn meine Liebe wird im Verborgenen weiter
Alle Bäche der Welt mit der Morgenröte vermischen
Und ins Leben entlassen, unendlich und heiter,
den Himmel bei uns mit dem Schatten der Fruška Gora dazwischen.

Und so, ohne Ton,
stürzt mein Lachen vom Himmel schon,
und so, ohne Gärung hier,
wird sich das Leben in Kirschen verwandeln nach mir.

Jung noch beb’ ich von Flüssen und Himmelsweite,
streichle die Luft mit letztem kraftvollem Hoffen,
doch werd ich mich sehnen, das sage ich offen,
nach jener jungen sorglosen Meute
von damals an des syrmischen Berges Leite.

Jung noch irr ich mit trübem Lächeln umher,
die Arme verschränkt über dem Wolkenmeer,
ahnend schon, dass ich sterben muss und mit mir mein Geist,
der traurig geworden ist, düster und schwer.

Und hier
Sehe ich einen Fluss unter mir
und sehe, dass er die leichte, silberne unüberschaubare Erde kühlt,
schütte ihre Kirschen über meinen erkrankten Geist,
und auch hier erglänzt der Mond mit dem Stern im Verein,
und ebenso bitter werden im frühen Sterben
die meinige und die fremde Jugend sein.

Und an meines Schicksals Stelle, mit neuer Pein,
treff ich mein fernes Leben, durchsichtig schmerzerfüllt,
und im Schreck gleitet das Mädchen aus meiner Hand
in diesem seidigen Land, im stillen Olivenhain
leg ich das Mädchen nieder
und seh in der Ferne verdorrtes Land
und die wolkige Heimat wieder.

Und so, ohne Regung, mit einem Kuss gelind,
heb ich die Fremde hoch in den Frühlingswind,
und so ohne ein Zeichen rufe ich Freitag
die nackte Geliebte aus dem toskanischen Dunkel herbei.

Und Staub, alles ist Staub, wenn ich die Hand erhebe
und über die durchsicht’gen Berge hinüberschwebe,
und unermesslich schwach schleppen die Bäume sich hin,
die die Welt mit irdischen Wegklagen überziehn.

Und so, befreit von des Dunkels Schauer,
bringt mir mein Geist der Obstbäume Finsternis nah,
und namenlos mit immer derselben Trauer
streichle ich das Gebirge, das ich nie sah.

Jung noch irr ich mit trübem Lächeln umher,
die Arme verschränkt über dem Wolkenmeer,
ahnend schon, dass ich sterben muss und mit mir mein Geist,
der traurig geworden ist, düster und schwer.

Jung noch irr ich umher und flüstre voll Leidenschaft
und schüttle die Glieder, in Lachen getaucht,
schon ahnend, dass sich die Stille unweigerlich
einstellt mit ihrer Spur, wenn alles verwelkt um mich,
so auch ich, so auch ich.

Und hier, ohne des Geheimnisses Farbe,
mein Blick keinen einzigen Obstbaum erreicht,
jene himmlische Farbe, unendlich und bitter.
Und wenn ich die endlosen Untiefen öffne,
ruht wiederum unklar und leicht
auf dem Grund ihrer Gruft
die Trauer der Bäume und Leiber, gebadet in Luft.

Anstelle der silbernen Streifen der Hügel und Flüsse
Treff ich auf meine müden Gedanken,
und über den Weichselkirschen breitet verschwommen
Nebel sich aus bis ins unverbraucht
vor uns liegende Leben,
wo die Leidenschaft sterbend verrraucht
und die Sinne zur Ruhe kommen.

Und so, ohne Ordnung, hüll ich die Jugend ein,
in den Frieden von Schnee und Eis,
und so, obwohl ich den Weg nicht weiß,
werden meine Liebkosungen über den Tod ein Irrtum sein.

Und überall Frieden, und komme ich vom Geschehenen los,
lehne ich meinen Kopf an die kommende Zeit,
an eine Gegend, daraus sich der Wein einst ergoss
und das Lachen und eine herrliche ferne Schamlosigkeit.

Und so, ohne das Meer, werde ich unser Leben
Mit der Fruška Gora Morgenrot übergießen,
und so, ohne zu trinken, wird ich
den Totentanz mit trunkenen Sprüngen beschließen.

Jung noch irr ich umher mit Flüstern voll Leidenschaft
und schüttle die Glieder, in Lachen getaucht,
schon ahnend, dass sich die Stille unweigerlich
einstellt mit ihrer Spur, wenn alles verwelkt um mich,
so auch ich, so auch ich.

Fiezole, 1921

Lamento über Belgrad

JAN MAYEN, mein Srem,
Paris, meine toten Freunde, Kirschen in China,
all das erscheint mir noch, solang ich hier liege,
schweigend, wach, sterbend,
erkaltet, ein Scheit in der Asche.
Aber, das sind nicht mehr wir, nicht das Leben, nicht die Sterne,
sondern Ungeheuer, Polypen, Delphine,
sie werfen sich über uns, eine Flut, sie reiten
uns heulend: „Staub, Asche, Tod ist’s.“
Sie rufen, russisch: „nitschewo“ –
und spanisch: „nada“.

Du jedoch wirst größer mit dem Morgenstern,
mit dem blauen Avala, in der Ferne, wie ein Berg –
Du zitterst, als erlöschten hier die Sterne.
Du schmilzt, wie die Sonne das Eis der Tränen schmilzt.
Sie wohnen nicht in Dir: Sinnlosigkeit nicht, Tod nicht.
Du funkelst: ein wieder gefundenes Schwert.
Alles ersteht in Dir auf, und tanzt, und dreht sich, kehrt wieder,
wie der Tag, wie das Weinen der Kinder.
Und wenn meine Stimme, meine Augen, mein Atem versagen,
wirst Du mich, weiß ich, auf Deinen Flügel nehmen.

SPANIEN und unser Hvar,
der tote Dobrović, der Scheich in der Sahara,
sie erscheinen mir noch, wie Gespenster, Trugbilder, Illusionen.
Mein Sibe ist verrückt geworden, das Maul sperrte er auf, wie ein Fisch.
Nur, das sind nicht mehr wir, in Jugend und Kraft,
sondern Papageien, traurige Schimpansen.
Mich Vereinsamten lachen sie aus, schreien sie an:
„Leš! Leš! Leš!“, brüllt der Eine.
„Cadaver!“, raunt der Zweite mir zu.
„Leiche, Leiche, Leiche,“ der Dritte.

DU, jedoch, breitest Vergessen,
wie der Schwan die Flügel,
über Donau und Save, wenn sie schlafen.
Du weckst die Freude wieder,
die einmal gewesen ist.
Gekicher, in meinem Schreien sogar, meinem Angstschrei.
Kein Wurm in Dir,
nicht mal vom Grab.
Du leuchtest, wie ein Lächeln hinter Tränen.
In Dir singt noch zur Winterszeit ein Pflüger;
sein Blut – wie Wein,
in einen neuen Schlauch gegossen.
Und wenn mein Kopf sinkt, und die Uhren stehen bleiben,
wirst Du mich küssen, ich weiß, mit dem Kuss einer Mutter.

DU, VERGANGENHEIT, meine Welt,
Jugend, Verliebtheit und Gondeln, Venedig am Himmel,
all das erscheint mir noch: Traum, Woge, wunderbare Blume.
Aber, die Masken greifen nach mir,
das bin nicht mehr ich, kein Venedig blaut mir,
sondern Trümmer, Gespenster und Stelen, sind alles,
was von uns bleibt, auf dieser Erde, im Gras.
Sie sagen: „Dort liegt ein Pascha! – Ein Bettler! – Ein Hund!“
Und das unsre: „Vorbei“.

Du jedoch, ragst übern Fluss, den breiten,
und übers fruchtbare Tal; fest, ein erhobenes Schild;
Heiter singst Du, wenn es in der Ferne grollt.
Mit Blitzen webst Du Deine Naht in die Jahrhunderte.
Die Trauer der Menschen: Du kennst sie nicht.
Du hast den Blick des wortlos zielenden Schützen.
Weinen verwandelst Du in das Schillern des Regenbogens.
Kühle spendest Du mir, wie eine Kiefer: ich atme Dich ein.
Und kommt die Stunde, wenn sich mein Herz, das alte, beruhigt,
wirst Du zu einer Akazie, die auf mich fällt wie Regen.

LISSABON, mein Weg, in die Welt, Schlösser auf dem Meeresschaum,
all das erscheint mir noch, solang vor meinen Augen
nachts ein Licht flackert;
die Erde, ich nehme sie mit hinüber, in den Traum, in den Traum…
Nur, das sind nicht mehr Bestien, nicht die Männer, voller Leben,
sondern ohnmächtige Schatten, schwermütig, schwach,
sie sagen mir, sie seien keine Raubtiere, sie seien nicht schuld,
das Leben habe nichts gebracht.
Sie flüstern: „nāo, nāo, nāo“
und unser „nein, nein“.

Du, jedoch, holst Atem, in der Stille, nachts.
Die Sterne, sie weisen Dir, im Traum, den Weg zur Sonne.
Lauschen hörst Du Dein Herz in der Tiefe schlagen,
als schlüge es an die dunkle Felswand des Kalemegdan.
Winzige Ameisen sind für Dich unsre Schmerzen.
Unsre Tränen: Perlen, die Du in den Staub wirfst,
um später die Morgenröte über sie auszuschütten;
einst war ich, jung und fröhlich, in sie verliebt.
Und verstummt mein Herz, das müde,
wirst Du, im Schlaf, mein Lager sein.

FINISTERE und ihre Gestalt –
Ehe, Küsse, wirbelnder Sturm –
Sie erscheint mir noch: in Schmetterling, Mohn, Ähre,
während ihr Schritt, der federleichte, mir von damals
in den Ohren klingt.
Aber, das ist nicht mehr sie, nicht ihre lachende Stimme,
nein, ein Kormoran, der wild mit seinen schwarzen Flügeln schlägt,
verkündend: „Jeder Schimmer von Glück versinkt im Ozean.“
Ich höre ihn murmeln: „tombre“, „sombre“,
krächzen: „ombre, ombre“ –
und unser: „Grab“, „Finsternis“.

Du jedoch, ewiger Schwan,
gehst hervor aus Tod, aus Blut,
auf Deinem Weg zur Sonne.
Versinkt mein Tag in Deinem Stromgrund,
erhebst Du Dich, strahlenumwoben, aus dem Morgen.
Verlassen stehe ich in der Sahara,
wo die Karawanen Schatten sind.
Wie die neben dem toten Tuareg kniende Mutter,
tröstest Du mich Sterbenden.
Ist mir die Seele gebrochen
von Speer, Hand und Fuß,
Dir, weiß ich, Dir können sie nichts tun.

DAS LEBEN der Menschen, Windspiel,
verwelktes Blatt, Möwe, Reh, Mond auf offener See,
all das erscheint mir, am Ende, als Traum:
ein Tod nach dem anderen,
ein Schauspieler nach dem anderen, geht.
Nur – all das, auch ich selbst – nie waren wir mehr
als Schaum, Sekunden, ein Flüstern in China,
säuselndes Herz, allmählich kälter, allmählich stiller:
nichts bleibt, nicht Ming, nicht Yang, nicht Yin,
kein Dao, keine Kirschen, kein Mandarin.
Niemand, nichts.

Du, mein heimlicher Traum, schimmernd noch
in unseren Tränen; in Dunkelheit, im Staub.
Wie Tau netzt Dein Blut die Ebene,
um, wie einst, Todeshauch zu kühlen.
Am steinernen Abhang stehend,
noch einmal, will ich Dich umarmen, die Save, die träge Donau.
Meinem Traum entspringt die Sonne.
Strahle! Sprühe! Grolle!
Dein Name: Blitz aus heiterem Himmel.
Schlägt mir die Stunde, auf Deiner alten Uhr –
Dein Name: mein letztes Flüstern.
 


Serenade

Hör, wie der Mond weint, jung und gelb.
Hör mich, Liebste, noch ein letztes Mal.

Ich sterbe, sehnst du dich zurück nach mir,
rufe, wenn der Tag sich neigt, nicht meinen Namen.
Hör den Wind im gelben, welken Laub.

Er singt dir: den Herbst hab ich geliebt,
ich liebte weder deine Lust noch deinen Leib,
nur die Umarmung der rot verwelkten Zweige.

Und wenn du dich im Herzen nach mir sehnst:
umschlinge und küsse einen toten Ast.
Ach! Ehre fehlt und Leidenschaft,
mich zu lieben, hat kein Feuer genug Kraft.

Nur die Pappeln, hochgewachsen schlank,
und die Föhren, stolz und einsam, krank.
Nur die Pappeln, hochgewachsen schlank,
und die Föhren, stolz und einsam, krank

Elend

Wie auf einen Toten
scheint auf unseren Garten des Elends
die Laterne.
Ob die Nacht schüttet Seide über dich aus?
Hast du dich zu den Damen erhoben?
Wo bist du jetzt, in welcher Ferne?

Liebst du die Straße noch, nachts,
wenn die Hure, durchnäßt, unter der Laterne
ausharrt?
Und wenn die Gäule nasse Paare schleppen
in den Kutschen wie in einem Sarg,
der knarrt.

Bist du jetzt lächelnd irgendwo,
reich und zerstreut,
sprudelnd lachst du immerzu?
O, sei zu mir nicht warm und blumig.
O, sei nichts, sei unglücklich,
wenigstens für mich sei du, du.

O, liebe nicht, liebe nichts,
weder Bücher noch Theater,
all das Gescheite.
Sag, stehst du, bisweilen, plötzlich
in guter Gesellschaft, auch jetzt noch
auf unsrer Seite?

O, erinnerst du dich noch, wir liefen
im Regen nachts durch all die Straßen, triefend
und geduldig?

Erinnerst du dich, für uns warn die Amouren,
die Räuber und die Huren,
nachts alle unschuldig.

Wir schämten uns für das blühende Treiben,
wir schworen, unglücklich zu bleiben,
wenigstens ich und du.
Im Herzen: eine Maus, sie nagt verwegen,
und es fällt ein kühler, feiner Regen.
Wo, jetzt, bist du?

Mein Lied

Meine Seele ist ein reicher Bauer,
ein fröhlicher, ein schlauer,
in der Heimat.
Liebkost sie eine nackte Frau im Schlaf,
hart, wie Schultern, gut genährt, vom Schaf,
stürzen die Nächte, voll schwarzer Krähen,
in die Saat.

Sie hat durchwandert die Welt auf sich gestellt,
im blutigen Mantel des Sergeanten, halb Held
halb Mörder.
Traurig aufgepflanzt ist sie und hält
Wache, am Tor, gequält
im Schnurbart ein mildes Lächeln.

Neben einer Kirche, fremd und unbekannt,
geriet sie in Brand,
in langen Nächten, klar und warm,
beim Konzert der Frösche im Morast,
hielt sie viele Frauen im Arm.
Tags hat sie bewacht des Kaisers Palast
und gezählt, wie die Zeit ging ins Land.

Wach ist meine Seele ein reicher Bauer,
ein schlauer.

Nur im Traum, blaß wie der Mond,
ihm gleich unverschont,
irrt sie durch die Welt.

Eine Gondel versteckt sie einsilbig
in den grundlosen Wassern von Venedig,
müde, schläfrig, schal,
ist sie beim Karneval.

Und dann, wenn beim Gitarrenklang
von Tränen und Liebe ein Gesang
das Wasser, die Glocken, Kostüm und Kleid,
die ganze Nacht erfüllt mit Leid,
daß verstummend alle leise fragen:
„Wessen Slawen war das Klagen
an der Riva degli Schiavoni?“

Stražilovo

J'erre, encore svelte, avec l'arc d'argent,
je guette, à l'affût, les cerisiers en fleurs,
mais, au-delà des monts, ma patrie je pressens,
où, sous les peupliers solitaires,
j'ensevelirai mon rire.

Ici aussi, le soir printanier
de froid me fait trembler,
comme si, dans la vallée, le Danube passait, en secret.
Mais, là où les nuages s'abîment dans l'Arno,
et où frémit, là-haut, la verdure sévère,
je vois le pont qui mène, par-delà l'horizon,
dans les lourds ombrages des montagnes de Fruška.

Et, au lieu de saluer la Lune de Toscane,
qui luit dans la rivière, épanouie comme un lys,
au printemps, je le sais, viendra la toux insane,
et ma silhouette svelte, je la vois qui s'érode,
devant moi, fidèle et triste,
par son ombre et son pas, au fond de l'eau qui sonne,
dans les ciels purs.

Et, ainsi, déjà je sens
le trouble de mon âme, proche et pressant.
Et, ainsi, déjà je vis,
égaré, au-dessus de ces flots, couleur de pigeon gris.

Longtemps avec moi j'ai mené cette ombre voûtée,
et j'aurais pu, dans mes montagnes, goûter
la nuit, l'orgie, et le pampre des vignes,
et le ruisseau qui, à notre place, maintenant, murmure dans les
ravines.

Et, ainsi, sans tristesse,
d'une longue souffrance mes yeux s'obscurcissent.
Et, ainsi, sans luxure,
ma bouche rougit d'une amère pourriture.

J'erre, encore svelte, avec l'arc d'argent,
je guette à l'affût, les cerisiers en fleurs,
mais, au-delà des monts, ma patrie je pressens,
où, sous les peupliers solitaires,
j'ensevelirai mon rire.

De longtemps, ce que des eaux et des nuages j'ai érigé,
sur les monts, je l'ai vu, s'est dispersé.
Et, par un chagrin dans ma jeunesse survenu,
en une faible brise l'amour m'exténue,
impalpable et léger.

Dans les plis pourpres de l'aurore, je le sais,
une main étrangère et lasse a versé
sur mes cheveux un pâle crépuscule.
Deux mamelles douloureuses et dormantes n'ont pas permis
à ma gaîté, pleine d'ivresse et de démence,
de se jeter avec un cri
sur les cerisiers restés au pays de mon enfance.

Et, au lieu de mener comme avant, sous mon regard vert,
la rivière qui s'écoule,
de bondir comme la Lune, sur les versants déserts,
et d'attiser le feu des forêts embrasées,
maintenant, sous le givre bleu et la neige épaisse,
en souriant j'apaise
tout ce qui passe.

Et ainsi, sans attaches,
me rejoint pourtant le douloureux frisson natal.
Et ainsi, sans foyer,
le destin pourtant me deviendra familier.

Non, nulle tristesse ne m'habitait avant ma naissance,
une main étrangère sur moi l'a versée.
A pas lents, je le sais, je vais vers une longue souffrance,
et ma tête fléchira, je le sais, quand les feuillages auront fané.

Et ainsi, sans douleur,
je reviendrai dolent vers nos vergers en fleurs.
Et ainsi, sans sérénité,
de peine se consumera ce que ma main aura touché.

De longtemps, ce que des eaux et des nuages j'ai érigé,
sur les monts, j'ai vu, s'est dispersé.
Et par un chagrin dans ma jeunesse survenu,
en une faible brise l'amour m'exténue,
impalpable et léger .

J'erre encore svelte sur les ponts étrangers,
je m'allonge sur les fleuves parfumés, et me tais,
mais dans l'onde, déjà, je vois mon pays
que j'ai quitté, couvert de feuilles jaunies,
éparpillées.

Ici aussi, sur le flanc d'une jeune fille,
j'efface la pourpre du lys,
avec l'aube, las et sans délices.
Mais, quand dans la mer et l'herbe du matin naissant,
je plonge la barque de la Lune d'argent,
je m'assieds sur un nuage, et contemple les lueurs,
qui dans le ciel jaillissent de mon ardeur.

Et, au lieu de ma vie, depuis longtemps je vis,
les tourmentes et les ombres des vignes alourdies.
Je poursuis le destin, même chez nous aboli,
d'une jeunesse sans cesse maladive,
avec ma naIssance survenue,
dans les feuilles éparses du tombeau de Branko,
qui jonchent ma vie.

Et ainsi, sans sépulcre,
la gaîté en moi est lugubre.
Et ainsi, sans corps,
mon âme est invisible et morne.

Un printemps, je l'ai su amèrement,
aux fifres d'un flanc virginal j'ai livré ma santé.
Dans les vignes, en un cri ma poitrine j'ai déchirée,
nu, au fond du ciel, de ma terre natale enivré.

Et ainsi, sans visage,
sur ma face l'ombre du bouc, des cerisiers, et des oiseaux, passe.
Et ainsi, sans relâche,
aux horizons, en titubant je marche.

J'erre, encore svelte, sur les ponts étrangers,
je m'allonge sur les fleuves parfumées, et me tais,
mais dans l'onde, déjà, je vois mon pays,
que j'ai quitté, couvert de feuilles jaunies,
éparpillées.

Je tremble, encore svelte, des ciels et des rivières.
En un dernier élan et un ultime espoir, je caresse les airs,
mais de tristesse je périrai, ici aussi je le pressens,
pour cette jeune foule, un jour il y a longtemps,
sous les treilles de Sirmie.

Pour un tendre corps,
qui, pour la première fois, de son baiser
fit vaciller les griottes et les guignes,
et, à travers l'horizon, bondit par les marais et les gâtines.
Pour sa présence qui d'un trouble sourire,
sur l'outre de vin répandit le feuillage jaunissant,
sautant le ruisseau, pour la première fois, en riant.

Et au lieu de ma vie, aux horizons, je sais,
j'ai égrené ce rire sur chaque corps nu,
et au-dessus de ces terres où ondule l'Arno,
plein de ciel et d'étoiles, mon murmure s'exténue,
en mes poumons meurtris,
car, au printemps, à nouveau tout revit,
partout où l'amour me saisit.

Et ainsi, sans parler,
les morts inconnues seront guéries par ma pensée.
Et ainsi, sans laisser de traces,
ma main éparpillera le corps vivant de mes aimées.

Car mon amour en secret mêlera,
de par le monde, les ruisseaux et les aurores,
et sur la vie, en une légèreté infinie, déposera,
chez nous aussi, le ciel et l'ombre de Fruška Gora.

Et ainsi, sans bruire,
de la voûte céleste tombera mon rire.
Et ainsi, sans émoi,
la vie en cerisier se changera derrière moi.

Je tremble, encore svelte, des ciels et des rivières.
En un dernier élan et un ultime espoir, je caresse les airs,
mais de tristesse je périrai, ici aussi je le pressens,
pour cette jeune foule, un jour il y a longtemps,
sous les treilles de Sirmie.

J'erre, encore svelte, avec un trouble sourire,
au-dessus des nuages blancs, je croise mes bras,
mais lentement, en une clarté je sens déjà
que je meurs moi aussi, l'esprit assombri,
lourd et alangui.

Ici aussi, je vois une rivière
qui sous mon corps s'en va fraîchir la terre,
infinie, argentée et légère.
Mais, quand de cerises elle recouvre mon esprit affaibli,
quand ici aussi, près de la Lune s'allume une étoile voisine,
je perçois: dans la mort hâtive,
toute jeunesse, étrangère ou mienne, est semblable et amère

Et, au lieu de mon destin, dans ses nouveaux tourments,
je croise mon passé, diaphane et déchirant.
Mais, au-delà de ce pays soyeux et vaporeux,
quand, craintif, j'étends le corps d'une jeune fille,
dans la paix d'un olivier,
à nouveau, au loin, je vois ce feuillage fané,
et ma terre sous ses nuées.

Et ainsi, sans bouger,
d'un baiser j'élève ce pays dans les vents printaniers.
Et ainsi, sans un signal,
j'appelle mon amante, nue, du fond de la tiède nuit toscane.

Poussière, tout est poussière, quand je lève ma main,
et la passe sur les rivières et les monts cristallins.
Comme ils sont faibles alors, les cerisiers, qui avec moi se traînent
de par le monde, et avec la terre se plaignent.

Et ainsi, sans nuit,
mon esprit me couvre de sombres fruits.
Et ainsi, sans nom,
d'une même tristesse, je caresse d'invisibles monts.

J'erre, encore svelte, avec un trouble sourire,
au-dessus des nuages blancs je croise mes bras,
mais lentement, en une clarté je sens déjà
que je meurs, moi aussi, l'esprit assombri,
lourd et alangui.

J'erre, encore svelte, avec un murmure passionné
et mes chevilles tressaillent, de rires inondées,
mais lentement, je le pressens, sur la trace de mes pas:
quand tout sera f1étri, le silence me rattrapera,
moi aussi, moi aussi.

Ici aussi, en chaque fruit repose
cette couleur enclose,
couleur de ciel, amère et infinie.
Et quand de mes deux mains j'écarte les vallées,
et révèle des gouffres les fonds argentés et lactés,
de nouveau, dans l'abîme, repose une tristesse,
indicible et légère,
dans l'air qui pénètre et le fruit et la chair.

Et, au lieu des rayons argentés, des vallons et des ondes,
je croise, comme en rêve, les miennes et lasses pensées.
Mais, sur les cerisiers et les jeunes vergers,
une longue brume sombre se répand par le monde,
dans la vie qui devant nous s'étend,
où la passion s'endort en une lente mort,
et où s'apaisent les sens.

Et ainsi, sans prémisses,
de paix, de neige et de givre j'entoure ma jeunesse.
Et ainsi, sans chemins,
erre ma caresse, sur la mort et ses confins.

La paix, partout la paix, quand j'éparpille ce qui fut,
et repose ma tête sur tout ce qui m'advient;
sur toutes ces contr
sur toutes ces contr



Mak Dizdar
 

(1917-1971)

Mak Dizdar gilt heute als der bedeutendste Dichter Bosniens.
In ihrer wissenschaftlichen zweisprachigen Ausgabe des "Steinernen Schläfers" schreibt Leonore Scheffler:
"Der Gedichtzyklus KAMENI SPAVAC (1966) ist das bedeutendste literarische Werk des hercegovinisch-bosnischen Lyrikers Mak [Mehmedalija] Dizdar (1917-1971), das den Namen seines Autors über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus bekannt gemacht hat. Er ist den Menschen des mittelalterlichen Bosnien gewidmet, von deren Leben in ständiger existentieller Bedrohung eine alte Grabsteinkultur heute noch Kenntnis gibt. Mit seiner Dichtung versucht Dizdar, die unter den alten Grabsteinen (Stecci) "Schlafenden" wieder zu Wort kommen zu lassen.
Der aus Stolac (Hercegovina) gebürtige, später hauptsächlich in Sarajevo lebende Mak Dizdar hat neben seiner beruflichen Tätigkeit als Verlags- und Zeitschriften-Redakteur, als Journalist und Schriftsteller, herhebliche Zeit darauf verwandt, die Kultur und Literatur des bosnischen Mittelalters zu erforschen. Er hat alte Sprachdenkmäler gesammelt, editiert und kommentiert. Bei den publizierten Texten handelt es sich vor allem um Epitaphe der Stecci und andere Steininschriften, um mittelalterliche Urkunden und um Textauszüge und Mrginalien alter kirchlicher Handschriften mit bogumilischer Prägung. Dizdar nutzt sie nebst verschiedenen Sujets der bosnischen Volksdichtung als Material für sein Poem. Primärer Ausgangspunkt für seine Studien wie für seine Dichtung aber waren seine Begegnung mit den Steinen selbst, die bis in die frühe Kindheit zurückreichen, denn in der Hähe des Heimatortes Stolac befinden sich zwei größere, gut erhaltene und besonders schöne bogumilische Nekropolen: Radimlja mit 133 und Boljuni mit 269 Stecci, die Dizdar öfters besucht hat."
 

Inschrift für ein Land

Eines Tages fragte ein vorzüglicher Frager:
Wer ist das, was ist das? Verzeih mir!
Wo liegt es,
Woher kommt es,
Wohin geht es,
Dieses
Bosnien?
Sag!

Und der Befragte gab darauf eine schnelle Antwort:
Irgendwo gibt es so ein Bosnien, verzeic mir,
Ein Land kalt und karg.
Hungrig und nackt,
Und überdies noch,
Verzeih mir,
Trotzig
Vor Schlaf.

Gorčin

Hier ruht
Gorčin der Soldat.
Auf eigenem Grund,
im fremder Erde.

Ich lebte
und rief dennoch den Tod
tagaus-tagein.

Keine Ameis
zertrat ich-
unter die Soldat
ging ich.

In Feldzügen war ich
fünf und abermal fünfen-
auf daß einmal
ein Erde sei
der bitteren Fehde.

Fällte mich seltsames Siechtum:

Vom Spieß nicht durchbohrt
Vom Pfeil nicht getroffen
Vom Schwert nicht gefällt

starb ich vom Schmerz,
der unverschmerzbar.

Ein Mädchen liebt ich.
Sie raubten und verkauften sie
In die Sklaverei.

Soltet ihr der Kosara begegnen
auf den Wegen
des Herrn:
sagt ihr,
ich bitt euch,
von meiner Treue.

Blauer Strom

 Keiner weiß wo er zu finden,
Wenig weiß man –dennoch weiß man:

Hinter Bergen, hinter Tälern
Hinter sieben, hinter acht

Und noch weiter , und noch schlimmer,
Und noch bitterer und grimmer,

Hinter Nesseln, hinter Schlingen,
Über Durst und Sucht und Zucht,

Über Argwohn, über Ahnung,
Hinter neun und hinter zehn,

Und noch tiefer und noch härter,
Über Schweigen stumm und dunkel,

Wo noch nie ein Hahn gesungen,
Wo noch nie ein Horn erklungen,

Und noch irrer und noch wirrer,
Wider Sinn wider Gott-

Fließt ein großer blauer Strom,
Breit und lang und tief und mächtig

Seine Breite-hundert Jahre
Seine Länge-tausend Jahre.

Senei Tiefe – unergründlich,
Seine Nacht-unüberwidlich.

Ist ein großer blauer Strom.

Ist ein großer blauer Strom-
Und wir müssen ihn bezwingen.
 

Über die Quelle

Gelöst hab ich mich
Und kam in Fluß

In Bächen

In Strömen

In Meeren

Jetzt bin ich da

Jetzt bin ich da
Ohne mich

Bitter

Wie komme ich zu meiner Quelle
zurück?
 

Das Wort vom Wort
 

Wo ist jenes Wort, das geboren wird?
Wo ist jenes Wort, das

Sich ereignen wird? [...]

Das Wort ist in der Traube, das Wort ist im Eisen
Das Wort ist in der Seele Und das Wort ist in der Finsternis

Es erzittert in der Luft. Es leuchtet auf in der Dunkelheit
Das Wort versteht zu lieben Es weiß aber auch zu schmerzen

Das Wort, wenn es geboren wird, ist ein Lastschiff
Wo es ankommt weiß es nicht. Bei der Sonne

Oder dem Abgrund. [...]

Im Rauch, im Feuer, im Herzen, das träumt
Im Traum von der Freiheit, im Stein, im Wasser

In jedem Klang, im Schweigen und in der Stumpfheit
Im Glauben und im

Zweifel. [...]

Das Wort ist in der Traube, das Wort ist auch im Eisen
Das Wort ist in der Seele Das Wort ist auch in der Finsternis

Das ist eine Wehklage. Das ist ein Traum.
Das Wort ist Leben selbst. Mit mehr Liebe

Sollte es ein. [...]

Es gibt ein altes Wort, das mit dem Morgen kommt.
Es gibt ein altes Wort, das mit dem Morgen kommt.

Das eine lebt für sich. Das andere

Verschenkt sich.

Inscription of a land

Once upon a time a worthy caller asked:
Who is that what is that forgive
Where is that
Whence is that
Where to is
That
Bosnia
Tell
And the questioned gave then a prompt reply to him:
Bosnia forgive there is a land
Both barren And barefoot forgive
Both cold and hungry
And even more
Forgive
Defiant
By
A dream

Blue river

Nobody knows
Where it is
Little we know
But it’s known
Beyond the mount
Beyond the valley
Beyond seven, beyond eight
And elsewhere,
And crazier,
Through mortal,
Through bitter
Through haw thorn,
Through thorn bush,
Through heat,
Through restraint,
Through suspicion,
Through doubt,
Beyond nine, beyond ten.
Even deeper,
even stronger,
beyond silence,
beyond darkness.
Where roosters
never crow.
Where horn
Can’t be heard.
And elsewhere,
And crazier,
Beyond the reason,
beyond God.
There’s one Blue river.
It’s wide.
It’s deep.
It’s hundred years
Wide and
thousand years deep it is.
Don’t even dream
About its length.
That’s murk and darkness
Full of grieving.
There is one Blue river.
There is one Blue river.
We should cross that river.
 

Message from a country


Provokingly somebody asks
Who, what, where is, excuse me
How is that Bosnia
Tell me
And promptly comes the answer
There was, forgive me, a land
Bosnia
Poor and arid
Cold and chilly
And moreover

Forgive me
Proud
And full of dreams.

 

Hiza of mile

The hiža of our djed was founded here to fix virtue more strongly in the hearts of men
May it ever be open wide for welcome visitors and for the great of heart
For guests for elders and other believers
For all good people for all good Bosnians
For all warriors in the war that is waged against war
And various other small and mighty harms and evils
For all who flee from their flaming homes
For those fleeing the blazing circle of pyres and the hangman’s noose
For all who are burnt for ever aspiring to the sun far and great
For all who have uttered the right word in the right hour
Who had their hands cut off for a single word on the bloody path seeking an outcome
For the word that bread is bread that wine is wine and that water is water
For those whose living flesh was burned and cheeks marked with a burning brand
By those who ever appeal to the laws of God’s mercy and to canon law
For those whose tongues were torn from their throat for not betraying the word they gave
For those condemned to die on horses’ tails between two horsemen
May our djed’s house be open wide
For those damned by the heaviest curse
From the consecrated altars of Provence, Lombardy, Zara, Arcady, and Rascia
In the stupor of incense in the militant press of crosses and swords in that bitter choir
For those thrice damned for they were not yet
Butchered and slaughtered on their own doorstep before women and children
May the great house of our djed be always open wide
For those who pay no heed to ancient and new czars
To true kings and false, to bans and barons, to boyars
To their ample treasure, to many ducats, gold dinars, to that evil money
For men who never miss paying taxes but never bribe the collectors blaming and cursing them openly
May the doors of our djed’s hiža be open wide
For those who in meetings speak words mild and pure not only to their kin and kind
For those who live without envy yet life always beats them, only mocks and laughs at them
May it be open for the unknown comrade for the unknown brother
For all that pine in the darkness of their body’s confinement
Yearning that that word be for all men that they become brothers with that word
May the hiža of our djed be open wide all night and always
For the one who left long ago and now treads in darkness toiling from afar
But knows that he will arrive awake where someone awaits him
May the hiža of our djed be open wide
But if someone in love of himself shuts that door of virtue
May the hiža of our djed crumble to its foundations in my soul
Into a heap may it be crushed may it turn into bare soot and black ashes
May hot scorpions and snakes breed in it as in the den of Satan
Forgive you who are condemned and cursed in this slander of the slanderer
But the hiža of our djed without the welcome traveler and the dear guest
Is no more the hiža of our djed
 

Gorčin

Here lieth
Gorčin the soldier
In his own land
On an alien
Patrimony

I lived
But I summoned death
Night and day

I never hurt a fly
I went off
To be a soldier

I've been
In five and five campaigns
Without shield or armor
So that at last
These throes
Might cease
I perished of a strange pain

Not pierced by a spear
Not shot by an arrow
Not cut down
By a saber

I perished of a pain
That has no cure
I loved
My beloved was seized
In bondage

If you meet Kosara
On the paths
Of the Lord
I beseech you
To speak unto her
Of my
Truth


A wort about man

First

Enclosed within a body encased in skin
You dream of heaven's fecund return

Housed in a brain imprisoned in a heart
The sun you revere from this dark cave

Imprisoned in flesh locked up by these bones
How can this space

To heaven be bridged?

Second

Confined in a ribcage captured by silver
In your grandeur no finer than the peasant

Enclosed within a body shut in by skin
You dream that this earth with heaven agrees

Wrenched from heaven bread and wine you desire
But will your dwelling

Your home ever be?

Third

Locked in flesh encaged by bones
These bones your flesh will gore

Wrenched from heaven bread and wine you desire
But stone and smoke are all there are

Of these two hands is one not yours?
The one who wants

The other to kill?

Fourth

Encased in a brain captured in a heart
The sun you call ceaselessly from the dark pit

You dream of heaven drawing nigh
Through blades of grass the body drunkenly swerves

Held fast by roots immersed in blood
In this sorrowful dance

Are you last or first?

Fifth

In that sorrowful dance neither last nor first
You are a gathering for creatures and a playground for worms

Trapped in a body that makes itself a grave
When will the body from its own accord

act?


Il fiume blu

Nessuno sa dove sia
Sappiam poco ma si sa

dietro monti, dietro valli
dietro sette dietro otto

ancor piu' malvagio, ancor piu' pazzo
oltre il tortuoso, oltre l’amaro

oltre il biancospino, oltre gli spini
oltre la calura, oltre la cattura

oltre i presentimenti, oltre i dubbi
dietro nove dietro dieci

ancor piu' in fondo, ancor piu' forte
dietro il silenzio, dietro le tenebre

dove i galli non cantano
dove i corni non suonano

ancor piu' malvagio, ancor piu' pazzo
dietro la mente dietro dio

c’e' un fiume blu
largo e profondo

cent’ anni largo est
mill’ estati profondo est

di lunghezza non pensare
e del buio e oscurità insormontabili

c’e' un fiume blu

c’e' un fiume blu -
lo dobbiamo attraversare


Scritto sul paese

C’era una volta un valoroso che domandò:
Mi scusi, chi è questa e che cos’è questa
Dov’è questa
Da dove viene
E che cosa fa
Questa
Bosnia
Dimmi


E l’interrogato rispose immediatamente:
Mi scusi, la Bosnia è un paese
Magro e scalzo, purtroppo
Freddo ed affamato
E nonostante ciò
Mi scusi
E’ caparbio
Perchè
Sogna


la Morte

Con seme di morte
la terra è seminata
Solo che la morte fine non è
Siccome la morte non c'è
E fine non c'è
soltanto con la Morte
la strada dal nido
alle stelle è illuminata

Miodrag Pavlović

(1928)

Miodrag Pavlovic, 1928 in Novi Sad geboren, studierte in Belgrad Medizin und praktizierte einige Jahre als Arzt, ehe er 1960 als Dramaturg ans Belgrader Nationaltheater ging. Danach war er Lektor und Redakteur des Verlags Prosveta. Heute lebt er in Belgrad und Süddeutschland. Neben Gedichten publizierte Pavlovic Essays und Erzählungen. Auf Deutsch erschienen zuletzt: seine Erinnerungen an die Jugend in Belgrad während des Zweiten Weltkriegs "Usurpatoren des Himmels" (2001) und "Einzug in Cremona" (2002). Im Mai 2003 wurden Miodrag Pavlovic und sein Übersetzer Peter Urban mit dem renommierten Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie ausgezeichnet.
 


Ahnung des Endes

Man droht uns von allen Seiten
im Namen des Vaters und des Sohnes
man droht uns mit der Sintflut
die direkt hinter dem Berg steht
wie ein Riese aus Schleim,
und mit Hunger
gegen den kein Kraut gewaschen sei,
man droht auch mit einem schrecklichen Überschuß am Nahrung
( welch eine Zukunft! )
und mit einem Andrang von Wein.
In Kardinalsrot
schreiten sie nachts durch die Wohnung
und suchen nach den Schaltern
für alles was leuchtet und wärmt,
sie halten lange Predigten
die wenig bedeuten,
und berufen sich nur auf die Posaunen
die am Himmel lauern
wie die Geschütze auf Kriegsschiffen.
Man droht uns von allen Seiten
mit Schlägen und schrecklichen Träumen,
oh, auch unsere Träume sind mit denen!

Aber die Drohung dauert zu lange,
schlagt endlich zu, oder Schluß!
Man sieht bei uns den Widerstand wachsen
und jetzt ist in seiner Ecke
zu sterben den eigenen Tod, mutig und langsam.
Schlagt zu!
Unsere Knochen werden zu Metall
und tönen wie Glocken,
den Herrschern den Verrückten und Langsamen
geben wir die Drohung zurück
mit dem Schrei vom Berge Zion!

Die Slaven unter dem Parnaß

Die Hauptleute führten uns in die Länder des Südens
vor Unglauben trunken, grün vor Kraft,
um dem Marmor die Schenkel zu zerbeißen,
um mit dem Knüppel die Gebirge zu verheeren,
um irre Herden übers Meer zu treiben.
Wir tanzen im Blau unsern wilden Reigen,
schlafen abends nackt
neben verprügelten Statuen.

Insgeheim fragen uns die Sänger:
wer war das auf dem Begräbnis des Himmels,
wer bezeugt daß die Ewigkeit im Tode röchelt?
Weiter sagten sie: nicht mit Verwüstung,
mit einem Lied sollt ihr die Nacht verbringen,
mit dem Morgen werden große Säle kommen
mit den schönen Körpern der irdischen Herrscher
und ankern auf dem Gipfel des Gebirges.
Die göttliche Gestalt wird in der Luft erscheinen
un Hände werden sich auf unsre Schultern senken
um uns als eure Söhne anzuerkennen.

Und unsere Nacktheit wird sich in Wörter kleiden
wie die Birke im Frühling in Laub.

Abstieg in den Limbus

Hier sind wir und der leere Raum,
im Leeren weiß man nicht genau wo man ist,
un den Raum versuchen Tiere auszufüllen:
sie werden immer größer,
ihre Skelette wachsen,
lange Felle schleifen über den Boden
und Wind zaust ihre zottigen Köpfe -
Blasebälge schüren den Brand
den letzten menschlichen Gebäude.


Ungeheuer taumeln,
man kennt ihre Spezies nicht,
verschüttetem Öl sind sie ähnlich,
ihre Riesenzungen sind wie nasse Wäsche am Körper
und über allem sie Tinte analphabetischer Finsternis.
Wir wundern uns daß unser Blick noch erkennt
und uns rät Schutz zu suchen unter der Erde;
es ist nicht gerade ein Krieg, aber komm, kriech
hinab zu dem Ungeziefer von einst
das uns jetzt heiter und gesittet erscheint
im Vergleich... alle Vergleiche sind gefallen
und jedes Auge schielt.
Wer weiß wo die Tür ist?
Das Göttliche schickt eine letzte Botschaft
durch die tiefe Finsternis.
Diese Botschaft dringt nicht mehr durch
nicht mal wie ein Messer in unser Herz, wehe!
Aber dort am ende des Saals, sieh doch,
öffnet sich ein Türchen vor dem Mauseloch
und ein kleines Licht und ein kleines Geschöpf
wollen mit aller Kraft vordringen zu uns!

Es komme dieser kleinste Erlöser,
diese Maus am Horizont -
unsere große Hoffnung!

Stimme aus dem Halbdunkel

Neue Gesetze werden geschaffen
eine Gesetzgebung des Halbdunkels
die von Mund zu Mund geht
um den Feigling abzuhalten vom Verrat,
vor Heldentum den Helden zu retten.

Die Lehre dieses Ratgebers ist leicht,
zum Beispiel:
bleibe nicht zu lange am gleichen Ort,
bewege dich, wechsle, zieh um, weiche aus
oder man wird denken
dein Standpunkt sei fest,
und kommen damit dich die Werwölfe holen.

Ferner: nicht so viel essen.
Sorgt euch nicht um Nahrung,
sonst wird euer Schatten noch schwärzer
und größer die Masse der Finsternis.

Und man darf der Nachricht nicht glauben
es käme von irgendwoher mehr Licht,
naiv ist wer über diese Nachricht jubelt,
von einer Seite der Kanalisation auf die andere wechselt
und freudig die Hand hebt; sie alle werden erblinden,
werden zu Baumreihen erstarren
im lügnerischen Tagesanbruch.

Das Grundgesetz der Schatten:
halte dich entlang der Mauer, geh leise,
nenne niemand beim Namen
und hüte dich vor Gebäuden die nachts arbeiten.
Ein Schatten füge keinem Schatten Schaden zu.

Wer unbedingt sprechen will
der ziehe sich noch tiefer ins Dunkel zurück
und spreche dort alles aus,
nur solche Rede rettet sich aus dieser zeit
und wird zum Symbol.


Entlang des Rheinufers

Im Klang ist alles nahe, der erbst,
Früchte zuhauf, gleißend der luß,
der Himmel wird fallen, gedunkeltes Obst,
alles soll sich nähern;
die Frucht umarmt die Frucht,
die Frau den Mann, umgeben von klarer Sicht
als betrachteten wir uns selbst aus dem Himmel.

Durchsichtige Körner verschmelzen,
Vereinigung ist Sprache, die Zweige sind Liebe
Und die Lanze des hl. Georg die durch die Weinberge jagt
Im Körper des Drachens wie in einem alten Boot,
öffnet die Wunde um gewesene Menschen zu ebären.
Und vergessen wir nicht den Klang: Kinder singen
an der Klostermauer, in Angst
vor der eigenen Stimme, die so mächtig ist.

Sommer ist, alle lieben sich grässlich
wie die vierzig Märtyrer auf dem Eise
so nackt und vor Wollust verrückt,
aber ich
der ich das ganze Menschengeschlecht gesehen habe
wollte nur dich.
Wir schlendern weiter ohne Scham
bis zum Klavier mitten im Feld,
du lachst, das Klavier ist größer als der Acker
und ein Adler spielt auf ihm
ein Lied von dem die Berge sich öffnen
und die alte rote Ernte in die Höhe sprudelt;
das offene Grab beschienen,
ein Aufruhr vieler Sonnenuntergänge,
ein jemand streng und zahm schaut uns an,
der Frühling vielleicht, herrliche Frau,
oder ein verwundeter Gott,
sie werden uns führen, wohin wir sollen
oder uns sagen, wir sollten unten bleiben, nahe dem Wein.
 

Miroslav Krleža

(1893-1981)

Krleža war ein produktiver Schreiber. Im Laufe von 66 Schaffensjahren verfasste er über 50 Monographien vieler Genres, von Poesie und Polemik über Romane und Dramen bis zu Reiseerzählungen und politischer Publizistik.
Krleža besuchte in Zagreb die Volksschule und die ersten vier Klassen des Gymnasiums bis 1908. Danach absolvierte er in Pécs die Kadettenschule von 1908-1911. Als besonders guter Schüler erhielt er ein kaiserliches Stipendium, mit dem er die nächsten beiden Jahre die Militärakademie Ludoviceum in Budapest (siehe auch Honvéd) besuchte. 1913 verließ er das Institut und reiste über Frankreich nach Skopje, wo er sich in jugendlicher Begeisterung der serbischen Armee als Freiwilliger anschließen wollte. Er wurde aber als österreichischer Spion verdächtigt, wurde zur Überprüfung nach Belgrad überstellt und schlug sich danach wieder in die österreichisch-ungarische Monarchie durch. Er wurde auch von der österreichischen Grenzpolizei festgenommen, nach einem Verhör aber freigelassen und begab sich nach Zagreb, wo erste literarische Arbeiten entstanden.
Im Ersten Weltkrieg wurde Krleža 1915 in die österreich-ungarische Armee einberufen. Nach einer Erkrankung und Aufenthalt im Militärkrankenhaus 1916 kurze Zeit an die Front nach Galizien abkommandiert, konnte er bald wieder nach Zagreb zurück, wo er bis Ende des Krieges diente.
1919 gründete und leitete er die Literaturzeitschrift Plamen. Er heiratete im selben Jahr Leposava Kangrga. 1923-1927 leitete er die Zeitschrift Književna republika (deut. Die Literaturrepublik). 1924 machte er eine Reise in die Sowjetunion, worauf ihm in seiner Heimat der Reisepass abgenommen wurde. 1932 bereiste er die Tschechoslowakei und Polen. Zusammen mit Milan Bogdanović gründete er 1934 die Zeitschrift Danas (deut. Heute). 1939-1940 leitete er die Zeitschrift Pečat (deut. Das Siegel). 1941 verhaftete die Gestapo Krleža. Er wurde aber nach einigen Tagen wieder entlassen und verbrachte die Kriegsjahre zurückgezogen in Zagreb.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst Redakteur der Zeitschrift Republika. Seit 1947 war er Mitglied der Jugoslawischen Akademie und deren langjähriger Vizepräsident. 1950 organisierte Krleža in Paris eine Ausstellung über mittelalterliche Kunst aus Jugoslawien. Seit diesem Jahr wurde er auch Direktor des neu gegründeten Lexikographischen Instituts in Zagreb. In dieser Funktion zeichnete er für die Herausgabe verschiedener Lexika und Enzyklopädien verantwortlich. 1962 war er Mitbegründer der Zeitschrift Forum. 1968 erhielt er den Herderpreis der Universität Wien. Krleža wurde nach seinem Tode 1982 auf dem Friedhof Mirogoj in Zagreb beerdigt.

Karnevals Tod

Fallen werden alle Masken
in den schwarzlackierten Kasten,
worin Könige und Narren
ins Schwarze starren.

So zittert das Gefiedel der Geigen
in einer Flut von Wein, von Küssen einem Reigen.
Doch Aschemittwoch fiel traurig und fahl
zu Füßen dem toten Prinz
Karneval.

Fallen werden alle Masken
in den schwarzlackierten Kasten,
worin Könige und Narren
ins Schwarze starren.
 

Kulisse von Dubrovnik

Das Meer wie Springwebe. Silber, Pfauenfederglanz,
gleich Seide fein gefältelt, welk und alt.
Die Stadt, antiken Ruhmes voll, in blassem Marmor
und Basalt.

Gondolas Nymphe lächelt zu des Faunes Tanz.

Der Dächer Chrysopras gleicht edlem Siegelstein,
strahlt funkelnd auf die alte Stadt hinab und blendet.
Ein Morgen wie ein Fresko, frisch und kaum vollendet
Des Südens goldenes Bild, slawischer Götter Schrein.

Dubrovnik. Stadt im Morgentau mit bleichen Wänden!
Seidig die Glocke tönt. Hart klappern Eselshufe,
und von den Mauern wiederhallen Rufe
halbnackter Knaben mit Melonen in den Händen.

Die junge Frau trägt Ziegenmilch im Krug.
Es plätschern am Stradun der Sprache Melodien,
der Lorbeer duftet, Oleander blühn,
des Tages Fächern öffnet sich dem Licht,
das durch das Fächernetz der Plamenblätter bricht.

Und dennoch ist nicht pfaublau nur und silbern dieses
Meer;
Schwer ist die Fron des Ruders in den Klippen.

Of t bleibt beim Fischzug nachts die Barke leer
Der Schiffbrüchigen Friedhof: Schädel rings und
Rippen.

Am Fuß der Mauern Fieber und Gebrest.
Hungrige Bettler kauern in der Morgenröte.
Jedoch die Stadt spielt auf wie eine große Flöte
Für fremde Silberlinge zu der Fremden Fest.

Gleich einem Panzerkreuzer stolz der Wall sich reckt,
ins einem Schatten zieht der Tag auf, fahl, verdreckt.
Hoch oben, wo des Dichters Nymphem Hochzeit feiern
Und Gondolas Satyr mit Weinlaub kränzt der Leier,
ein Kind in dumpfer Kammer an der Schwindsucht
ist verreckt.


Schwer ist der Sommermorgen hier mit dem Schatten der
Bastion.
Schnappend nach Luft wie Fische stumpf die
Menschen hocken.
Stolz rauscht indes die Stadt zum Klang der
Kirchenglocken
Und mit dem Bischofs Fahne wie ein Schiff davon:
Schauspiel für Fremde-Flötenspiel und
Negersaxophon.
 

Die Rückkehr des Filip Latinovicz
Erinnerung an Pannonische Zeiten

Der sonnige glühende August neigte sich seinen letzten Tagen
zu. Filip sitzt müde und unausgeschlafen im Garten unter dem
Nussbaum in der Abenddämmerung und kann sich nicht der
unangenehmen Leere entziehen, die seit einigen Tagen immer
düsterer in seinem Inneren sich ausbreitet. Der Sommer stirbt
hin, der Herbst kommt, reife Birnen fallen von den Bäumen; jetzt ist wieder eine gefallen; sie ist am Dach der Laube abgeprallt und in die Johannisbeeren gerollt. Dabei hat sie zwei, drei Stengel zerbrochen, und man hörte das trockene Knistern toten Laubes unter dem Aufschlag der schweren Frucht. Hinter dem Zaun grunzen die Schweine und die kleine Schweinehirtin Anica weint halblaut in einem fort, still, den ganzen Nachmittag; eine Wespehat sie in den Fuß gestochen, der Fuß ist ganz geschwollen, und sie weint, und niemand ist da, ihr zu helfen. In der Welle des Windes von Zeit zu Zeit Lärm von Menschenstimmen und das Klappern einer Dampfmaschine: drüben in Kostanjevec wird gedroschen. (...)
 

Filip liegt in einem Sessel, hat den Kopf weit zurückgelehnt
und in der Hand hält er eine kleine bronzene Europa auf einem
schnaubenden Stier: ein Kinderspielzeug oder eine Grabbeigabe
aus den toten pannonischen Zeiten, die schon so unwahrscheinlich lange vermodert sind. Der taubstumme Kuhhirt Misko hat sie auf der Weide gefunden und Filip gegeben: eine ungewöhnlich kostbare Filigranarbeit, im raffiniertesten, dekadenten Stil der Kleinplastik gearbeitet, und doch: in der Linienführung der Komposition ganz einfach, geradezu monumental.


„Hier auf diesen selben Äckern stand das Pannonien der
Cäsaren, mit Marmorstädten, Gießereien und Kunstwerkstätten, in denen begabte Ziseleure mit ihren Händen solch herrliche Plastik schufen. Das Leben brodelte in den Städten, in den Theatern brannten die Fackeln, es gab Applaus, Wein, Akklamationen, Begeisterung. Die Schauspieler führten Plautus und griechische Tragödien auf, und jetzt weint die kleine Anica über diesen Gräbern und die Schweine grunzen. Nur die Schweine grunzen, und die Dämmerung bricht herein, und alles liegt im Dämmer wie der tote Ameisenhaufen dort oben auf der Lichtung: Gewölbe, Bauwerke, Aquädukte, Wegweiser, Standbilder und die Dämmerung, in der keiner der jetzt Lebenden in der Lage ist, mit seinen Händen ein solch vollkommenes Spielzeug zu schaffen wie das, mit dem die dekadenten Toten da unten unter unseren Füßen gespielt haben.“
 

Als alter romantischer Anhänger der Idee von der Kontinutität
der europäischen Kultur wurde Filip melancholisch unter dem
Eindruck der kleinen Bronzefigur, mit der seine Finger schon den ganzen Nachmittag spielten. „Da glänzten einst warme Meere, goldene Orangen reiften an alten, hundertjährigen Stämmen: glückliche Stille eines heiteren Himmels und die Windstille eines goldenen, ganz in sich geschlossenen Zeitalters. In reichen Häfen Schiffe, deren Segel auf den blauen Gewässern für alle Winde gesetzt sind: die Segler ächzen unter der Last von Zimt, Weizen, Bananen, Ananas und Trauben: ein überaus gut gemaltes Stilleben in der flachen Hand der römischen Europa, die in stillen Buchten badete und auf einem bronzenen Stier durch die Welt ritt, und alle Farben glühten frisch wie auf pompejanischen Fresken. Jetzt steht über diesen Gräbern das dreckige Kostanjevec der Hirten und Rinderzüchter, und alles, was in diesem verfluchten Kostanjevec in den letzten dreißig Jahren geschehen ist, be-
steht darin, dass der Glöckner einen Birnbaum gepflanzt hat.“(...)
Weshalb hat er sich hier in diesem pannonischen Dreck festge-
setzt, worauf wartet er, und warum rührt er sich nicht vom
Fleck? Unruhe schlich sich bei Filip ein und wurde immer stärker. Von jeher hatte er sich in den Kreisen seiner Gefühle vereinsamt gefühlt.(...) Er wurde durch die besondere Ungewißheit seiner Abstammung in Unruhe gehalten und verlor sich in unermesslichen, geheimnisvollen Anfängen, und für ihn blieben alle Kontakte mit der Realität schon von Anfang an geheimnisvoll: das gedämpfte Ticken der Uhren, der dichte Duft des Jasmin, die grauen Flächen der Wände im Widerschein einer nebligen Morgendämmerung, die Berührung eines kalten Glases auf der fiebrigen Lippe, der bittere Geschmack des Wassers, das in lauwarmen Kugeln durch seine kranke Kehle läuft, feuchte Türklinken und der müde Leib – all das war Gegenstand von Filips dauernden Untersuchungen über die Urgründe. (...)
 

Die Toten, die unbekannten hypothetischen Toten in Filip be-
standen aus grenzenlosen Komplexen der unwahrscheinlichsten
Annahmen und fixen Ideen: Bischöfe, Diener, alte Frauen mit
Raben in dunklen Zimmern, Gesichter aus dem Samtalbum,
polnische Beamte in pelzbesetzten Fellmänteln – die alle lärmten in ihm und bewegten sich um sein Kinderbett, als seien sie lebendig. Auch später als Erwachsener hatte er das Gefühl, seine Nägel wüchsen von selber weiter wie die Nägel an toten Händen in verschlossenen Gräbern, und es seien die Nägel der unbekannten Toten in ihm und ihr Haar! Der Mensch ist ja auch weiter nichts als ein Gefäß voll von fremden Geschmacksempfindungen und Genüssen! Es hatte in Filips Leben Anblicke gegeben, bei denen er überzeugt war, dass er persönlich subjektiv sicher nicht gesehen hatte, was er gesehen hatte; da betrachtete irgendein ferner Unbekannter in ihm seine eigenen Sachen auf seine Weise. Oft, wenn er ein Geläute über dem Land in flachen Kreisen verklingen hörte, so wie die Kreise der Ringe über Wasserspiegeln unter der Berührung eines Vogels verhauchen, dachte Filip an ein unbekanntes und fremdes, wächsernes, totes Ohr, das durch sein eigenes Ohr jetzt dieses Geläute hörte. Es kamen ihn unerwartet und ohne irgendeinen Grund schmerzhafte und unsagbare Traurigkeiten an: da trauerte jemand in ihm, der
verlassen worden war, um jemanden. Ihn (Filip) hatte niemand
verlassen, aber er trauert und hört das Sausen der Telephon-
drähte auf den Dächern und denkt darüber nach, dass der ganze dunkle Raum voll von sonderbaren Bewegungen in den Baumkronen und nächtlichen fernen Gewittern ist.


 

Miroslav Antić

(1932-1986)

Abschied

Ich will nicht Jura studieren, weil ich nie der Welt beweisen könnte, dass es rechtens ist, dass Du Dein weißes Kind vor den Zug geworfen hast im jenen Frühling. Und auch nicht Medizin, weil ich nie die kleinen kranken Erdbeeren behandeln könnte, die an Deinem warmem Bauch reifen, aber ich werde immer Gedichte schreiben, wahr und häßlich, wie diese verrauchte Gaststätte und unsere Bekannschaft von heute Abend.

Schubse mich mit dem Fuß unter dem Tisch, weil wir uns alle letztenendes auf dieser Welt schubsen so gut wir können. Nach Dir bleiben gleiche Straßen und Kinder, die lernen, Frühling zu zeichnen und Zeitungsverteiler und keiner wird nach Dir Asche auf seinen Haupt streuen und wie wahnsinnig zum Mond heulen, obwohl Du in Deinen grauen Augen eine Welt getragen hast, die mehr Wert war als alle Kriege, Wasserkraftwerke und Gewinne an der Börse oder Roulette.

Und ich würde so gerne, ich, der alle Könige gehaßt habe, dass Du heute Nacht meine Königin wirst, dass Du an den Stadtplätzen herumgetragen wirst, dass man sich vor Dir beugt, Dir zujubelt und über Deine Haare Reime schreibt. Dann würden sich Blätter und Balletttänzerinen in der Staatsoper und Marktkarusells und Leuchtreklamen im Kreis drehen, wie die Millionen Spirochäten in Deinem Blut.

Nimm Dein Gepäck. Der Zug fährt eine Minute nach Mitternacht. Ich bin weder der Erzengel Gabriel noch der Polizist, der sich um die Reisenden kümmert. Ich bin nur ein betrunkener Dichter und ich werde lange nach dem Zug winken, denn wir sind beide aus derselben Familie: der Menschheit.

Alle Farben dieser Welt

Die Welt in mir ist so wundervoll,
wenn die Blätter grün werden
oder alles blau wird wie das seidige
Kinderhaar oder Vogelfedern.
Die Welt in mir ist so wundervoll
wenn alles gelb und rosa wird.
Um mich leben viele Farben.
Um mich wird die Welt
manchmal grau oder dunkel
und trüb.
Deswegen ist es gut, dass es auch meine
schöneren Farben gibt.
Und ein Lächeln sonnig und scheu,
und der Wind so leise wie Atem.
Wenn alles in Schlaf fällt
und alles verwelkt,
wenn die Welt so trüb um mich scheint,
leben hunderte Feuerwerke
einer bunten und schöneren Welt in mir.
Manchmal wünsche ich mir meine Rosa
mit der ganzen Stadt zu verteilen,
und mein Weiß mit gelben Gras,
und mein Gelb mit der blauen Nacht,
und mein Blau mit dem Fluss im Traum…
Nur das Grün bewahre ich auf
für die Augen, die nicht meine sind,
aber aus ihnen wachsen,
wachsen schon lange
alle anderen Augen und Farben.
 

Das Geheimnis

Jeder hat ein Geheimnis:
Schu-schu-schu…
Ein Schönes und Endloses,
ein Trauriges oder Lustiges,
oder ein Böses.
Jemand erzählt bloß ein Gerücht.
Ein anderer erzählt es gleich seiner Mutter.
Ein Dritter würde sein Geheimnis nicht mal
im Traum weitererzählen.
Jemand flüstert es nur zu dir als seinem Freund:
Schu-schu-schu…
Gewöhnlich sind die großen Geheimnisse
nur erfunden, auch die über die Liebe.
Aber auch die anderen, wenn man sie alle
aufzählt, unsere, eure, meine, deine,
linke, rechte, wunderbare, glänzende,
alle gleich viel bedeuten,
weil – wahrlich
wozu würde man sie als Geheimnis nennen.
Und ich habe ein Geheimnis
ein Wunderbares, Glänzendes und Endloses.
Niemandem anderen – nur dir
ins Ohr werde ich es morgen flüstern.
Komm näher zu mir: Schu-schu-schu…
Morgen in der Früh…Schu-schu-schu...
Genau dort… Schu-schu-schu…
Aber niemandem darfst du es erzählen.
Suche selbst!
Schu-schu-schu…
Du wirst es leicht finden
und zugleich selbst sehen können.


The smallest poem

This is the smallest poem.
It’s smaller then the smallest toy.
There is a smile in it
and a letter for a boy.
If you know who wrote it--
I don't have to tell you any more.
If you don’t know who wrote it--
you don't need to know any more.
 

A lock of blond hair

A lock of hair we usually wear
on an eye
or on a nose instead;
but, there is a lock of blond hair--
imagine where?
It’s in my head.
How can hair possibly be in someone’s head?
Sure it can.
Right in the head.
It's not my lock of blond hair,
but Sanya’s from grade six who’s really fair.
So what?
You’ll see for yourself if one day
a lock of somebody else’s hair
somehow comes into your head.
And you become harsh,
and you become stiff,
and little by little--you just blush,
and suddenly you start biting your nails,
and hiding your face into the ground,
and sending secret notes around,
and you feel tender, and you feel tense,
and you learn the lessons but can see no sense.
You mix up roots and rhomboids.
You mix up notes and pyramids.
You mix up butterflies and sports.
And cities and handiwork sorts.
And tropical plants. And Old Greeks, too.
And you just don’t know what to do.
Now you see how it looks when a lock of blond hair
plays games in your head day after day;
it turns a boy who’s really cool
into a nerd and into a fool.
 

Non-returning poem
 

When you start going to the world,
never look back or go behind.
"Won't" does not do--"will" is the word,
the only right word you should find.
I also run without return.
I don't look back 'cause I am bold.
Anyway, what means the old Sun?
Well known old paths?
The door-sill that's old?
All these things you could cherish.
For these things your heart could run pettish.
But, if you ever do come back,
I have to say:
That's where you'll stay.
And just stay.
A boy runs to the world through his eye.
His head fights all those evening pleas.
He learns from a river how to fly
towards the oceans, towards the seas.
He learns from millions of sparkling stars
to reach the sky, to gleam and shine.
He learns from roads how to get scars
and boldly go further to reach the divine.
It is dangerous like a snake,
it is dangerous like a shell
if my beginning is awake,
if it's always so good and well.
And I would like to run wild.
I hold my heart.
I shut my eye.
When I start going I won't look back
because I'm eager to try to fly.
I don't know where.
I don't know why.
I don't know what's hidden far behind.
I know that here--
as I cross a line,
they try to smear,
they try to bind
all that I find.
It is dangerous like lightning.
It's dangerous like a shell
if my beginning is fighting,
if it's still so good and well.
That is why I run away.
That's why I run.
That's why I seek.
I make dawns out of the evening Sun.
Let the life learn how to flow
the very same way I have done.
I'm miraculous in a way--
when I start something, I'm not slow;
when I start, I am eager and gay--
my impatience
and curiousity grow...
I don't know what will bring a new day
hidden in those fogs far away;
but, if I easily get the golden glow,
or if I have to go through the snow,
I'll always go onward and only forward.
I'll never, never, never go back.
 

A journal entry

I am not gonna say anything to her
because I don't want to.
She is nothing but a frivolous
little snivelling girl.

We--older students
from the eighth grade--
we put our hands in pockets
and whistle through our teeth.

We don't care at all about those girls.

I am not gonna say anything to her
because I don't want to;
but, if she takes a glance at some other boy,
I'll become the worst student in shool.

A riddle

Guess how it is to grow.
Guess how it is easy
to get up to the roof,
the swallow,
the cloud full of storm,
up to an unknown star
and more
and even more--
up to some strangely blue skies.

Guess, is it through a collar,
through trousers
or through sleeves--
while some power inside you
and some beauty inside you
take you to the Sun's zest?

Just close your eyes and guess.

Yet, maybe it's not important
to find that out in advance.

Maybe it's the best way to grow
when you don't notice or glance.
Maybe it's best to become
tall,
more tall,
taller than all
when you quietly roll,
totally quietly roll--
while some unknown excitement
that inside you shouts
burns,
indefinitely burns,
and never burns out.

And no one knows what's that so vast.

Yet, it continues to last.

Miljenko Jergović

(1966)

Jergovic wurde in Sarajevo geboren. Die ersten Zeitungs- und Buchartikel gibt er seit Ende Achtziger heraus. Erstmals bekannt wurde er durch seine Gedichte. Für seine erste Gedichtsammlung Opservatorija Varšava (1988) wird er mit den Poesiepreisen „Goran“ und „Mak Dizdar“ geehrt. Es folgen die Gedichtsammlungen Uči li noćas neko u ovom gradu japanski? (1990) und Himmel Comando (1992). . Der internationalen Leserschaft wird er bekannt durch die Sammlung von Kurzgeschichten Sarajevski Marlboro (1994) (dt. Sarajevo Marlboro, 1996), wofür er internationale Preise gewinnt.
Mama Leone (dt. Mama Leone, 2000), Dvori od oraha und Buick Riviera (dt. Buick Rivera, 2006) sind nur seine bekanntesten Titel, die er seitdem herausgegeben hat.
Jergović veröffentlicht auch Zeitungsartikel und Essays in kroatischen und bosnisch-herzegowinischen Zeitungen.
Seine Werke sind in über 15 Sprachen übersetzt worden.

Land der Eichen, Land der Finsternis

Fremde Dörfer und Städte, Lichte
in der Tiefe der Landschaft
Hinter Vorhängen Lüster aus Kristall,
Imitationen aus Kristall
Wege, auf die das winzige Auto abbiegt,
weil er dort wohnt
In der Dunkelheit ist seine Heimat,
wo Hegel und Swedenborg, Plotin
Und der düstere Heraklit die Leere derer
Aus füllen, die auf dem Autoput fahren
Und nirgends abbiegen, und nichts
Außer Lichtern in der Ferne
Ist weiß darüber aus der Schule, dies ist das
Land der Finsternis, in ihm ein Grab
Ich habe es niemals gesehen, wie ich eine
Eiche nicht erkennen würde
Auf dem Friedhof ein junger Mann
Zweiundfünfzig Jahre liegt er, in der
Uniform
Eines Besatzungssoldaten ist er nicht, er singt
Das alte Lied von Banja Luka,
mein Onkel, neunzehn Jahre alt
In der Uniform eines Besatzungssoldaten,
im Land der Eichen liegt er
Er liest ein Buch über Buddas Leben, im
Buch läßt er ein Eichenblatt
Das Buch kam mit der Nachricht
von seinem Tode, ein Blatt
Zweiundfünfzig Jahre alt, heute tote
Erinnerung, fremde Dörfer
Und Städte, Lichter in der Tiefe der
Landschaft durch das Land der Eichen
Trägt mich der Autoput, in der Finsternis
Ist ein Grab, im Grabe liegt ein Skelett
In Besatzeruniform, zehn Jahre bin ich älter
Als der Geist, der ihn getrieben hat, seit
Urdenklichen Zeiten, gab es dergleichen nicht
solch eine Finsternis ist mir nicht
geblieben
Buddha und ein Eichenblatt, und meine
Vorfahren in ihren helleren Gräben als
Diesem, jedes Land wird ein Morgenrot
bescheinen
doch kein Land gibt es wie dieses

 

 Sarajevo Marlboro
 

Über dem Kopf hörst du ein Pfeifen, zwei, drei Sekunden der Spannung vergehen, dann donnert unten, irgendwo in der Stadt, die Explosion los. Von deinem Fenster aus ist diese Stelle immer gut einsehbar. Zuerst ist es wie eine hohe, schlanke Staubsäule, die sich in Rauch und Feuer verwandelt. Du wartest noch einige Augenblicke, um zu verstehen, welche Art Wohnung es ist. Brennt das Feuer langsam und träge, steht das Haus irgendwelcher armer Leute in Flammen. Loht es in einer großen blauen Kugel auf, dann brennt ein schön eingerichtetes Dachgeschoß mit lackierter Vertäfelung. Lodert es lange und ausdauernd, ist das Haus eines reichen Händlers von der Carsija, voll massiver antiker Möbel, in Brand geraten. Aber wenn die Flamme urplötzlich emporzüngelt, wild und ungezügelt wie das Haar der Farrah Fawcett, um noch schneller wieder zu erlöschen, so daß der Wind aschene Papierfetzen über die Stadt hinwirbelt, weißt du, daß gerade jemandes Hausbibliothek ausgebrannt ist. Da du während der dreizehn Monate Granatbeschuß viele dieser großen verspielten Flammenlohen über der Stadt gesehen hast, kommt dir der Gedanke, Sarajevo habe auf Büchern gelegen. Auch wenn dem nicht so ist, möchtest du es so sagen, während du mit den Fingern über deine eigenen, noch unversehrten Bücher streichst."

Miljenko Jergovic
From "The Himmel Comando"* cycle of poems


Tin

Through the cloudy window the farside of the street disappears.
Your finger touches the window pane, the scribbled names and drawings.
Once you scratched at the paint under the fogged up window,
and a carbon smelling piece stuck under your fingernail,
sending a mild shiver of terrror down your spine.
Later in a heat wave things changed their shape,
it all seemed
like an undulating reel of film in an over-heated projector.
Pretty soon we'll reach the point
when life's boundary is marked by the in-coming explosions,
crackling metal fragments flying every which way.
Steel splinters beds down our bodies on statistical tables,
and our souls are stuffed into the morgue's freezers;
among the war's reserve beef provisions,
in the company of dead proletarians and Frankensteins,
who unexpectedly rose from the dead,
scaring to death the dead spies.
Their hearts are squeezed into velvet underwear
and in the choking embrace of muscles their souls fly out.
When death is seen vaporizing out of the tin caskets,
while the extremities are scattered on the vault of the green-glowing death chamber,

stagger up to the window-pane and breathe upon it.
Without leaving a print or any betraying sign
frozen finger-nails touch the glass,
not even void is left behind,
just the sound of tin,
hints of life
in the gnarled soundlessness of a dream.


The Cathedral

The battle rages on the radio waves.
In the pad-locked room Yugo's aroma streams apart.
Under the window-caressing cherry tree branch.
The body sudders in the nervous twilight--
Vampires stir in loved ones' souls.

The battle rages on the radio waves.
There's five minutes left of night in the city,
that God had swathed in veiled silence.
Among the soundless branches and the gentle breeze
only the Cathedral bell is heard,
just as it came tumbling down.


Heaven's Commando

In the square Albanians
light candles in memorial to their martyrs.
Low-flying fighter-jets
extinguish them every half-hour.
Notwithstanding
as many flickering flames remain
as there are martyrs.
From a respectful distance we watch impassively,
to see which side will be the first to give up:
will the desperate people holding matches relent
or will the airplanes run out fire-power first?

(Pristina, 1990)



Petar Petrović Njegoš

(1813-1851)

Fürstbischof Petar II. Petrović-Njegoš (Peter II.; * 1. November/13. November 1813 in Njeguši, Montenegro; † 19. Oktober/31. Oktober 1851 in Cetinje, Montenegro) ist der bedeutendste Dichter Montenegros und mit der bedeutendste Dichter des serbischen Sprachraums. Er schrieb u.a. den Bergkranz, Der falsche Zar, Šćepan der Kleine, Die Fackel des Mikrokosmos, etc. Njegos legte administrativ die Grundlagen für einen modernen Staat in Montenegro.



 

Leuchte des Mikrokosmos

Starr im Schlafe liegt der Mensch befangen,
heimgesucht von schreckhaften Gesichten,
kaum imstande, sich zurechtzufinden,
daß sein Wesen drin nicht untergehe.
Vielleicht dünkt ihn, daß er manche Male
sich aus Schlafesstarre losgerissen;
aber ach! nur trügerische Hoffnung:
er verstrickt sich damit desto tiefer
in das starre Dunkelreich des Schlafes,
bösen Spukgebilden preisgegeben.
Unsres Lebens Lenz ist kurz bemessen
und ihm folgt alsbald ein heißer Sommer,
drauf mit Sturm der Herbst, mit Eis der Winter.
Tag um Tag - sie schlingen sich zum Reigen,
jeder uns nur eigne Qual bescherend:
Nicht den Tag gibt es, den wir ersehnen,
nicht die Seligkeit, nach der wir lechzen.
Wer soll denn die wilde Windsbraut zügeln?
Wer dem Ozean das Schäumen wehren?
Wer soll der Begierde Grenzen setzen?
Magst den Menschen, wie du willst, betrachten,
magst du, wie du immer willst, ihn richten –
tiefstes Rätsel bleibt der Mensch dem Menschen,
er, des Schöpfers auserwählte Schöpfung.
So fürwahr der Osten zeugt die Sonne,
so das Sein im Glanz des Lichtes brodelt,
so die Erde nicht ein Traumgesicht nur,
ist des Menschen Seele unvergänglich,
sind ein Funken wir im Todessstaube,
sind ein Strahl, von Finsternis umschlossen.
Unfaßbarer, allerhöchster Schöpfer!
Ja, es spiegelt sich ein lichter Funke
deines grenzenlosen Geists im Menschen,
wie sich ein Gewölbe deines Palasts
in der Flut der Ozeane spiegelt.
Deiner Krone Glanz der Tag uns kündet
und die Nacht den Purpur deines Waltens,
hehre Wunder deiner Herrlichkeiten.
Unbegreiflich dem Geschöpf dein Wirken,
in Verzückung nur kann es erbeben.
Wenn den Toren wir vertrauen wollten,
sind Poeten ein Geschlecht von Narren.
Wenn die Nacht nicht unsre Sphäre heimsucht’,
würde so des Himmels Antlitz strahlen?
Würden ohne scharfen Zahn des Frostes
jemals wir der Wärme Wohltat kennen?
Würden ohne Toren stumpfen Blickes
je erlauchte Geister hell erstrahlen?
Allmacht spricht in heiligem Geheimnis
nur zur Flammenseele des Poeten.
Alle Wunderpracht des Alls, der Himmel,
alles, was in heiligen Strahlen blühet,
seien's Welten oder Geisteswesen,
alle Wonnen, sterblich und unsterblich –
was ist alles dies zusammen andres
denn die Poesie des Menschenvaters?
Heilig ist des Dichters hohe Sendung,
seine Stimme Eingebung des Himmels
und der lichte Strahl sein Weggeleiter,
seine Sprach' die Majestät des Schöpfers.
 

Stevan Raičković

(1928-2007)

Stevan Raičković, einflussreicher serbischer Dichter, ist 1928 in Neresnica nahe Požarevac geboren. Er arbeitete in verschiedenen Verlagshäusern und für Radio Belgrad. Im ehemaligen Jugoslawien wurde er mit vielen Literatur-Preisen ausgezeichnet. Seit 1981 ist er ordentliches Mitglied der Serbischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Seine Gedichte sind in mehr als zwanzig Anthologien in verschiedenen Sprachen erschienen. 1986 sind seine Werke in sechs Bänden, 1989 seine gesammelten Werke in zehn Bänden erschienen.
Stevan Raičković verstarb am 6. Mai 2007.


Leerer Ort
 

Befreit

von angehäuften Gesetzen der Poesie
und ihren irrealen Ambitionen

ist es

als führe mich ein völlig unbekanntes Leben
wie ein Kind an der Hand
zu einem leeren Ort

und lässt mich dort

damit ich schaue
und blinzle
und mich wundere

aus welcher Welt ich trat
in welche ich kam.

*

Nichts was sich vergleichen ließe

kein Laut
nach dem man trachten kann.

Keine Sprache
kein Wort aus der Erinnerung.

Keine Nuancen
kein steiler Weg.

Nur ein flacher
kahler Ort.

Gläserner Blick.

Destilliertes Bewußtsein.

*

Aufwachen und rauchen

vorbei gehen an Büchern im Schaufenster
wie an türkischen Gräbern.

Bei Rot an der Ampel stehen.

Stehen bei Grün.

Angst

Ich finde große Ähnlichkeiten zwischen meinen
immer selteneren Besuchen von Oper und Zirkus.

Im Haus
oder im Zelt:

Meine anfängliche Befürchtung
bekommt allmählich
die Form einer unaufhaltsam wachsenden Panik

darüber was so gefährlich und ungeschützt
über mir in der Luft geschieht

mit der Artistin
auf dem gespannten fast unsichtbaren Seil

und der Primadonna
einsam auf der Höhe der Arie.

Und ich zittere

(und schwitze wie ein Schuldiger)

gleichermaßen
in beiden Fällen:

Dass das dünne Seil das dünne Stimmband
auf dem sie leben

durch meine Angst

nicht reißen.
 

Souvenir aus China
(VI)


Im größten Geschäft
in Peking

(direkt vor der Abreise)

schaue ich nach Seide:

Ich kaufe für meine Schwester
ich kaufe für ihre Töchter

für die Frau
meines Bruders

für meine Mutter

und für die Schwester
meiner Frau…

Nur für sie kaufe ich nichts…

Doch ich wühle und wähle:

Als suchte ich
all diese Seide

für sie…


Wem die Glocke schlägt


Die ersten Glocken ertönten in China und Indien -
vor viertausend Jahren.

Hergestellt aus Ton
oder Metall

in der heutigen Form

(oder wie ein Ball
unten mit einer kleinen Öffnung):

Man schrieb ihnen Wunderkraft zu.

Ihr Klang

rief die Seelen
der Verstorbenen herbei

wirkte auf die Atmosphäre

half den Ohren
besser zu wachsen.

Beim Vieh
und den Karawanen

half der Glockenklang
Herden und Reisende

bei einander zu halten

im Dunkeln
bei Nebel

in Sandstürmen…

Auch ich höre gerne
die unsichtbare Glocke in der Ferne

dann weiß ich
seit Jahrhunderten schon
bin ich nicht verloren.
 

Die leise Stimme

Als hörte ich wieder irgendwoher
das einsame (hieroglyphische) Stimmchen

das mir auch bisher
bisweilen
dunkel flüsterte:

“Danke dass du sagtest
was auch ich verstand... Denn wenn nicht
hätte ich ebenso gedacht:
Auch ich könnte dich
nicht immer
bis ins Letzte
verstehen…”

Nur

dieses Mal
unterscheide ich wohl
auch einige Zeichen
die ich früher
nicht kannte:

“Eines bitte ich dich nur:
Zieh keine Schlüsse
triff keine Aussagen... aus dem
was du beschreibst... denn auch ich habe keine mehr
in meinen Gedanken… dass wir uns auch darin
nicht unterscheiden... Wenigstens wir zwei
die noch als einzige übrig sind...“
 

Vasko Popa

(1922-1991)

From 1954 until 1979 he was the editor of the publishing house Nolit. In 1953 he published his first major verse collection, Kora (Bark). His other important work included Nepocin-polje (1956; Field of No Rest), Sporedno nebo (1968; Secondary Heaven), Uspravna zemlja (1972; Earth Erect), Vucja so (1975; Wolf's Salt), and Od zlata jabuka (1958; The Golden Apple), an anthology of Serbian folk literature. His Collected Poems, 1943–76, a compilation in English translation, appeared in 1978, with an introduction by the British poet Ted Hughes.
On 29 May 1972 Vasko Popa founded The Literary Municipality Vršac and originated a library of postcards, called Free Leaves (Slobodno lišće). In the same year, he was elected to become a member of Serbian Academy of Science and Arts (Srpska akademija nauke i umetnosti). Vasko Popa is one of the founders of Vojvodina Academy of Science and Arts (Vojvođanska akademija nauke i umetnosti), established on 14 December 1979 in Novi Sad. Vasko Popa is the first laureate of the Branko’s award (Brankova nagrada) for poetry, established in the honour of the poet Branko Radičević. In the year 1957 Popa received another award for poetry, Zmaj’s Award (Zmajeva nagrada), which honours the poet Jovan Jovanovic Zmaj. In 1968 Popa received the Austrian state award for European literature. In 1976 he received the Branko Miljković poetry award, in 1978 the Yugoslav state AVNOJ award, and in 1983 the literary award Skender Kulenović.
In 1995, the town of Vršac established a poetry award named after Vasko Popa. It is awarded annually for the best book of poetry published in Serbian. The award ceremony is held on the day of Popa’s birthday, 29 June.
 

Ohne deine Augen

Ohne Deine Augen
gäbe es keinen Himmel
in unserer kleinen Wohnung

Ohne Dein Lachen
würden die Wände nie
aus den Augen verschwinden

Ohne Deine Nachtigall
würden die Birken nie
zart durch die Tür treten

Ohne Deine Hände
würde die Sonne nie
in unserem Traum nächtigen


Gäbe es deine Augen nicht

Gäbe es deine Augen nicht
Wäre der Himmel niemals
In unsrer blinden Wohnung
Gäbe es dein Lachen nicht
Würden die Wände niemals
Aus unsern Augen schwinden
Gäbe es deine Nachtigallen nicht
Würden die Weiden niemals
Zärtlich über die Schwelle schreiten
Gäbe es deine Hände nicht
Würde die Sonne niemals
In unserm Traum übernachten
 

Die letzte Nachricht von der kleinen Schachtel


Die kleine Schachtel, in der die ganze Welt steckt
Verliebte sich in sich selbst
Und zeugte in sich
Noch eine kleine Schachtel
Die kleine Schachtel der kleinen Schachtel
Verliebte sich auch in sich selbst
Und zeugte in sich
Noch eine kleine Schachtel
Und so ging es unendlich weiter
Die ganze Welt aus der kleinen Schachtel
Sollte in der letzten Schachtel
Der kleinen Schachtel sein
Doch keine der kleinen Schachteln
In der in sich selbst verliebten kleinen Schachtel
Ist die letzte
Wie soll man da die Welt finden

Auf der Handfläche

Auf dem Treibsand
Der stummen Kreuzung
Im Zweifel

An jeder Kreuzung
Der neugierige Blick
In Gestein verwandelt
Die rosige Wüste

Doch alles was in sie gelangt
Knospt durch den Sinn
Blüht auf durch die Hoffnung

Ein außergewöhnlicher Frühling
Oder eine wohltuende Täuschung

Wir werden leben im Zeitalter
des Messers

Das große Messer wird alles
Was es berührt entzweischneiden
Sogar uns selbst

Wir werden erleben wie das Messer
Sich selbst auf seiner Spitze aufspießt
Und wie es hingerichtet wird
Von seinen Schneiden

Wir werden unsere Hälften zusammensetzen
Aber sie werden einander
Nicht erkennen
 


The little box gets her first teeth

And her little length
Little width little emptiness
And all the rest she has

The little box continues growing
The cupboard that she was inside
Is now inside her

And she grows bigger bigger bigger
Now the room is inside her
And the house and the city and the earth
And the world she was in before

The little box remembers her childhood
And by a great longing
She becomes a little box again

Now in the little box
You have the whole world in miniature
You can easily put in a pocket
Easily steal it lose it

Take care of the little box
 


Give me back my rags

Give me back my rags

My rags of pure dreaming
Of silk smiling of striped foreboding
Of my cloth of lace

My rags of spotted hope
Of burnished desire of chequered glances
Of skin from my face

Give me back my rags
Give me when I ask you nicely
 

Wedding

Each strips his own skin
Each bares his own constellation
Which has never seen the night

Each fills his skin with rocks
And plays with it
Lit by his own stars

Who doesn't stop till dawn
Who doesn't bat an eyelid or fall
Earns his own skin

I before you play

You shut one eye
You peer into yourself
Peep into every corner
Make sure there are no nails no burglars
No cuckoos' eggs

Then you shut the other eye as well
You crouch, then jump
Jump high, high, high
Right up to the top of yourself

Then your weight drags you down
You fall for days and days as deep as deep
Down to the bottom of your abyss

If you're not smashed to bits
If you're still in one piece and get up in one piece
You can start playing.

The House

Along with the first false sun
We got a visit from Agim
The woodman from near Prishtina

He brought us two red apples
Wrapped in a scarf
And the news that he'd finally got a house.

At last you've a roof over your head, Agim

No, no roof
The wind tore it off

You've a door and windows then

No door and no windows either
The winter carried them away

You've four walls at least

I've not even got four walls
All I have is a house like I said

The rest will be easy

Mad exit

They scare me by saying
There's a screw loose in my head

They scare me more by saying
They'll bury me
In a box with the screws loose

They scare me but little do they realise
That my loose screws
Scare them

The happy crazy from our street
Boasts to me


Rastko Petrovich´s grave

An old cleaning-woman from back home
Heard I'd visited
Rastko's Grave in Rock Creek
Cemetery in Washington

I make cakes she says
Every year on feast-days
And light candles
For my dead in the old country

And for the Osceola Indians
Since my neighbours told me
Their burying-ground lies
Underneath this whole block of houses

Now I'll do the necessary
For that Serbian poet too

He's got nobody here either


In the village of my ancestors

One hugs me
One looks at me with wolf-eyes
One takes off his hat
So I can see him better

Each one of them asks me
Do you know who I am


Unknown men and women
Take on the names
Of boys and girls buried in my memory

And I ask one of them
Tell me venerable sir
Is George Wol still alive

That's me he answers
In a voice from the Otherworld

I stroke his cheek with my hand
And beg him with my eyes to tell me
If I am still alive too

VI.

Get out of my walled infinity
Out of the star-ring round my head
Out of my mouthful of sun
Get out of the laughable sea of my blood
Out of my flow, of my ebb
Get out of my beached silence
Get out I said
Get out
Out of the chasm of my life
Of the stark father-tree inside me
Get out How long must I cry get out
Get out of my bursting head
Get out
Just get out

VII.

They trap the she-wolf with steel jaws
Stretched from horizon to horizon

They take the golden mask from her muzzle
And tear the secret grass
From between her haunches

They bind her and set
Tracker and pointer dogs
To defile her

They hack her to pieces
And leave her
To the vultures

With the stump of her tongue the she-wolf catches
Living waters from the jaws of clouds
And puts herself together again


The little box´s prisoners

Open up little box
We're kissing your bottom and lid
Your keyhole and key
The whole world has crammed inside you
And now it looks like
Nothing like itself
Serenity its own mother
Wouldn't recognise it now
Rust will devour your key
Our world and us inside you
And you too in the end
We're kissing all four of your sides
And all four of your corners
And all twenty-four of your nails
And everything you've got
Open up little box

IX.

Give me back my rags
My rags of pure dreaming
Of silk smiling
Of striped foreboding
Of my lacy cloth
My rags of spotted hope
Of shot desire
Of chequered looks
Of my face's skin
Give me back my rags
Give me when I ask you nicely

X.

The lame wolf walks the world
One paw treads the sky
The others pace the earth
He walks backwards
Erasing each pawprint before him
He walks half-blind
With terrible bloodshot eyes
Full of dead stars and living parasites
He walks with a millstone
Forced round his neck
An old tin can
Tied to his tail
He walks without resting
Out of one circle of dog-heads
Into another
He walks with the twelve-faced sun
On a tongue which lolls to the ground





The beautiful god-hater

A regular customer in a local bar
Waves his empty sleeve
Fulminates from his undisciplined beard
We've buried the gods
And now it's the turn of the dummies
Who are playing at gods
The regular is hidden in tobacco clouds
Illuminated by his own words
Hewn from an oak trunk
He is as beautiful as a god
Dug up recently nearby

A Forgetful Number

Once upon a time there was a number
Pure and round like the sun
But alone very much alone

It began to reckon with itself

It divided multiplied itself
It subtracted added itself
And remained always alone

It stopped reckoning with itself
And shut itself up in its round
And sunny purity

Outside were left the fiery
Traces of its reckoning

They began to chase each other through the dark
To divide when they should have multiplied themselves
To subtract when they should have added themselves

That's what happens in the dark

And there was no one to ask it
To stop the traces
And to rub them out.
 

Vesna Parun

(1922)

Vesna Parun
wurde am 10. 4. 1922 in Zlarin bei Šibenik (Kroatien) geboren. Sie schreibt außer Gedichten auch Dramen. In ihrer Lyrik spielt das Kindergedicht eine große Rolle. Zu ihren Werken zählen u. a. der 1955 veröffentlichte Gedichtband Schwarze Olive und der 1959 veröffentlichte Band Die Koralle kehrt zum Meer zurück. 1995 wurde sie für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen.


You with hands more innocent


You with hands more innocent than mine
and with the wisdom of nonchalance.
You who can read his loneliness
from his forehead better than I,
and remowe the slow shadows of hesitation
from his face,
as the spring wind removes
the shadows of clouds floating above the hill.
If your embrace gives courage to the heart
and your thighs detain the pain,
if your name gives rest
to his thoughts, and your neck
is a shade to his resting place,
and if the night of your voice is
a grove still untouched storms.
Than stay by him,
and be more devout than those
who had loved him before you.
Beware the din that approaches
the innocent nests of love.
Be gentle to his sleep
below the invisible mountain
at the edge of the roaring sea.
Walk along his shore.
May the sadded dolphins meet you.
Wander in his woods. Friendly lizards
will not harm you.
And the thirsty serpents that I tamed
will be humble before you.
May the birds which I warmed
in the nights of sharp frost sign to you.
May the boy whom on a deserted road
I protected from spies caress you.
May the flowers I watered with my tears
bring fragrance to you.
I was not blessed to witness
the best years of his manliness.
I did not receive his fertility
into my bosom ravaged by glances
of cattle drovers at faires,
and those of greedy thieves.
His children
I shall never lead by the hand. And the stories
which I prepared for them a long time ago
maybe I shall tell weeping
to poor little bears
abandoned in black forest.
You with hands more innocent than mine
be gentle to his sleep
which is still innocent.
Yet permit me to see his face
when years unknown to me
proceed to descend upon it.
And tell me at times a thing or two about him
that I may not have to question wondering
strangers and neighbors
who have pity for my patience.
You with hands more innocent than mine
stay by his headrest,
and be gentle to his sleep!

Du, deren Hände unschuldiger sind

Du, deren Hände unschuldiger sind als meine,
du, die du weise bist die Sorglosigkeit,
du, die du besser verstehst als ich
von der Stirn seine Einsamkeit zu lesen,
und du, die du die trägen Schatten des Zögerns
von seinem Gesicht verbannst,
so wie der Frühlingswind Wolkenschatten verjagt,
die über den Berg fliegen.

Wenn deine Umarmung das Herz ermutigt
Und deine Schenkel die Schmerzen lindern,
wen dein Name Ruhestätte ist
für seine Gedanken und deine Kehle
der Schatten für seine Lagerstätte
und die Nacht deiner Stimme ein Obstgarten ist,
noch unberührt von Gewittern,

so verweile neben ihm
und sei frommer als alle,
die ihn vor dir liebten.
Fürchte das Echo, das sich
Den unschuldigen Lagerstätten der Liebe nähert.
Und sei sanft seinem Schlaf,
unter dem unsichtbaren Berg,
am Saum des tosenden Meeres.

Schreite seinem Strand entlang. Die trauernden Delphine
Mögen dir begegnen.

Durchstreife seinen Wald. Die liebenswürdigen Echsen
Werden dir nichts Böses tun.
Und die durstigen Schlangen, die ich zähmte,
werden dir untertan sein.

Die Vögel, die ich wärmte in Nächten klirrenden Frostes,
mögen dir singen.
Der Junge, den ich vor Spähern beschützte
auf verlassen Wegen, er soll dich streicheln.
Die Blumen, die ich mit meinen Tränen begoß,
mögen dir wohlreichend sein.

Mir wurde nicht zuteil die schönste Zeit
seiner Männlichkeit. Seine Fruchtbarkeit
empfingen nicht meine Brüste,
die von den Blicken der Viehtreiber auf den Märkten
und der gierigen Räuber verwüstet waren.

Nie werde ich seine Kinder an der Hand führen.
Und die Geschichten, die ich vor langer Zeit für sie ersann,
werde ich vielleicht weinend
kleinen armseligen Bären erzählen,
die verlassen in dunklen Wäldern irren.

Du, deren Hände unschuldiger sind als meine,
sei sanft seinem Schlaf,
der unschuldig geblieben ist.
Doch erlaube mir, sein Gesicht zu sehen,
wenn unbekannte Jahre auf ihn herabkommen.
Und erzähle mir manchmal etwas von ihm,
damit ich nicht gezwungen bin Fremde zu fragen,
die sich über mich wundern, und die Nachbarn,
die meine Langmut beklagen.

Du, deren Hände unschuldiger sind als meine,
verweile bei seinem Pfühl
und sei sanft seinem Schlaf!
 

Der Stamm

Du sprachst: sei ein Stamm.
Da ward ich ein Stamm.
Du sprachst:
sei furchtsam.
Da wagte ich nicht,
mit den Blättern zu zittern.
Du sprachst: sei treu.
Da wartete ich.
Dann sprachst Du nicht mehr.
Doch der Stamm ist noch da.
Und er wagt nicht,
mit den Blättern zu zittern.

Krieg

Mein Großvater sitzt vor dem Haus und das Laub
fällt.
Er betrachtet die Feigen, wie sie auf dem Stein
trocknen,
während die Sonne, sehr orangerot, hinter dem
kleinen Weinberg versinkt,
der mir aus der Kindheit in Erinnerung blieb.
Meines Großvaters Stimme ist golden, tönend wie
alte Uhren,
die Mundart ist voll Schwermut und Unruhe.
Die Legende von den sieben mageren Jahren kommt
gleich hinter dem
Vaterunser,
sie ist kurz und endlos.
Aber eines Tages hörte der Fischfang auf.
Ja, jetzt ist Krieg.
Der Feind besetzte den Hafen auf zehn Meilen im
Umkreis,
und die ganze kleine Insel bebt in der Finsternis.
Die Söhne zogen längst dem Brot nach übers harte
Meer.
Kanada,
Australien . . .
Sogar nach Japan werden sie sie einschiffen.
Möglich, daß sie irgendwo im Bambus bleiben.
Schon den zweiten Winter marschieren die Unsrigen
hier ohne Unterlaß.
Den düsteren Marsch hört man bis zu den stillen
Fischen.
Der Enkel ist brav und blond. Dennoch wirst du ihn
im Schnee finden,
eines Tages, wenn die Berge müde werden.
Die Mädchen singen, wenn sie den Lagerbrei
kochen.
Die Kleinsten kauern auf dem Boden in Riesenfurcht
vor dem Stiefel des eleganten Offiziers.
Die Mutter denkt an die Söhne und den Vater, er ist
Malaie geworden.
Seltsam,
was hat dieses Volk in alle vier Himmelsgegenden
auseinandergeworfen,
diese großen schweren Menschen, die im Brief so
sehr Kindern ähneln?
Mein Großvater betrachtet die rote Sonne hinter
dem Weinberg,
bekümmert schweigend vor dem Tod, der alte
Seefahrer.
Der Fremde ist Hunger. Die Freiheit ist eine Brotrinde.
Ach, sagt die Erde, die Mühlen sollen sich schneller
drehen!
Zur Unzeit ist das Laub gefallen; doch was
gerechterweise zu kommen hat,
das muß kommen.
Sieh: Es sterben die Knaben, und die Greise wärmen
ihre Trauer
beim Schauen auf offene Meer.


La maison sur la route

J'étais couchée dans la poussière au bord de la route.
Je ne vis pas son visage
et il ne vit pas mon visage.
Les étoiles ont pâli et l'air fut bleu.
Je ne vis pas ses mains
et il ne vit pas mes mains.
L'est devint comme un citron vert.
À cause d'un oiseau j'ouvris les yeux.
Alors je sus qui j'aimais
pour toute la vie.
Alors il sut de qui il embrassait les pauvres mains.
Et l'homme prit son baluchon et partit
en pleurant vers sa maison.
Et sa maison est la poussière sur la route
comme c'est aussi ma maison.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   bosnische Maler

MERSAD BERBER


 

"Ako niste spremni da se mijenjate svakog trenutka, nećete nikada spoznati istinu."
(Vivekananda)
 

"Ne budi nesretan što u ovome svijetu nitko ne zna za tebe. Zašto misliš da si toliko važan da bi mi trebali znati za tebe? A kada budeš zaista tako važan, a da i ne misliš o tome, oni će znati za tebe."
(Konfucije)

"Bože, ja te ne molim
da me oslobodiš
od životnih patnji,
nego te molim
da me u patnjama ne napustiš."
(R. Tagore)


 

SAFET ZEC

"Plod niče iz sjemena a djela iz misli."

(L. N. Tolstoj)

"Ako izmijenimo naše misli, svijet oko nas se mijenja."

(Richard Bach)


 

"Postati čovjek je ljepše nego postati kralj."

(A.G. Matoš)

 

IRFAN HOZO

"Nemojte se boriti previše, najbolje stvari se dese kad se ne nadate."

(Gabriel Garcia Marquez)


"Bilo je to jednom, davno, u životu još lijepom. Možda mi se činio težak tada, ali kad mislim o njemu sa ovoga mjesta, želeo bih da se vrati."

(Meša Selimović)

                       

"Što više volimo svoje prijatelje, manje im laskamo."

(Molijer)


 

GABRIEL JURKIĆ

"Ako ste ućutkali nekoga niste ga i preobratili."

(Morley)

"Ne jadikuj mnogo nad sitnim bolovima, jer bi sudbina mogla početi da te liječi - krupnim."

(Neruda)



 

NERMIN KOZLO

Najistaknutiji talenti gube se u neradu.

(Lav Tolstoj)

Postoje tri vrste egoista:
egoisti koji sami žive i daju drugima da žive;
egoisti koji sami žive ali ne daju drugima da žive;
na kraju egoisti koji niti žive niti drugima daju da žive.

(Ivan Turgenjev)

Niko vam ne zavidi na sposobnostima, već na uspesima. Dok radite, smatraju vas ludim, a kad nešto postignete srećnim.

(Dušan Radović)
 

 

kroatische Maler

EDO MURTIĆ

"Ko hoće nešto da učini, nađe način, ko neće ništa da učini, nađe opravdanje."

Pikaso


"Svaka je zamisao laka kad se ne uzme u obzir stvarnost."

(Proust)

       

"Smatram da je smijeh jedna od najozbiljnijih stvari."

(Raabe)
 

"Teže je primiti savet nego odbiti poklon."
(Sand)
 

IVAN GENERALIĆ

"Prijatelje stvara sreća, a nesreća proverava."

(Seneka)


 

"Ništa nije samo po sebi dobro, ni loše, zavisi samo šta o njemu mislimo."

(Stendal)
 


"Najbolja upotreba reči je ćutanje."

(Tagora)
 

 

IVAN MEŠTROVIĆ

"Prekomeran ponos oznaka je sitne duše."
(Turgenjev)

"Neprijateljima treba neprekidno opraštati, jer je to upravo ono što ih najviše ljuti."
(Oskar Wilde)

Vrijeme izriče pravdu i stavlja sve stvari na svoje mjesto.

(Fransoa Volter)
 

 

VIKTOR ŠERBU

Samo jedna stvar ima istinsku vrijednost: živjeti do kraja u istini i pravičnosti i biti blag prema lažljivcima i svim nepravednicima.

(Marko Aurelije)
 

Vi vredite samo onoliko koliko ste drugima potrebni.

(Dušan Radović)
 

Kad vidite da nekoga ogorčeno i besno napadaju svakojaki ljudi služeći se svim sredstvima budite sasvim sigurni da je to čovek koji nešto vredi.

(Sent B.)
 

IVAN LACKOVIĆ CROATA

Patnja zadaje bol samo zato što je se bojiš. Ona te proganja zato što bježiš od nje. Ne moraš bježati, ne moraš je se bojati. Moraš voljeti...
Dakle, voli patnju. Nemoj joj se odupirati, nemoj bježati od nje. Okusi kako je ona u dubini slatka, predaj joj se i nemoj je primati s mržnjom. Tvoja mržnja je to što ti nanosi bol i ništa drugo. Patnja nije patnja, smrt nije smrt, ako ih ti ne učiniš time...
(Herman Hesse)"

"Reci mi s kim se družiš, pa ću ti reći tko si. Znam li čime se baviš, tad znam što možeš postati.”


(Goethe)
 

"Samo je jedan kutak svemira koji sigurno možete promijeniti, a to ste vi sami.”
(Aldous Huxley)

serbische Maler

OLJA IVANJICKI

"Ako pri svakoj prijateljskoj usluzi odmah misliš na zahvalnost, onda nisi darovao, već prodao."


(Dostojevski)

To nam je sudbina. Kad ne bi bilo ratova, poklali bismo se među sobom. Zato svaka pametna carevina potraži neki Hoćin, da pusti zlu krv narodu i da nagomilana nezadovoljstva odvrati od sebe. Druge koristi nema, ni štete, ni od poraza ni od pobjede. Jer, ko je ikada ostao pametan poslije pobjede? A ko je izvukao iskustvo iz poraza? Niko. Ljudi su zla djeca, zla po činu, djeca po pameti. I nikad neće biti drukčiji.

(Meša Selimović)


 

Kad je ljudima dosadno, dosadno im je ponajprije stoga što su dosadni sebi samima.

(Hoffer Eric)
 

UROŠ PREDIĆ

Um proširen novom idejom nikada se ne vraća na svoje početne dimenzije.

(Oliver Wedell Holmes)

Uspjeh ne dolazi sam po sebi, on ima svoju cijenu koju ćemo, ako ga želimo, platiti. Neuspjeh dolazi sam od sebe, ali njegova je cijena puno veća i on ne pita hoćemo li ga platiti ili ne.


Tri godine treba čovjeku da nauči govoriti, a cijeli život da nauči -slušati. To je paradoks odrastanja

(Ernest Hamingway)
 

MILIĆ STANKOVIĆ

 


Nije najveća budala onaj koji ne zna čitati, nego onaj koji misli da je sve što pročita istina.

(Ivo Andrić )

Kad bismo htjeli biti sretni, lako bismo postigli svoj cilj. Ali mi želimo biti sretniji od drugih, a to je teško jer druge uvijek vidimo sretnijima nego što doista jesu.
 

(Montesquieu)

Svatko može biti ljut, to je lako. Međutim, naljutiti se na pravu osobu, do prave granice, u pravo vrijeme, zbog pravog razloga i na pravi način, to je već teško.
(Aristotel)

 

PAJA JOVANOVIĆ

Ne postoji toliko dobra krinka koja će duže vrijeme skrivati ljubav ako postoji, ili je glumiti ondje gdje je nema.
 

(La Rochefoucauld)

Prva ljubav osvaja dušu mnogo prije negoli tijelo. Kasnije osvajaš tijelo, a dušu često nikad ne osvojiš.
(Victor Hugo)

Imajte malo strpljenja; tračevi nisu dugog vijeka. Istina je dijete vremena; zato će se prije ili kasnije pojaviti i stati u vašu obranu

.
(Immanuel Kant )
 

 

SAVA ŠUMANOVIĆ


"Tko ne zna, a ne zna da ne zna, opasan je, izbjegavajte ga! Tko ne zna, a zna da ne zna, dijete je, naučite ga! Tko zna, a ne zna da zna, spava, probudite ga! Tko zna i zna da zna, mudar je, slijedite ga"

(Konfucije)
 

"Dok čovjek teži za mudrošću, zaslužuje naziv mudraca, čim nalazi da je ispio svu mudrost, postaje budalom!" (Volter)

"Jedna od najvećih tajni života jest u tome da je sve što je uistinu vrijedno truda ono što činimo za druge" (Lewis Carroll)

 

MÜNDLICHE LITERATUR IN BOSNIEN

Die bekannteste Ballade ist „ Hasanaginica “, die vom italienischen Ethnografen Alberto Fortis 1774 aufgeschrieben wurde. Es gibt mehr als 60 bosnische Balladen, aber die „Hasanaginica“ ist die wichtigste und schönste.


deutsch

HASANAGINICA

Goethe

Was ist weisses dort am grünen Walde?
Ist es Schnee wohl, oder sind es Schwäne?
War es Schnee da, wäre weggesahimolzen,
Wären's Schwäne, wären weggeflogen.
Ist kein Schnee nicht, es sind keine Schwäne,
'S ist der Glanz der Zelten Asan Aga;
.Niedeirliegt er drein an seiner Wunde.
Ihn besucht die Mutter und die Schwester,
Schamhaft säumt sein Weib zu ihm zu kommen.

Als nun seine Wunde Iinder wurde
Ließ er seinem treuen Weibe sagen:
»Harre mein nicht mehr am meinem Hofe,
Nicht am Hofe, und nicht bei den Meinein'!«

Als die Frau dies harte Wort vernommen
Stand die treue starr und voller Schmerzen,
Hört der Pferde Stampfen vor der Thüre
Und es deucht ihr, Asan käm', Ihr Gatte,'
Springt zum Thurme, sich herab zu stürzen
Aengstlich folgen ihr zwei liebe Töchter,
Rufen nach ihr, weinend bittre Thränen?
»Sind nicht unsers Vaters Asans Rosse!
Ist dein Bruder Pintorowich kommen.«

Und es kehrt zurück die Gattm Asans,
Schlingt die Arme jammernd um dem Bruder:
»Sieh die Schmach, o Bruder, deiner 'Schwester!
Mich verstossen! Mutter dieser Fünfe!«

Schweigt der Bruder und zieht aus der Tasche,
Eingehüllet in hochrothe Seide,
Ausgefertiget den Brief der Scheidung,
Daß sie kehre zu der Mutter Wohnung,
Frei sich einem andern zu ergeben.

Als die Frau den Trauer: Scheidbrief sahe,
Küßte sie der beyden Knaben Stirne,
Küßt die Wangen ihrer beiden Mädchen.
Aber, ach! vom Säugling in der Wiege
Kann sie sich im bittern Schmerz nicht reissen;
Reißt sie los der ungestüme Bruder,
Hebt sie auf das muntre Roß behende,
Und so eilt er mit der bangen Frauen
Grad nach seines Vaters hoher Wohnung.


Kurze Zeit war's, noch nicht sieben Tage,
Kurze Zeit gnug, von viel grossen Herren
Liebe Frau in ihrer Witwen Trauer,
Liebe Frau zum Weib begehret wurde.

Und der größte war Imoskis Cadi.
Und die Frau bat weinend ihren Bruder:
»Ach, bei deinem Leben! bitt ich, Bruder:
Gib mich keinem andern mehr zur Frauen,
Daß das Wiedersehen meiner lieben
Armen Kinder mir das Herz nicht breche.«

Ihre Reden achtet nicht der Bruder,
Fest Imoskis Cadi sie zu trauen.
Doch die Frau, sie bittet ihn unendlich:
»Schicke wenigstens ein Blat, o Bruder,
Mit den Worten zu Imoskis Cadi:
Dich begrüßt die junge Wittib freundlich,
Und läß durch dies Blat dich höchlich bitten,
Daß, wenn dich die Suaten her begleiten,
Du mir einen langen Schleier bringest,
Daß ich mich vor Asans Haus verhülle,
Meine lieben Waisen nicht zu sehen.«

Kaum ersah der Cadi tiefes Sehreiben,
Als er seine Suaten alle sammelt,
Und zum Wege nach der Braut sich rüstet,
Mit dem Schleier, den sie heischte, tragend.

Glücklich kamen sie zur Fürstin Hause,
Glücklich sie mit aihr vom Hause wieder;
Aber als sie Asanis Wohnung nahten,
Sahn die Kinder oben ab die Mutter,
Riefen: »Komm zu deinen Kindern wieder,
Iß mit uns das Brod in deiner Halle!«
Traurig hört es die Gemahlim Asans,
Kehrete sich zu der Suaten Fürsten:
»Bruder, laß die Suaten und die Pferde
Haltein wenig vor der lieben Thüre,
Daß ich meine Kleinen noch beschenke.«

Und sie hielten vor der lieben Thüre.
Und den armen Kindern gab sie Gaben,
Gab den Knfben goldgestickte Stiefel,
Gab den Mädchen lange reiche Kleider,
Und dem Säugling hülflos in der Wiegen
Gab sie für die Zulkunft auch ein Röckchen.

Das beiseit sah Vater Assan Aga,
Rief gar traurig seinen lieben Kindern:
»Kehrt zu mir, ihr lieben armen Kleinen,
Eurer Mutter Brust ist Eisen worden,
Fest verschlossen, kann nicht Milttleid fühlen!«
Wie das hörte die Gemahlin Asans,
Stürzt' sie bleich, den Boden schütternd, nieder,
Und die Seel' entfloh dem bangen Busen,
Als sie ihre Kimder vor sich fliehn sah.

english

HASAN AGA’S WIFE

What gleams white in the green forest?
Is it snow, or is it a swans?
If it were snow it would have melted by now;
And swans would have already taken to flight.
No, it is neither snow nor is it swans,
But the tent of Aga Hasan Aga.
He is suffering from terrible wounds.
His mother visits him, and his sister;
But his wife could not, because of modesty.
When his wounds began to heal
He sent word to his faithful wife:
“Don’t wait for me in the white manor,
Neither in the manor nor amidst my family.”
When the lady understood these words
The poor one was still pondering them
When hoofbeats resounded near the manor:
Hasan Aga’s wife started to run
At breakneck speed beneath the windows of the tower;
After her ran her two maiden daughters:
“Come back, dear mother of ours;
That isn’t daddy Hasan Aga,
It’s Uncle Pintorović Beg.”
And Hasan Aga’s wife came back.
Then she hung her arms around her brother’s neck.
“Yes, my brother, it’s a great disgrace
For him to send me away from my children!”
The beg is silent, he says nothing.
And he takes out a certificate of annulment for her,
Requesting full payment of the divorce penalty
And stating that she is going with him, back to her mother.
When the lady examined the document
She kissed her two sons on the forehead
And her two daughters on their rosy faces;
But with her tiny little son in the cradle
She could not part in any way.
Instead her brother had to take her by the arms,
And he barely separated her from her little son.
Then he set her in front of him on his horse
And he went with her to the white manor.
She stayed only a short time with her family,
A short time, not a full week.
A good lady and from a good family
She was sought after from all sides,
And especially by the Imoski judge.
The lady implored her brother:
“Oh, dear brother, for the sake of our mother,
Don’t give me in marriage to anyone,
Lest my poor heart should break
At the sight of my orphans.”
But the beg didn’t mind at all
And he gave her to the Imoski judge.
The lady implored her brother a second time,
To write a letter for her, on a white sheet of paper,
And to send it to the Imoski judge.
“The bride sends you her greetings
And in her letter she kindly asks
That when you assemble the wedding party,
You bring a long veil for the bride;
So that when she will be opposite the aga’s manor
She won’t be able to see her orphans.”
When the white letter reached the judge
He assembled the wedding party.
He assembled the wedding party and he went for the bride.
The party arrived at the bride’s place in fine fettle
And they started their return trip in good spirits.
But when they were opposite the aga’s manor
Her two daughters were watching her from a window,
And her two sons came out to her.
And they said to their mother:
“Come visit us, dear mother of ours,
So we can give you something to eat.”
When Hasan Aga’s wife heard this
She said to the leader of the wedding party:
“Brother in God, leader of the wedding party,
Stop my horses by the manor
So that I may give gifts to my orphans.”
They stopped her horses by the manor.
She gave fine gifts to her children.
To each little son guilded knives,
To each daughter a homespun dress to the ground;
But to the little son in the cradle,
To him she sends clothes wrapped in a bundle.
Now the hero Hasan Aga sees all this
And he calls to his two sons:
“Come here, my orphans,
Since she won’t have pity on you,
Your mother of the stone heart.”
When Hasan Aga’s wife heard that
Her white face struck the ground;
At that moment she parted with her soul
for the sorrow of looking at her orphans.



 

Aleksandar Hemon

(1964)
Hemon was born in Sarajevo, Bosnia and Herzegovina, then Yugoslavia, to a father of Ukrainian descent and Serbian mother. Hemon's great-grandfather, Teodor Hemon, came to Bosnia from Western Ukraine prior to World War I, when both countries were a part of the Austro-Hungarian Empire.
Hemon graduated from the University of Sarajevo with a degree in literature in 1990. After moving to Chicago in 1992 knowing little English, and finding himself unable to write in his native Bosnian, he resolved to learn English within five years.
In 1995, he began to write in English, and his work soon appeared in The New Yorker, Esquire, The Paris Review, and elsewhere. In 2000 Hemon published his first book, The Question of Bruno, which included short stories and a novella. His first novel, Nowhere Man, followed in 2002. Nowhere Man concerns Jozef Pronek, a character who earlier appeared in one of the stories in The Question of Bruno.
As an accomplished fiction writer who learned English as an adult, Hemon has some similarities to Joseph Conrad, which he acknowledges through allusion in The Question of Bruno. All of his stories deal in some way with the Yugoslav wars, Bosnia, or Chicago, but they vary substantially in genre.
Hemon was awarded a "genius grant" from the MacArthur Foundation in 2004.
Hemon has a bi-weekly column called "Hemonwood" in the Sarajevo-based magazine, BH Dani (BH Days).


english

Sarajevo Is...


The taxi driver who drove me from the airport and, when I observed that the leaves were already beginning to fall, replied: “Why, yes, first watermelons, then lessons,” which, on close analysis, I understood as representing a magic formula to describe the gradual approach of autumn.
The moment when, from Jekovac, after the Ramazan cannon fires to indicate sunset, you see the lights on all the minarets of Sarajevo simultaneously ignite.
The clatter of the first morning tram, echoing through the empty streets of the city.
The coldness of the buildings from the Austro-Hungarian era and the staircases inside them, with their treads worn by the soles that have climbed them for more than a century.
Somun—soft, white bread—(scattered with seeds) from the baker’s in Kovači.
Children’s balls, rolling in the shallow eddies of the Miljacka river.
The beauty of Sarajevo women, who always bear in them the imprint of their own past and their own future; the history of past and future changes: their faces reveal both skinny little girls and mature women, both minxes and careworn matrons.
The sfumato of a cold Sarajevo morning, before the sun steals up behind the mountains, and mist drifts up the slopes.
Škembići—tripe—at Hadžibajrić’s.
The fruit that grows on bushes throughout Sarajevo, known as “white berries.”
The slender cat, a striped market stray, that rolls on the pile of Persian carpets in Morić-han.
The round tray that rotates on the tip of a waiter’s forefinger.
The pigeons’ rally on Sebilje.
The aroma of cheese, cream, meat, and marble in the market.
The peal of church bells at six o’clock in the morning.
The way the Sarajevo accent bursts the speaker’s lips, because of the rumbling consonants and swallowed vowels, which looks particularly good on women with full lips.
Autumn leaves, ankle-deep, in Wilson’s Walk, and the sound of ripe chestnuts breaking off, hurtling through the branches, then hitting the soft carpet of leaves.
A white-wine spritzer at Ramiz’s.
The scent of old cellars: coal, dust, tubs for souring cabbage,mildew.
The lights that glint on the hills around Sarajevo at night, like stars that fall slowly, the way snowflakes do.
The sound of a deflated ball kicked around by children in the
open spaces of New Sarajevo.
The hissing of rain on streets under the wheels of cars.
Carved cartridge cases in the Kujundžiluk.
The chirping of radio stations in taxis.
The rheumatic hands of old men behind their backs as they watch a game of chess with giant pieces in front of the ghostly Department Store.
Ice cream with the flavor of “Egyptian vanilla” (whatever that is) at the Egypt pastry shop.
The green turf of Željo’s Stadium.
Asphalt full of hollows, holes, puddles, and the “roses” of shell craters, never perfect, always spattered.
The brief jerk of the head to one side that accompanies the response “Okay…” to the question, “How’re things?”
The intense colors of autumn fruit and vegetables softened by the shade of the beams at the Markale Market.
Meatballs—ćevapi—anywhere in town.
Sorrel that goes to seed in less than fifteen minutes.
The hardness of the stone you touch when you bend to drink a mouthful of water at the Gazi Husref-Beg Mosque.
The hum of Sarajevo heard from Hrid or Trebević—all the sounds of the city merged into one.
The silence that accompanies the first snowfall, as though everything and everyone were hushed with wistful excitement.
The long shadows of the trees in the Big Park on a September afternoon.
The collection of stuffed animals in the National Museum.
The statues in front of the National Bank, eternal guards of the Čeka, holding helmet-lights above their heads.
The rhythm of the tread of the elderly in Ferhadija, harmonizing with the rhythm of their conversation—a syntax of footsteps.
A cheap football shirt with the name Zinedine Zidane on the back of a grimy boy.
Tito’s portrait in the goldsmith’s in Ćaršija.
Underpants and stockings in the passage beside The Imperial.
The aroma clothes carry in them after a stay in Sarajevo: a mixture of sweat, cigarette smoke, ćevapi, washing in Sarajevo water, and drying in the open air.
The people of Sarajevo: the clever and the churlish, the greedy and the handsome, the weary and the young, youthful and crazy, rich and wretched, sturdy and sick, tall and rundown, the angry and the underhanded, the tricksters and the brilliant, the Diaspora and locals, children and adults, the faithful and infidels, the powerful and the pious—all in all, nearly four-hundred-thousand
urban atoms.
And let us be honest, there’s no end. You either love Sarajevo or you don’t.

Stairway to Heaven

It was a perfect African night, straight out of Conrad: the air was pasty and still with humidity; the night smelled of burned flesh and fecundity; the darkness outside was spacious and uncarvable. I felt malarial, though it was probably just travel fatigue. I envisioned millions of millipedes gathering on the ceiling above my bed, a fleet of bats flapping ravenously in the trees below my window. But the most troubling thing was the ceaseless roll of drums: a sonorous, ponderous thudding that hovered around me. Whether it meant war, peace, or prayer, I couldn’t tell.
I was sixteen, at the age when fear arouses inspiration, so I turned on the light, dug a brand-new Moleskine journal out of my suitcase, and had just managed to write, on the first page, “Kinshasa 7.7.1983,” when I heard my parents’ bedroom door slam open and Tata cursing and stomping away. I leaped out of bed and followed him into the living room, where he had already flipped on the lights. I bumped into Mama, who was cradling her worrisome bosom in her arms; Sestra was there, too, pressing her face into Mama’s side. All the lights were on now; a gang of moths fluttered hopelessly inside a light fixture; there were cries and screams; cymbals crashed all around us. It was terrifying.
“Spinelli,” Tata exclaimed. “What a dick.”
Tata slept in flannel pajamas that were far more appropriate for an Alpine ski resort than for Africa—air-conditioning allegedly irritated his kidneys. Before he vanished into the thrumming murk of our building’s stairwell, he put on a pith helmet, lest his bald dome be exposed to drafts. I stood in my underwear, my pen still in hand. The possibility that he might not return flickered in the dark, but it did not occur to me to go after him. The stairwell light went on and we heard a plaintive chime. The drums continued to roll. Tata abandoned the bell and started pounding on the door, shouting in his stuttering English, “Spinelli, you are very crazy. Stop noise. We are sleep. It is four in the morning.”
Our apartment was on the sixth floor; there must have been scores of people living in the building, but it appeared to have been abandoned. As soon as the stairwell light clicked off, the drumming stopped; the show was over. The door opened and a nasal American voice said, “I’m sorry, man. I absolutely apologize.”
By the time I went back to bed, it was dawn already. In the trees outside, a nation of birds had replaced the bats and were now atwitter in a paroxysm of meaningless life. Sleep seemed beyond me; nor could I write. Smoking on the balcony, I waited for everything to make sense. Down on the street, a barely clad man squatted by a cardboard box with cigarettes lined up on top of it, as though he were guarding them from some invisible peril.
from the issuecartoon banke-mail thisIn the early eighties, Tata was mostly absent from Sarajevo, working in Zaire as a minor Yugoslav diplomat in charge of communications (whatever that meant). Meanwhile, back home, I responded to the infelicities of adolescence and the looming iniquities of adulthood by retreating into books; Sestra, not yet a teen-ager, was oblivious of the aches sprouting inside me; Mama was mid-life, miserable and lonely, though I could not see this at the time, with my nose stuck in a book. I read compulsively, only occasionally surfacing to reality. I read all night, all day; at school I kept a book hidden under my desk, a felony frequently punished by a junta of class bullies who made me lick the pages until my tongue was black with ink.
I met Azra while checking out books from the school library, and I immediately liked the readerly quietude on her bespectacled face. I walked her home, slowing down whenever I had something to say, stopping whenever she did. She had no interest in “The Catcher in the Rye”; I had not read “Quo Vadis,” feigned interest in “The Peasant Uprising.” We shared an interest in “The Dwarf from a Forgotten Country,” even though it was a children’s book. And it was clear that we also shared a passion for imagining lives that we could live through others—a necessary ingredient in any love. We started dating, which meant that we often read to each other on a bench by the Miljacka, making out only when we ran out of things to talk about, kissing cautiously, as though letting ourselves go would have exhausted the quaint, manageable intimacy we had accrued. So when Tata announced, on returning to Sarajevo for a leave, that we would all spend the summer of ’83 in Africa together, I felt a strange relief: if Azra and I were apart, we could resist temptation and eschew the taint that the body inflicts upon the soul. I promised I would write to her every day—in my journal, as letters from Africa would have arrived long after my return. I would record every thought, I told her, every feeling, every experience, and, as soon as I came back, we would reimagine it all together, reading, as it were, the same book.
There were many things that I wanted to note down that first night in Kinshasa: the west ablaze, the east impenetrably dark as we crossed the equator at sunset; my perfect recollection of the smell of her hair; the line from a book that we had both liked so much—“I have to find my way home before the fall, before the leaves cover the path.” But I wrote nothing and assuaged my conscience by ascribing this failure to the drumming disturbance. What I didn’t write stayed in the back room of my mind, like the birthday presents I was not allowed to open until everyone had left the party.

Rationed

In the days of my adolescence, my parents returned from work around 3:45 P.M., and the family dinner was held at four o’clock. The radio was always on for the four-o’clock news, featuring international disasters and domestic socialist successes. During the meal, my sister and I were subjected to an interrogation on school matters; we were never allowed to eat in silence, let alone read or watch television. Whatever conversation we could muster had to be terminated in time for the weather forecast at four-twenty-five; dinner was over at four-thirty, by which time we were obliged to have finished everything on our plates and to have thanked our mother for her efforts.
Although my sister and I were invariably given the biggest and best morsels, we experienced our family meals as a means of parental oppression. We always complained: the soup was too salty, peas were served too often, the weather forecaster was obviously lying. For the two of us, the ideal dining experience involved c´evapi (grilled skin sausages, a kind of Bosnian fast food), comic books, loud music, television, and the absence of our parents. It was only once I was in the Army that I grasped the metaphysics of family meals and understood that the food was prepared over the low but steady fire of love.
In October, 1983, at the age of nineteen, I was conscripted into the Yugoslav People’s Army. I served my time in Stip, a town in eastern Macedonia that was home to both the military barracks and a bubble-gum factory. I was in the infantry, where the main training method was a kind of ceaseless debasement that began with the way we were fed. At mealtime, we’d line up on the vast tarmac for roll call, then march into the cafeteria, unit by unit, where we’d slide our sticky trays along the rails, each of us trying to solicit bigger portions from the pitiless kitchen staff. Our menu choices were fantastically limited. For breakfast, we got a piece of dry bread, a boiled egg, a packet of rancid margarine, and occasionally a slice of gooey, unsmoked bacon; we washed it all down with tepid sweet tea or decondensed milk in plastic cups that had been absorbing grease for all eternity. Lunch always required the use of a spoon; our favorite dish was a thick bean soup—complete with tiny sprouts that looked exactly like maggots—because it was filling and set us up for an encyclopedia of fart jokes. Dinner consisted of modified lunch leftovers, unless it was lunch all over again, plus a cup of prune-based bowel-movement potion. There was never time for conversation; we had to devour the grub quickly and then make way for the next ravenous unit.
Those were the good meals. We longed for them after we were deployed to the arid Macedonian plains, where we rehearsed for battles and slurped indefinable concoctions out of canteens or munched on the contents of our M.R.E.s: stale crackers, ancient cans of tuna, impenetrable dried fruit. Perpetually hungry, I often recalled my family dinners before I went to sleep, constructing elaborate menus that featured roast lamb or ham-and-cheese crêpes or my mother’s spinach pie.
from the issuecartoon banke-mail thisBesides tough-loving us boys into manhood, the Army was supposed to be one big family, a community bound by loyalty, comradeship, and sharing. But you never shared a goody-laden package from home or left any food in your locker; in military dorms, pilfering was encouraged as a form of preparation for pillaging in future wars. What you couldn’t eat alone you traded for clean socks and shirts, for an extra shower or a daytime fire-watch shift. Food was a survival commodity.
One soldier in my unit went on a hunger strike. The officers ignored him, assuming that he was bluffing. Like everyone else, he was required to be present for each roll call and the subsequent meal. Suddenly he had a lot of close friends who were eager not to let his food go to waste. After a while, he became too weak to walk; he had to be carried to meals by two soldiers. The lucky men fought over his boiled egg while he smiled with his eyes closed, his gaunt cheek laid on the table.
A few months after my conscription, my mother and sister undertook a two-day trip from Sarajevo to visit me. By then, I was deployed in Kicevo, in western Macedonia. The weather was dismal, so we spent the visit at their hotel. Mother had brought along a suitcase full of food: veal schnitzels, fried chicken, spinach pie, even a custard cake. She spread a towel on the bed, as there was no table, and I ate from plastic containers. The first bite of spinach pie—that sublime blend of spinach and eggs and phyllo pastry—brought tears to my eyes. ♦

 

 

Dušan Radović

(1922-1984)

english

Do you believe me

A boy washed his hands and face
every day with pleasure and grin
until his ears grew very big
and his skin became very thin.
- Do you believe me?
His mother shouted: "That's enough!"
But, he had extremely strong will;
He washed his face every day
until he suddenly became ill.
- Do you believe me?
An old, strict doctore came
and said:
- It's not a game--
he and water have to sever.
I forbid him to wash his face ever!
- Do you believe me?

The fall

When the leaves start falling,
usually darkness falls, too.
With darkness, the rain is falling--
a picture of the Fall's sad frown.
And at the end,
there's always someone who trips
and falls down!

When it was dark

When it was dark
inside the house,
a cat chased a mouse far away--
far, far away.

A cat chased a mouse far away--
far, far away.
Did the cat eat the mouse?
Did the cat miss the mouse?
Even her suspicion roused
because it was dark,
because it was dark...


Gustav Krklec

(1899-1977)

english

To the nameless one

The old timepiece on the mantle-shelf is idling,
Its hands have long been yellowing with the smoke.
The lamp's nodding flame only describes
Constricted space, solitary journeys.
I've no idea where I am, - my smarting eyes
Darkly surmise something. It's night, hot, deep blue.
It's hard when everyone and everything keep silent,
And when the past butts in confounding wakefulness with dreams.
I snuff the rickety lamp and close my eyes.
Nobody's going to come on a visit now -
Neither a thief nor a stranger, nor a friend or the woman I love.
I lay my head in the lap of solitudes,
And listen to the train-whistles coupling the night.
Where are you now you never had a name?

Ivan V.Lalić

Ivan V. Lalić was born in Belgrade on June 8, 1931.
His father Vlajko was a journalist, and his grandfather Isidor Bajic had been a celebrated composer.
Lalić has gained an international reputation as one of the major poets of the former Yugoslavia. When in 1983, a BBC interviewer asked Lalic how he had found his poetic voice, Lalić replied "My childhood and boyhood in the war marked everything I ever wrote as a poem or poetry“.
Indeed, Lalić’s poetic quest into the nature of time, culture, and human perception combines a startling clarity of images and a thoughtful, highly crafted, lucid diction that places him firmly in the tradition of European and American modernism, in which he is acknowledged to be one of Europe's masters.
Ivan V. Lalić died on July 28, 1996 in Belgrade and for more than decade after his death is considered as one of Serbian poetry classic.


deutsch

So sang Orpheus

Er sang wie ein Strauch voller Rosen,
Mit einer Stimme aus Kupfer, Früchten, Schaum angetan.
Und jeder Zweig verlängerte sich, war lose
Unter der Rinde, – als böte, um sie zu kosen,
Einer Frau der dunkle Körper sich an.

Das prächtige Raubzeug gar wusste von nichts,
Als ihm das Blut zu goldnem Honig gerann.
Und stand schaudernd: klein, groß, erpicht,
Ein aus der Stille geschnittnes Scherbengericht –
Mit See-Leuchten im Ohr, das Lauschen ersann.

Er aber hielt vernehmbar die Zeit
Mit der Weichheit des Wassers: kristallklar, des seichten
Voll von Forellen, mit roten Punkten bestreut;
Und die Farbe des Grases, das Blumenpracht zeugt,
Und die Erd-Aromen, die biegsamen, die sonnenreichen.

Und er sang auch im Regen – lauwarm;
Nass, inmitten des lilanen Kleewuchses Fülle,
In blutiger Haut, heimlich, voll gierigem Harm
Aufs reife Echo der Stimme unterm Gebarm,
Lauerte er auf die erste Woge der Stille.

Die Argonauten

Das Meer, mit der eigenen Ewigkeit versponnen,
hat uns geduldet; und so trieben wir, von Küste
Zu Küste, Tage, Nächte, Jahre.

Die schönsten Ufer berührten wir zwar nicht.
Nur der Wind trug zarte Fragmente
Vom Duft prächtiger Obstgärten bis ans Ende der Welt,

Fernab unserer Fahrrinne; wir hingegen
Lernten Liebe und Tod kennen, und ein klein wenig Sinn,
Das zähe Körnchen Gold im Sand der Erinnerungen;

Ja, und den Stolz der Abenteuer, mit Blut befleckt
Und von den Winden rein gewaschen, unter jenem Stern,
In den wir ungeschickt unsere Namen schrieben.

Am Ende kehrten wir dahin zurück, woher wir aufgebrochen waren;
Die Besatzung löste sich auf wie eine Halskette; zerrissen war
Der Faden unseres Schicksals. Der Kapitän: zerschmettert am Bug des Schiffes.

Das Meer blieb dasselbe. Alles blieb dasselbe.
Am Ausgangsufer verfault das Schiff der blühenden Rippen.
Aber wenig macht es, wer das Geheimnis kennt:

das Ende ist nicht wichtig,

Nur die Seefahrt zählt.

Byzynz 2

Über der Karte der Stratege, der Gesetzgeber auch,
Und goldener Sand in der Wasseruhr;
Reife
In den Augen der Kinder, und Weisheit im Spiel
Unter der Zypresse, wo die kurze Grasflamme
Vom Stein die Worte ableckt, welche die Luft
Auswendig zitiert;

und die Kuppel in der Glut
Des vom Wiederholen schwer gewordenen Mittags; das Meer
An der Schwelle der Stadt, und der Schnee an der Grenze
Voll ausgeschriebener Spuren; es mischen sich jene der Wölfe
Mit jenen von Fremden. Der Sigel auf dem Brief,
Im Ring eingefroren die Bewegung der toten Hand.
Auf den Wänden reisen Karawanen
In den ewigen Ruhm des Augenblicks ohne Begrenzung;
Die Biene über der Blume summt das Alter, der Stern
Lässt den geflügelten Schatten wie einen Anker
Ins flache Meer sinken. Die Schlacht setzt sich fort.

Der Einsamkeit standhalten, ohne einen späteren
Umtausch des Glanzes gegen Unschuld, ohne Punkte
Im feierlichen und schweren Satz.
Die Sprache, immer unverständlicher, rühmt
Die Bewegung, welche sie gebar, weit fort
Ins Zentrum des reinen, verlorenen Kreises hinein.
Der Wind an den Grenzen; es funkeln
Die langen Speer-Erdzungen im Nachmittagsmeer.

Über der Karte der Stratege, der Schreiber über der Urkunde
Vom versuchten Weiterbestehen. Im Brombeerstrauch
Brennen die Augen des Basilisk; der Jäger
Bewegt behutsam den Spiegel, immer
Müder von der Vorsicht; die Zunge der Schlange
Und der Hahnenkamm, und der endgültige Blick
Auge in Auge, wie eine seltsame Gerechtigkeit
Am Ende der auferlegten Versuchung.

Der Wächter an den Stadt-Toren bekreuzigt sich
Mit einer Bewegung, die keine Konsequenzen kennt.
In der Nacht schließen die Ketten den Hafen
Und es brennt das Nachtlicht im Zarenzimmer.
Und der Pantokrator im Gold der Kalotte
In der Größe der reinen Abwesenheit
Wiederholt die Bewegung des wahrhaftigen Segens.

Und möge die Nacht länger als alle Nächte sein
Und möge ihre Herrschaft über alle Maßen andauern
Bereits verloren im Kalkül der Schlacht:

Da die Reife ihrem Abbild den Blick erwidert,
Dem ohne Spiegel, ohne List gefährlichen,
Wie das erste Raubtier an seinem ersten Morgen.

Orphika

Nur im Traum rezitiert der weise Phosphor
Die Predigt über die Quelle, und er entflammt
Schon bei der ersten Berührung mit des Tages Odem:
Woran ich mich entsinne, das ist die Form des Blitzes,
In dem das genaue Wort brennt,
die Kunde
Vom klaren Wasser (gebt mir zu trinken!) –

Im Durst liegt meine Rechtfertigung;
ich bin herabgestiegen
Zu den eingerissenen Fundamenten,
Habe aus der Lache die Farbe von Lehm geschlürft,
Den Geschmack von Unkraut; ich habe meine Hand
Unter die lebendige Nadel der Quelle im Felsen gelegt
Für einen Schluck der Blume des Wassers, der Milch des Schnees,
Ich habe die Lippen an den taubenetzten Stein
Einer Rinne gelegt, Regen getrunken, vermischt
Mit dem Piepsen einer Möwe und dem Aufflackern eines Blitzes,

Im Durst liegt meine Rechtfertigung;
ich habe getrunken
Die trübe und blutige Sava, die Donau
Mit dem Geschmack paradiesischen Sumpfes und Masuts,
Deren Gurgeln im unterhöhlten Turm
Smederevos; ich habe die Weisheit des Urahns getrunken
Und seine Träne aus Bregava, aus Ibar,
Und das Meer habe ich getrunken,
die Stimmen in ihm,
Das vollständige in Silben zergliederte Jahrbuch des Schicksals
Und das Salz und den Samen des Windes
In dem gleichen Gebirgsbach,
Und ich habe den Tau vom Efeu abgeleckt, habe die Zunge
In eine Felsspalte gesteckt
Eines einzigen Tropfens wegen (gebt mir zu trinken!) –

Ich kenne das Rasseln der Kette am Brunnen,
an unzähligen Brunnen,
und wie der Eimer plumpst,
Das in der feuchten Tiefe vervielfachte Echo,
Und wie es tropft, während ich an der Kurbel drehe,
Gesammelt im Durst, in meiner Rechtfertigung –

Und bitter ist mein Mund
Von dieser Erfahrung des Durstes, die mich zurückwirft,
So dass ich pilgere von Wasser zu Wasser,
(Und die Quellen vermischen sich im Hass
Und im Vergessen, wie die Generationen),


Und ich suche einen klaren Tropfen,
in dem das Wasser
Sich seines Ursprungs erinnert, und es sich
Von seinem Ende trennt, rein, restlos,
Und es wandelt sich nicht,
jedoch wandelt es den Sinn
Und die Form des Durstes.

Gebt mir zu trinken.

english

The Spaces of Hope

I have experienced the spaces of hope,
The spaces of a moderate mercy. Experienced
The places which suddenly set
Into a random form: a lilac garden,
A street in Florence, a morning room,
A sea smeared with silver before the storm,
Or a starless night lit only
By a book on the table. The spaces of hope
Are in time, not linked into
A system of miracles, nor into a unity;
They merely exist. As in Kanfanar,
At the station; wind in a wild vine
A quarter-century ago: one space of hope.
Another, set somewhere in the future,
Is already destroying the void around it,
Unclear but real. Probable.

In the spaces of hope light grows,
Free of charge, and voices are clearer,
Death has a beautiful shadow, the lilac blooms later,
But for that it looks like its first-ever flower.
 

Ivan  Slamnig

(1930-2001)

Poet, story teller, dramatist, literary theorist and translator, born in 1930 in Metkovic. Died in 2001 in Zagreb. It is hard to imagine a poet with greater versatility than Ivan Slamnig. He was certainly one of the most innovative and unpredictable poets of the eighties.
Ivan Slamnig studied at the Arts’ Faculty in Zagreb from 1949 to 1955. He was a university lecturer at the Arts’ Faculty in Zagreb and he translated literature from English, Russian, Italian and Swedish.

english

A saint

Three cherry trees, one plum tree,
An oak, one half of a sunflower:
a saint has grown right here,
hands crossed
at his chest.
He has grown out of the earth:
he has never passed through a woman.
Feeding on figs,
as white as a newly painted white boat,
he turned the skies into his eyes.

St. Ioan Stolpnik
never coveted his nearest and dearest
and he never experienced passion,
all because he had grown out of the earth:
there was no touch connected to human flesh
that could quench the desires of his backbone.

His problem was
that he did not know what to give up to God.
When he climbed up the pillar,
he sacrificed his curiosity,
and that was the only thing he had,
poor Ioan.

Be shocked

Be shocked, my love, at what’s happening this evening;
people talking behind our backs, whispering
our names to each other,
violet, phosphorescent street-lamps
throwing light on our meeting places,
and those words we used to say in a soft voice
being put on air now.

I am a foreigner

I am a nobody. Who are you?
E. Dickinson
I am a Foreigner! Good evening.
Are you a foreigner too?
It makes us a couple, isn’t it so? Don’t tell, because
they’ll chain up me and you.

It is sad to be a native
and it is boorish, like a frog,
croaking all night long
from a fuming bog!


Nostalgia of staying

I walk a bit
it rains a bit
I stop over in some entrance
the rain stops
I walk a bit
and then it rains again
and I stop over in some entrance
my umbrella is closed
and water trickles and
falls down in drops
from the palms of leaves
a truck passes by
then another
then a tram
then a third truck
all newly wet
and I’m holding my wet umbrella
standing
and I imagine myself
playing the role of a wandering knight
in some ballet

A little bit more and I’m going to brandish my umbrella
like a sword.

Women

Women are creatures from Venus, except that we live together.
In order to become acquainted with them, we search them in and out.
There are some things they seem to know better,
some things that we don’t really care to think about.
After we had fingered them for no other reason than to make a test,
we run off claiming we had already got to know their best.

They stay. All efforts to take everything from them seem to be in vain.
That’s what really makes us cross, and so we try again.

Time passes but they are still alien and bizarre.
Maybe they’ll go back to that planet, very far.

Janko Polić Kamov

(1930-2001)

Er war ein Schriftsteller und Anführer der kroatischen Avantgarde, konsequenter Anwender der modernen neuen Kunstrichtungen und Verneiner traditioneller Literaturmodelle. In nur sieben Jahren seiner literarischen Schaffenszeit schuf er eines der umfangreichsten Opus. Der Roman "Isusena Kaljuza" - Die ausgetrocknete Grube - ist im wahrsten Sinne eines der gewagtsten prosaistischen Experimente in der kroatischen Literatur.

deutsch

Lied an die Sonne

Es kommt die Sonne, eisige Seele, und vertreibt die Gespenster des Frostes;
es kommt ein blutjunger Gott und schenkt dir das Feuer seines Blutes;
warm ist sein Blut und seine Worte sind wie die Worte der Liebenden;
er ist der Gott der Leidenschaft und seine Leidenschaft ist rein;
lebhaft ist seine Leidenschaft, wie das Reh und mild wie die Brise;
sein Flüstern ist leise wie der Duft und der Duft ist sein Wort.
Unschön ist deine Melancholie, wie Glockengeläute;
trübsinnig deine Akkorde, wie das Spiel der Orgel;
traurig bist du, trist, wie die Karwoche;
keine Leidenschaft steckt in deinem Schmerz und dein Leiden ist Teil vom Nirwana.
Was schrakst du auf, wehmütige Seele - vergänglich sind die Gespenster des Frostes:
sie sind wie Rauch und Alkohol;
betrunken bist du, eisige Seele, und unschön riecht dein Atem;
er ist wie der Atem der Schenken und die abendliche Litanei;
er ist müde wie die Glocke und der Gedanke des Betrunkenen;
gelb wie die Blätter, tragisch wie der Herbst;
tot wie dein Blut, wie der winterliche Himmel:
du bist so eisig, wehmütig, o meine trübsinnige Seele.
Sieh, es kommt ein blutjunger Gott;
in seinen Strahlen bringt er Blut und sein Atem ist wie die biblische Geschichte;
lieblich sind seine Schritte, wie Knospen an einem Frühlingsmorgen:
warm ist seine Empfindung, wie ein Mittag an sommerlichen Meeresufern;
gut ist der blutjunge Gott, wie eine Mutter;
seine Lippen sind Küsse und Feuer sein Auge;
weich sind seine Hände wie die Hände der Kinder, seine Liebkosungen wie die Tränen des Mitleids;
leicht ist sein Flüstern, wie deine Hoffnung.
Es kommt ein blutjunger Gott und groß wird sein Triumph;
jubeln wirst du, betrübte Seele, und dein Jubel erklingt wie die erste Liebe;
riesig wird deine Hoffnung, wie der Samen der Menschheit:
wie meine warmen Lippen, die das Lied an die Sonne singen.

Eisige Unzucht

Hier lass uns sterben, Kitty, die Kraft ist aus meinen Gliedern gewichen;
kein Ausgang führt aus dem eisigen Wald und kein Weg durch die Finsternis;
zugeschneit ist alles und verschwunden darunter unsere Spuren;
niedergesunken ist mein Arm vor Erschöpfung und Frost hat meinen Gedanken befallen;
wir gehen unter, Kitty, und gierig lauert der Rachen des Todes.
Kennst du noch den Sommer und meine Gedichte?
Papier soll den Nachfahren meine Sünden erzählen, dass ihnen mein Name zum Fluch werde;
dir weinen sie nach und Tränen werden fließen, Kitty;
entweiht durch meine Verse, bist sprühende Unzucht du in meinem Buche.
Erschrocken sind deine Augen und erfroren dein Atem;
grau bist du vor Kälte und zersprungen deine Lippen;
es zittert deine Seele zur Melodie des Entsetzens;
gestorben ist die Atmosphäre und dein Lied, das sie umkreist;
es war von kurzer Dauer, nun kehrt es zu uns zurück wie der Schnee.
Hörst du meine Worte, verkommene Scheue?
lautlose Unzucht sind sie und eisig fallen sie zu dir nieder;
umschlungen von meinen Armen - o, gib mir das Flüstern des Blutes.
Sieh, finster wurde die Sonne und fahler sind ihre Strahlen;
alleine im Grauen erfrorener Münder und schwarz gähnt der gespenstische Rachen;
er ruft uns zu mit gierigem Gesang;
es wüten seine Zähne und zermalmen wollen sie unsere Gebeine.
Gib mir das Flüstern des Blutes - im Blut fließt unser Leben;
stärker als alle Wut versteht es dem tödlichen Drang zu trotzen;
o, hauche mir zu, dass wir aufspringen mögen und uns aneinander drücken;
schläfrig ist unser Blut geworden - und im Wachsein liegt unsere Rettung.
Sieh, Eis ist gefallen und unsere Gottheit liegt im Sterben;
glanzlos ist meine Mutter und tot sind ihre Lippen;
milchlos sind ihre Brüste und es sterben ihre Kinder;
eisig ist das Entsetzen und sein Strahl, der über uns hinwegzieht;
erfroren sind meine Worte und bleiern fallen sie auf uns nieder.
Wo ist dein Blut, Geliebte?
mein Nagel wird nach ihm suchen und forschen wird mein Zahn,
wie die Augen des Hungers und die Stimme der Flut.
Ertaubt bist du für meine Worte und verstummt ist deine Leidenschaft;
sag, wo ist dein Blut, Frau meiner Gedichte und Träume?
im Sterben liegst du, Liebste, und keine Glocken erklingen zu deinem Begräbnis;
erfroren ist dein Blut und zerbrochen sind deine Gebeine,
erkaltet ist mein Atem und gestorben ist der Kuss.
Die Speisen sind angerichtet, Gespenst, sie sollen dir munden,
gemeinsam ist uns der Teller, Kitty, und unsere Körper sind seine Gerichte;
getraut wurden wir, Frau - im Gedärm lass uns Hochzeit feiern;
die Heirat ist nahe und das Ehebett ist gemacht;
das Ehebett ist gemacht - und vernagelt sind seine Bretter.
Gemeinsam ist uns das Grab und kein Kreuz steht auf seinem Hügel;
gemeinsam ist uns der Sarg und die Umarmung unserer Körper;
feucht ist die Erde - oh, tote Geliebte.
Seelenlos ist unser Gerippe und der Zerfall unseres Fleisches;
Würmer sind unsere Küsse, verfault sind die bestrichenen Bretter.
Sind es Tränen, die auf’s Grab niedertropfen, und blühende Blumen?
liebkost uns die Feder des Dichters, die Wärme mitleidsvoller Jugend?
wird man je die Erdschicht durchgraben, den Deckel des Sarges aufbrechen?
findet man unsere Gebeine und ließt den letzten Vers?
Kurz war mein Leben, zu früh entstarb meine Seele;
früh war mein Tod, wie all die verfrühten Leidenschaften;
aus totem Grabe erhallt der Schrei und mahnend ist sein Klang;
er ist die Verzweiflung der Klage und das Feuer des Widerstandes.
Seht, die irrende Unzucht, die Leidenschaft des Seins;
verflucht meine Gedanken und versengt deren Flügel;
sie kriecht aus den Leichen hervor und Aufruhr ist ihr Atem;
Tot lieben unsere Körper einander und verbittert ertönt ihr Schrei.
Verwirrt war Mutter Natur und trunken, als sie gebar:
eng war mein Leben und weit, weit war meine Seele.
 

Das Hohe Lied


Gehen wir, Zigeunerin, du meine schwarze Geliebte;
dunkler ist deine Haut und schwarz deine Augen;
zerschunden sind deine Füße und fettig dein Haar;
schwarz bist du, wild, o meine schwarze Geliebte.
Ich liebe den Schrei aus deinen Augen und liebe den Schrei aus deiner Brust;
darin steckt unsere Liebe, im Schmerz liebt man die Frau und der Schmerz gebärt die Kinder, o meine nackte Geliebte.
Groß bist du in deiner Freiheit und größer noch ist unsere Liebe,
unsere Liebe, dunkel wie der Wald und blutig wie die Gottheit;
meine Frau ist die erste unter den Frauen: schwarz wie die Nacht, geheimnisvoll wie die Wolke,
wild wie mein Kuß und aufrührerisch wie meine Verse.
Unsere Liebe wird ein Chaos sein: trüb und durcheinandergemischt, kein Wort kennt man dafür;
wir küssen uns, nackt und warm, und die Kniffe sollen unser blutiges Lied singen,
ich zerre an deinem Haar, du drückst deine Augen in meine Seele und die Wut soll unser verfluchtes Lied singen;
wir winden uns wie die Schlange und kriechen wie das Ideal - und die Tragik soll unser verzweifeltes Lied singen.
unsere Liebe überwuchert uns - peitscht uns mit Entsetzen und der Schmerz soll unser grauenhaftes Lied singen.
der Wald ist unser Tempel und das Gras unser Bett - das Chaos ist unsere Gottheit, und die Seelen unser Opfer.
Aus dem Chaos windet sich das Kind hervor, unser Kind - o meine ungesetzliche Frau und meine ungesetzliche Geliebte;
und sein Name wird lauten: ungesetzliches Kind;
und es trottet durch die Welt, hungrig wie unsere Leidenschaft, Verflucht wie unser Lied
und blutig wie unsere Liebe;
und der Fluch bricht über ihm nieder und keinen Platz wird es haben unter den Menschen;
verfluchen wird es Vater und Mutter und deren Liebe, von den Menschen erhebt sich sein Fluch zu Gott;
Trauer und Entsetzen, wo immer sein Fuß hintritt und keinen Krümel Brot wird es sein eigen nennen;
jagen wird man es, in Ketten legen und Verbrechen wird seine Nahrung sein.
Tot ist die Welt, o meine Geliebte, und schwarz ist es in ihrer Langeweile;
tot ist das Volk, o meine Geliebte, und schläfrig ist sein Gesang;
verrückt ist das Schweigen, o meine Geliebte, und Schweigen ist ihre Sprache;
sieh, müde sind sie und das Gähnen ist die Musik ihrer Tage;
ihre Seelen sind leer wie das Lachen der Huren, ihr Lachen leblos wie das Wort des Gesetzes;
ihre Gesetze sind wie ihr Gott - o, herzlos ist ihre Gottheit;
eintönig ist ihr Opfer, wie der Rauch von Zigarren, und ihr Geruch, wie der Geruch des Kadavers;
keine Sterne leuchten an ihrem Himmel und anders sind die Wolken;
ihre Sonne ist fahl wie die Kerze am Leichenbett und Mauern sind ihr Wald;
wüst ist es, schwarz, o meine Geliebte, und Tage sind wie ihre Gedanken;
keine Unruhe in ihren Augen und ihre Augen sind wie die Augen der Säue;
kein Aufruhr in ihrer Bewegung und ihre Bewegung ist wie die Bewegung des Ochsen;
blutlos sind ihre Körper und leer ist ihre Seele, wie Gott.
Dorthin werfen wir unser Kind, meine schwarze Geliebte;
dort trotten seine Füße und dort blitzt sein Fluch;
dort zittert die Flamme seiner Seele; der Umsturz in seinem Gedanken, der Aufruhr in seiner Bewegung und der Ärger in seinem Atem;
er wird es sein, der die Eingeschlafenen weckt und die Toten auferstehen läßt;
und Ketten werden seine Verlobte sein.
Unser ungesetzliches Kind, o du seine ungesetzliche Mutter -
namenlos wie das Verbrechen und einsam wie der Hunger!
Jubeln wird die Stimme unserer Küsse und die Fülle unseres Blutes:
O Namenloser, du bist unser Kind!
Und unser Jubel ist der Jubel von Dreistigkeit und Verzückung, riesig wie die Ewigkeit,
leidenschaftlich wie das Kneifen und verlockend wie die Frau im Dunkel des Waldes.
Gehen wir, meine Zigeunerin, meine schwarze Geliebte;
wir lieben uns im Chaos, aus dem Chaos wächst das Kind;
das Kind unseres Blutes, das Kind unserer Seelen, das Kind unseres Lebens.
Gehen wir, meine Zigeunerin, meine nackte Liebe;
wir bringen unser Kind zur Welt, das namenlose Kind;
und wir geben ihm einen Namen, den Schönsten unter den Schönen;
Umsturz wird sein Name sein, o unsere ungesetzliche Liebe!
 

Post Scriptum

Ich sang nicht den Mädchenaugen,
dem Jüngling, der für sie verglüht,
ich bin kein Dichter der Liebe,
die ringsum duftet und blüht.
Ich sang nicht des Volkes Vergangenheit,
nicht Könige will ich erwecken:
Ich bin doch kein biblischer Hund,
dem Hiob die Wunden zu lecken.
Ich sang nicht das kindische Glück,
den Zeugungsdrang der Philister:
ich bin nicht der Weihrauch der Durchlauchten,
der Gottheiten und der Minister.
Ich sang keine Tränen des Mitleids,
für Noahs trunkene Laune;
des Stumpfsinns und christlicher Helden
bin ich nicht die Posaune.
Ich sang nicht die Wehmut der Skrofel,
durch bürokratische Gage:
ich bin nicht der Kämpfer der Elenden,
vom Fenster der ersten Etage.
Traf überall - wie auf Unrat -
auf’s Antlitz ehrenvoll dumm...
Wenn Dummheit des Menschen Scham befleckt,
verprügeln könnt ich sie drum...
Stattdessen, zum Schlage ausgeholt,
traf wütend ich daneben:
Ins Glas! Nun blutet meine Faust,
die Splitter am Fleische kleben.
Der Fluch, verächtlich und widerlich,
schreibt meine Gedichte seither:
Ich bin der Dichter der Fluchenden,
vorläufig - nicht viel mehr!

Ljubomir Simović

(1935)

 wurde am 12. Dezember 1935 in Užice geboren. Studienabschluss an der philologischen Fakultät in Belgrad, Institut für jugoslawische Literaturgeschichte und serbokroatische Sprache. Er schreibt Gedichte, Bühnenstücke, Prosa. Seine Stücke wurden in mehr als dreißig Theatern in Frankreich, Canada, Belgien, Schweiz, Polen, Tschechische Republik, Slowakei, Süd-Korea, Mazedonien, Slowenien, Bosnien-Herzegovina und Kroatien aufgeführt. Seit 1988 ist er assoziiertes und seit 1994 ordentliches Mitglied der SASA.

deutsch

Stiefel

Ich sehe du hast erstklassige Stiefel!
Hat man je solche Stiefel gesehen!
Das sind Stiefel vom feinsten Kalbleder!
Nicht nur aus einem herbstlichen Schneeregen:
so gut gestiefelt
kehrt der Mensch selbst aus einer Flut trocken zurück!

Das sind wahrhaftig Stiefel der Macht!
Sieh nur wie sie beschlagen sind!
Das ist nicht bloß Schuhwerk, das ist eine Waffe!
Bist du gestiefelt, so bist du bewaffnet!

Es gibt nichts, wovor er zurückschreckt,
der Mensch in so gewaltigen Stiefeln!
Auf diesen dicken Sohlen stehst du
wie ein Turm auf seinen Grundfesten!

Nicht nur Schmutz, Makadam und Schnee:
diese majestätischen Stiefel zertreten alles!
Zertreten Finger, zertreten Zähne, zertreten Münder!
An den Sohlen klebt Mehl und Blut!

Hast du dich denn nie gefragt,
weshalb sie dich in diese Stiefel steckten?
Etwa um, ihre Ärsche schützend,
unsere Köpfe zu treten, zu zerstampfen?
Köpfe wie Melonen und Kürbisse?
Köpfe wie Schalen und Näpfe aus Ton?

Hast du dich denn nie gefragt,
ob die Stiefel nicht aus Stein sind,
und die Herren schicken dich übers Wasser?

Hast du dich je gefragt,
ob du es schaffst, die Stiefel wieder auszuziehen?
Wirst du dich vielleicht nie von ihnen befreien,
und, sie weit in die Dornen schleudernd,
barfüßig und befreit zum Fluss gehen,
barfüßig und befreit durch Immen und Blüten,
barfüßig und befreit durch das Weiß des Schnees,
der Gänseblumen, Wolken und Schafe?

Was glaubst du, wie weit du kommst in diesen Stiefeln?

Wirst du dich gar noch mit blutigen Stiefeln an den Füßen
in die Erde legen, zu den barfüßigen Vätern?


Selbstportrait mit dem Kopf auf dem Tisch

Es wachsen bei mir an der Schwelle,
wachsen im Fallrohr, wachsen auf dem Dach,
durch alle Zimmer
wachsen Gras- und Unkraut-Enklaven!
Ach ich möchte schlafen!

Ameisen befallen mich,
mein Arm bis zum Ellbogen
ward schwarz, wo sie sich trafen!
Ach ich möchte schlafen!

Ins Dorf geritten kommen die Soldaten,
versengen die Kassia,
stellen den Gänsen und Enten nach,
treiben auf die Chausseen
Herden von Kühen und Schafen!
Ach ich möchte schlafen!

Sie zertrümmern meine Tür mit
den Kolben ihrer Gewehre,
versetzen mir Schläge,
nehmen mich fest,
werfen mich die Stufen hinab in die Finsternis,
in der es wirbelt von Gerätschaften
aus Holz und aus Eisen, scharfem!
Ach ich möchte schlafen!

Einer, ich sehe nicht wer,
ruft mich zum Kampf für die Freiheit,
fordert den Sieg von Gerechtigkeit und Wahrheit,
den Sieg von Recht und Gesetz im Verfassungshafen!
Ach ich möchte schlafen!

Gewehr und Helm warf ich fort!
Soll doch der Schnee siegen!

Worauf mein Haupt
zu Boden geht,
so wollt ihr mich strafen!

Ich möchte schlafen,
löscht das Licht,
ich möchte
schlafen!
 

 

Marko Vešović

(1945)

deutsch

Die Stadt

Er lebt noch immer in mir, ein unvergeßlicher
Anblick

Das Bild, eine Träume gleich, Sarajevo von Bistrik.

Scharen von Sternen versanken in finstere Tiefen-
Irdisches und Himmmlisches ohne Grenzen verliefen.

Laternen mit gebeugten Köpfen, die Straße entlang,
von Bistrik hinab, wie Glockenblumen im Verbrand.

Als ob die Seele, vor Angst-ganz wach und voller
Bedacht-
Aus der vertrauten Welt zu einer unbekannten lacht.

Dann spüre ich voller Entsetzen, und halte inne:
Die Stadt ist eisiges Wasser, er wird mich umschlingen.

Erkennen muß ich tief in Herzen, die Stadt ist so
Groß
Ich finde ihr keinen Platz und keinen glückliches
Los.

Wo soll ich Unterkunft finden in Meer dieser Lichter?
(Ich denk an die Schwester, an vertraute Gesichter).

Und fühl mich gesetzlos, ähnlich einer wilden Ziege,
Wie ich von Bahnhof hinaus in die Einsamkeit biege.

 

Mile Stojić

(1955)

english

Brotherhood ans sisterhood

If I were to be born again
and could choose, I would choose neither
this language, nor this vocation

Neither this sign of faith, nor this faith
without hope. I would not accept
murderers teaching me justice.

I would not pick this time
nor this country where there is no
solace. Nor these brothers who have

sold me. Nor this nation which
sacrifices her sons to the golden
calf. I would throw away my

Name. Only would I choose
You again, whom I touch
a thousand times every day.

with a look of devotion and bliss.

deutsch

Notizen aus der Todesfuge Paul Celans

„wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng”
Zu Weihnachten 1994
in der offenen psychiatrischen Anstalt Steinhof in Wien
deren einer Flügel umgewandelt ist in ein Flüchtlingslager
verteilt eine Mitarbeiterin der österreichischen Caritas
an bosnische Kinder die ihre Eltern im Krieg verloren haben
Mozartkugeln
Jedes Kind erhält eine Kugel und hält sie sorgsam in der Hand
“Ich werde diese Kugel nicht essen”, sagt ein Mädchen dem Verfasser dieser Notiz
“ich werde sie aufbewahren für meinen Papa, wenn ich nach Grbavica zurückkehre”
Auf meine Frage wie sie heiße antwortet sie ihr Name sei Anela
Anela sage ich wir werden zusammen zurückkehren
“Erst müssen wir die Tschetniks schlagen”, sagt sie und klatscht in die Hände
Frohe Weihnachten, Anela! sage ich nur um das Gespräch fortzusetzen
“Ich feiere keine
Weihnachten”, sagt sie
“Ich glaube an Allah, den Erhabenen”
Ich wollte ihr die Worte der Überlieferung erklären dass Gott heute abend kommen werde,
um die Welt zu erneuern
aber ich verzichtete darauf
Es ist egal Anela dachte ich
Meine ganze Erklärung und mein ganzer Glaube
Hätten den Eindruck leerer Demagogie hervorgerufen
bei diesem Geschöpf das mich betrachtet mit den klaren neugierigen Augen eines Engels
die Mozartkugel in der Hand haltend wie eine Zauberkugel
bestimmt für den einzigen wahren Gott in der Ferne
der nicht kommen wird

Libretto für Flöte und Maschinengewehr

Jeden Tag
spielt der Cellist Vedran Smajlović aus Sarajevo
auf der Brandstätte der National- und Universitätsbibliothek
ein Adagio von Albion
Um seinen Geigenbogen
versammeln sich die Geister der verbrannten Bücher
wie Schmetterlinge um eine Kerze:
Die erschrockenen Augen Kafkas
die hungrige Seele Baudelaires
Voltaire mit einem Sandsack auf dem Rücken
Cechovs versengter Ziegenbart
Thomas Mann mit Symptomen
aufkommender cholerischer Anfälle
Dostoevskij wirft Bomben von Trebević aus
*
Gott zeigt sich uns niemals
aus dem brennenden Dornbusch
*
Ihr junge Dichter
die ihr starke Worte wie “Tod”, “Blut”, “Heimat” liebt
begreift
dass die Poesie die Völker nicht gut macht
und die Herrscher nicht vernünftig
Das Tuch der Veronika
wird im dritten Akt zum Handtuch von Pontius Pilatus
und am Ende der Vorstellung
zum zerrissenen Lumpen der an einem Baum flattert
als einziges Zeichen menschlicher Niederlage
All jene die häufig sagen “mein Volk”
bleiben meistens anonym oder sind Feiglinge
Geht lieber in die Bordelle
Schaut wie großartih das Karussel der Freude sich dreht
im Schwung der Musik des Geldes und des Keuchens
*
Ein jeder hat seine Aufgabe:
Die Väter träumen die Söhne fallen
die Mütter klagen
Die Schwestern schreiben Briefe
und schicken sie an Adressen
die nicht mehr existieren
*
Breite Bouklevards Klänge der Kithara
grüne Alleen Bars mit roten Lichtern
Cordoba als Gemeinplatz der Utopie
die europäische Postmoderne Joseph Beuys stellt am Beaubourg aus
und Goran Kovačić auf dem Tjentište
Maxim Gorki schreibt Flugblätter einer neuen Komintern
Paul Claudel führt eine Prozession der katholischen Kirche an
Friedrich Hölderlin ist alles egal
in seinem Tübinger Turm
*
Der Zynismus zieht seine Wurzel aus dem lateinischen Wort canis
was Hund heißt
Im österreichischen Parlament
kämpften drei Burgenländer Kroatinnene Vertreterinnen der Grünen
im Sommer 1993
für die Rechte des Hundes
 

Die Pappel

In der Mitte des Friedhofs von Koševo
steht eine verbrannte und vertrocknete Pappel
Dem guten Kenner der Verhältnisse in Sarajevo
kann sie als Sonnenuhr dienen
Der Schatten der Pappel fällt morgens
auf verwahrloste orthodoxe Kreuze
Wenn er auf das kleinste namenlose fällt
heißt das es ist neun Uhr
(die Zeit wenn die Seelen getöteter Heiduckenerwachen
um die Beute zu teilen und an Gottes Tisch Platz zu nehmen)
Am Mittag
bedeckt der Schatten einen marmornen Grabstein freidlich
und geheimnisvoll wie der Säbel Sulejmans
Auf ihm vermischen sich römische und arabische Ziffern
auf ihm versammeln sich traurige Bienen
junge Ehefrauen welche die Heiducken begattet
und erhängt haben
Am Abend
hält ein kleiner Schatten an auf der Kapelle
der Franziskaner der kleinen Brüder
die jahrhundertelang ihre Gebetbücher schmelzen
in denen das Stampfen der Hufe widerhallt der Kämpfe
des alten Königreichs
All dieses konnte der Vorbeigehende sehen
an sonnigen Tagen
In Zeiten des Regens
ähnelte der Stamm der Pappel eher einem Blitzableiter
oder einer Antenne die in ferne Galxien
Botschaften der Furcht und des Leidens schickt
Von diesem allerfernsten Ort auf der Erde
Die Dachrinnenflöte

Im billig gemieteten Zimmer
oder am Fenster eines Cafés
hörst du die trübsinnige Dachrinnenflöte
Der Regen lässt sich langsam herab wie die Jahre
Du sortierst Erinnerungen oder unbezahlte
Rechnungen. Jede Rechnung sagt
dass du überhaupt nicht lebst. Du lebst eine
Art verlängerten Todes. Du schwebst zwischen
Atmung und Demütigung
Alle deine Nerven zittern durch die Dachrinnenflöte. Locken goldenen Haares
weibliche Gliedmaßen die sich wie Honig ergießen
durch unbekannte Nächte und schwere Weine
Der Glanz der einen Augen die eben jetzt hervorschauen
aus der Erinnerung
Draußen verabreden Geschäftsleute Termine
draußen reden Frauen über das neue Parfum von Chanel
Draußen träumen Politiker von Kriegen
und eine junge Nonne von den Falten an Christi Taille
Draußen regnet es und die Dachrinnenflöte summt
und du weißt nicht wohin die Jahre verschwunden sind
Der Kamm hat Seide angesammelt die Sirenen des Alkohols rufen
Ein schweres Wort ist steckengeblieben zwischen Zunge und Gaumen
Ein Hund kommt hinter einer Ecke hervor laässt Wasser am Baumstamm
und verschwindet am bläulichen Horizont
 

Gitarre mit Stacheldrahtsaiten

Für Elisabeth Krenn
Unsere Gedichte ertragen keine großen Worte mehr
unsere Sprache wird immer mehr zum unverständlichen Gemurmel
Luciano Pavarotti dem man die Zunge abgeschnitten hat
spukt jetzt umher mit einem Röcheln in welchem keine Spur mehr
des göttlichen Gesangs ist
Unsere Träume werden reine Bilder fast
durchsichtig. In ihnen gibt es keine Bewegung
Nur die Weiße von Alpengletschern
wo die geringste Bewegung eine tödliche Lawine
hervorrufen könnte
Ein solcher Traum: Meine Schwester ist im Lager und
spielt auf einer Gitarre mit Stacheldrahtsaiten
Das Blut sickert von ihren Fingerkuppen und fällt
auf das T-Shirt und die Jeans aber
ihr Gesicht lacht
Sie spielt eine Melodie die wir oft gesungen haben
ich sehe genau die Griffe: D, A, G7
aner ich kann ihr nicht folgen. Ich schaue nur
wie sich die Gitarre mit Blut füllt und wie ihre silbrige Stimme
widerhallt widerhallt

Enträtselung

Für Ivo Komšić


Die Passanten aus dem Theatercafé heraus beobachtend
(Damen und Bettler Bauern und kurzatmige Akademiker)
denke ich an jene die ihre Stimme im Dunkeln verborgen haben
glaubend sie hätten so das Antlitz der Geschichte gerettet
Ich denke an einen Abend in Sarajevo
als wir Schnaps tranken und mit Wehmut in der Stimme das Wort
Heimat aussprachen das Dunkel ahnend. An den Fensterscheiben
trommelten die Stimmen der Unterwelt ergossen
sich herbe Akkorde des Bluts der Sinnlosigkeit und des Leidens
Sonnenschirme leuchten vor den Großstadtcafés
aus der Erde sprudeln Säfte seidene Tücher halten das Haar der Ariadne
und wir suchen weiter nach der Enträtselung des Tötens
Wie konnten wir wissen dass der Nächste bald
die feuchten bosnischen Wiesen besiedeln wird
In den schwarzen Kaffeesatz blickend in die Hände die sich über den Tisch bewegen
denken wir jetzt daran wie wir die eigene Seele retten die durchnässt
am Rande eines endlosen Ozeans steht. Nein es gibt keine Begrenzung
für diesen trüben Horizont der die Tiere und Bäume in Bedrängnis bringt
und nicht einen Vogel fliegen lässt
Es ist schwer dies zu sagen. Jetzt gibt es nichts mehr
außer Blut das sich verschwenderisch ergießt die Erde vergoldend
Es ist schwer dies zu sagen
Wir waren nichts weil wir uns an niemanden wandten

Komm zu uns aus der Hölle

Tonko Stojić meinem fernen Vorfahren
hat die Frau an einem Tag vier Söhne geboren
Vor Angst sie könnten sterben rief der Urgroßvater sofort den Priester
der ihnen die Namen Matthäus Markus Lukas und Johannes gab
Das war am Anfang des Jahrhunderts
aber Geschichte wird immer am Rande geschrieben
Matthäus starb noch als Kind an Schwindsucht
für den guten Zaren Franjo
Markus hat zehn Kinder gezeugt
(Eines von ihnen war mein Onkel Mile
der an Leberzirrhose und Melancholie
im Jahre 1955 dem Jahr meiner Geburt starb)
Johannes ist in Amerika als Emigrant verschieden
und hinterließ zwei Frauen und sechs Kinder
von denen keines auch nur sechs kroatische Wörter kennt
Lukas wurde 1945 als Ustaša erschossen
von der Volksbefreiungsarmee
Mein Vater hat die Hälfte seines Vermögens ausgegeben um zu erfahren
wo sein Grab ist
Drei meiner Großväter dachte ich als Kind sind im Paradies
nur Lukas kam in die Hölle
Heute wenn ich sehe wie unser Land von Fremden verwüstet wird
schicke ich meinen ganzen Stammbaum zum Teufel.
Und kaum dass ich unter schweren Qualen einschlafe
weckt mich das Knarren von Harons Kahn
Mein Großvater Luka kommt mit seiner unbesiegbaren Kompanie.
Seine mörderischen Säbel schlagen erneut
die Köpfe feindlicher Krieger und Panzer ab
Mit den Füßen stampfend diese Wortdraisine
die nach allen Seiten sprüht



Matija Bećković

(1946)

wurde am 29. November 1939 geboren. Seit 1991 ist er ordentliches Mitglied der Serbischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Bećković gehört zu den herrausragenden Dichtern der serbischen Literatur der siebziger Jahre. In der Auseinandersetzung mit der „patriarchalen Kultur“ leistete er einen Beitrag zur Erneuerung der poetischen Sprache in Inhalt und Form. Gesammelte Gedichte sind in sechs Bänden 1990 erschienen.

 

english

Dagger

A famous tale
From the far north
Says hunters of wolves
Dip a double-bladed dagger
In fresh bold
Plant the hilt in ice
And leave it in the snowy wild

The hungry wolf
Whiffs the blood from afair
Especially in the pure sharp air
Beneath the high and icy stars
And quickly finds the bloody lure.

Licking up the frozen cloths
he cuts his meaty tongue
And laps his own warm blood
From off the hard cold blade.

And he will not stop
Until he collapses
Bloated with his own blood.

If wolves are like this
Heard to hunt as they are
Then what about the people
And even whole nations
Especially ours
That can't get enough
Of our own blood
And would sooner die out
Than come to se
That a bloody dagger
Will be all
The monument
And cross
That is left
Above us.


If I knew that I would hold myself proudly

If I knew that I would hold myself proudly
In prison and before courts:
I would roast and burn but still bear all
Resisting everything with my bare limbs!

If I knew that I would push away
The table with my feet, myself put on the noose
My soul would earn itself eternity
And my hangman weep after me.

But I fear that I would entreat
And weeping, kneel, betraying all.
So as to keep at least my naked life
And spit on everything, agree to anything.

Two worlds

And very soon the day must be near
we shall send a request to the prison governor

To preserve us from fear, freedom and cold
and accept us for penal servitude!

And when we are thrown into chains and servility
may the world at last lost its shameful stability!

And of those two worlds which this world embraces
may the world of prisoners become greatest.

And then may our guards out of shame or fright
ask to come over one night to our side.
 

Skender Kulenović

(1910-1978)

deutsch

Grabstein


Der Marmorgrabstein schweigt
in der Sprache der Szenen auf seinen Seiten,
die stärker als die Krallen des Regens,
Vampirgeheul und Dieberei,
Mond und Sonne darauf, sie bedeuten
Totenschiffe, die zwei
haben schon längst die Seele überführt,
sind im Dock seit langen Zetein.

Entfernt haben sich von ihm die Städte und
das Land. Aus Blick schafft ihm der Oktober,
und Zigen, die hier am Blattwerk nagen.
Der Wind gemahnt das Gestrüpp,
raschelnd ein Kreuz zu schlagen.
Seine Schlange windet sich am Rellief entlang.
Und krümmt es mitten auf der Wand.

Warum bin ich hergekommen, wenn alles
bereits hier aufgeschrieben?
Mein letztes bleiches Grün zu atmen
mit den herbstlichen Wiesen.
Horh, es klingt der reife Strunk-
Der Specht zimmert menen Sarg zurecht.

Den Versen, die eingemeißelt in deinen Stein
noch wiederhallen, gönn Ruh
und, still geworden, lass sie,
mögen die Flechten decken sie zu,
leg dich unter den Grabstein des Verses
ohne den Fährmann Specht.
 

Stevan Tontić

(1946)

deutsch


Belehrung der Mutter


Ich habe der Mutter meinem Traum
vor der Poesie geschildert
das Gold des Geistes strömte
aus dem Nichts in Etwas-
sie sagte nur: Mein Gott, was gibt es nicht alles!
Ich habe ihr von Homer, von Shakespeare erzählt
Sie sage: Glaub ihnen nicht, mein Sohn!
Ich habe auf des Wesen das Unsagbaren verwiesen
auf dinge, aus denen solche Freude gekommen
daß sich selbst Gott die Haare sträubten
sie sage: Gib nur acht
Dies gibt es
Das passiert.
Ich sprach zu ihr über das Sein oder Nicht-Sein?-
Die Frage ist jetzt
Und schon saßen wir in der Falle des klaren „jetzt“
Sie sage: Schau-
Das gibt es
Da ist Es!
Rette deinen Kopf, mein Sohn!

***

Dort, wo die Orgeln die Ankunft der himmlischen Heerscharen priesen,
dort erschienen die Scharen der Mörder zuerst.
Dort, wo die Lieder von ewiger Liebe und Bruderschaft schallten,
erschallte der Aufruf zum gegenseitigen Schlachten.
Dort, wo du letzte sichere Zuflucht erwartest,
eilend, deinen Kopf zu retten -
von dorther kommen grad alle geflohen
Hals über Kopf.

Vladislav Petković Dis

(1880-1917)

deutsch

Vielleicht schläft sie


Heute Morgen hatte ich das Gedicht vergessen,
suchte vergebens mir den Traum zurück,
ich weiß nicht mehr, was nachts im Schlaf gewesen

das Gedicht, das ich geträumt, es schien mein
ganzes Glück.
Heute Morgen hatte ich das Gedicht vergessen.
Im Schlafen ahnte ich die Kraft des Morgens nicht:
Bei Tag verlieren die Sterne ihren weißen Schein,
der Mensch erwacht, die Erde braucht das
Sonnenlicht,
der bleiche Mond geht wieder in das Dunkel ein.
Im Schlafen ahnte ich die Kraft des Morgens nicht.
Was im Traum geschah, ich weiß es kaum,
da waren Augen, ein Gesicht, die Himmelsferne,
vielleicht ein Kind, ein altes Lied, das war mein
Traum,
ein Tag von früher und am Himmel Sterne.
Was im Traum geschah, ich weiß es kaum.
Ich kann mich nicht erinnern an den Traum,
nicht an die Augen, nicht an jenes Gedicht.
Der Traum, er ist zergangen wie aus Schaum.
Die Augen sind vielleicht die Seele, die aus mir
flieht.
Ich kann mich nicht erinnern an den Traum.
Ich ahne – nur das Ahnen wird mir bleiben,
ich ahne, es sollten jene Augen sein,
die seltsam mich durchs Leben leiten, treiben,
im Traum, zu sehen, was ich tue so allein…
Ich ahne – nur das Ahnen wird mir bleiben.
Dass jene Augen kommen, und mein eigenes Glück,
es winkt mir zu, die Liebe und das Lachen,
ihr Antlitz und ihr Frühling und ihr Blick –
ich sehe es ihm Traum, doch nicht im Wachen,
dass jene Augen kommen, und mein eigenes Glück.
Ich sehe ihren Kopf mit der Haareskrone und in
Haaren eine Blume,
und ihren Blick, der sich zu mir wendet,
der mir wie aus der Blumenwiese sagt, dass er
mich spürt,
der mir fürsorglich Labsal und Zärtlichkeit
spendet.
Ich sehe ihren Kopf mit der Haareskrone und in
Haaren eine Blume.
Nun habe ich keine Liebste, ich weiß ihre Stimme
nicht.
Ich kenne nicht den Ort, wo sie wohnt oder
begraben liegt.
Warum hält der Tag nicht, was der Traum mir
verspricht!
Ich weiß nicht, ob sie schläft oder ob ihr Grab
meine Trauer teilt.
Nun habe ich keine Liebste, ich weiß ihre Stimme
nicht.
Vielleicht schläft sie mit Augen fern allem Bösen,
fern vom Leben, von Illusionen, von Zeit und
Raum,
und mit ihr schläft unsichtbar, was Schönheit
gewesen.
Doch vielleicht lebt sie und kommt nach diesem
Traum.
Vielleicht schläft sie mit Augen fern allem Bösen.


Vladimir Kopicl

(1949)

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Das Kind

Das Kind liegt in